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Jüdische Nachrichten · 1939-02-09 · 6 (9.2.1939) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
6 (9.2.1939)
Date
1939-02-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9. Februar 1939 JUDISCHE NACHRICHTEN 3 GLOSSEN. Geld und Vermögen wird zu Kot. Diesen Satz hat kein Anderer als Vladimir Jabotinsky, der Führer und Schöpfer der Neuen-Zionistischen- Organisation, nicht nur ausgesprochen sondern sogar niedergeschrieben, Jabotinsky hat schon sehr viel gesprochen, geschrieben und somanches vorausgesagt. Wir wollen uns darüber nicht unterhalten, ob er stets Recht hatte, ob er sich immer auf den Boden der Wirklichkeit befand. Dass Jabotinsky spricht, schreibt, prophezeit kann uns nicht Wunder nehmen, dafür ist er eben Schöpfer und Führer einer neuen Bewegung. Wir beabsichtigen diesmal weder seine Ausprüche noch Redewendungen zu bekritteln. Ausnahmsweise hat er eine sehr aktuelle, aber umso unangenehmere Feststellung niedergeschrieben. Es ist wohl Usus bei ihm, Unangenehmes seinen politischen Gegnern ungeschmünkt ins Gesicht zu schleudern. Diesmal tat er eine Ausnahme, er schrieb an seine Freunde. Und gerade diesem Umstände ist es zuzuschreiben, dass wir uns mit dieser seiner Festeilung befassen. Jabotinsky fürchtet nicht, dass er bei seinen Freunden in Ungunst geraten wird. Er fürchtet weder Prestige noch Popularitätverlust. Er sagt an die Adresse seiner Freunde und Anhänger wörtlich folgendes : „Jedes Leben und Vermögen ist teuer, aber es kommt einmal die Zeit, vielleicht sogar morgen, wenn das grosse Unglück eintreten wird, wo sich das Vermögen in Kot verwandeln und das Leben wertlos sein wird, alle verstehen, dass wir heute in einer solchen Zeit Leben. Blind muss man sein, wenn man mit dem Gelde bei der Voiksbesteuerung geizt. Gebet daher vielviel für das Volk, gebet solange es Zeit ist!" Im Grunde genommen könnte man Jabotinsky zu dieser seiner Festeilung beistimmen. \\ ir wissen und verstehen zwar nicht mit welchem Rechte gerade jabotinsky die Volksbesteuerung bei den jüdischen Volksmassen vornehmen kann. In einer Sache irrt er aber vielleicht doch. Nicht alle verstehen oder wollen verstehen, dass wir heute in einer solchen Zeit leben- Unsere Leute z. B. wissen noch immer nicht, dass aussergewöhnlich grosse Opfer gebracht werden müssten, damit die thoratreue Jugend — die ihr Dasein voll und ganz nach dem Geiste der Thora fristen möchte, vor dem Verfalle gerettet werde. Wir wollen jedoch kienem Unrecht tun. Vielleicht sind schon sogar unsere Bale-Batim davon überzeugt, dass wir heute tatsächlich in einer solchen Zeit leben — und wären gerne bereit, für die Rettung dieser Jugend die Rettung dieser Jugend die gewaltig grosse Opfer zu bringen, nur sind wir leider sehr arm, arm an mutigen Führerkapazitäten, die eine derartige Forderung an das Thoravolk stellen würden. Womit man uns beschuldigt. Uns Juden wird es oft zum Vorwürfe gemacht, dass wir eine Sittenlehre besitzen, die es uns gebietet, Unterschiede zu machen zwischen Angehörigen anderer Völker und unseren Glaubensgenossen. Wir brauchen nur die Bibel aufzuschlagen und wir werden gleich sehen, dass gerade das Gegenteil richtig ist. Einige Stellen wollen wir hier wörtlich zitieren. „W enn sich ein Fremdling in eurem Lande aufhält, so sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Wie ein Eingeborener von euch sei euch der Fremdling, der sich aufhält bei euch und liebe ihn, wie dich selbst (III. 19. 33-34) „Eine Satzung sei für euch und für den Fremdling, der sich aufhält; eine ewige Satzung für euere künftigen Geschlechter; wie Ihr, so soll der Fremdling sein vor dem Ewigen". (IV. 15. 15.) Er schafft Recht für Waisen und Wittwen und gibt ihn Brot und Kleidung. Und so liebt den Fremdling; denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Mizrajim. (V. 10. 18-19) Unsere Talmudgelehrten schätzen einen jeden Menschen, der sich nach etisch-religiösen Prinzipien sein Dasein fristet, ebenso ein, als den Hohepriester in Israel. Auch diese wenigen Zitate beweisen, wie stichhältig die Argumente unserer Gegner sind. Die Erklärung Mac Donalds im Unterhaus von der Palästina-Konferenz. Die Frage der jüdischen Einwanderung in Palästina, ist eine der wichtigsten Angelegenheiten der Londoner Konferenz. London. Im englischen Unterhaus fragte Abg. Vyvyan Adams den Kolonienminister, ob ihm bekannt sei, dass die antijüdische Diskriminierung andauere, dass die daraus folgernde Atmosphäre seelisch für die heranwachsende jüdische Generationen eine schwere Gefahr darstellt und dass Palästina die natürliche Zuflucht für die verfolgte Judenheit ist, und ob er im Lichte dieser Tatsachen nun doch erlauben wolle, dass 10.000 deutsch-jüdische Kinder nach Palästina kommen. Kolonienminister Malcolm Mac Donnald erwiderte, er habe im Augenblick der Antwort, die er am 14. Dezember euf eine ähnliche an ihm gerichtete Frage erteilt hat, nichts hinzuzufügen. Abg. Adams: Da dies eine Angelegenheit von besonderer Dringlichkeit ist, möchte ich doch noch einmal fragen, ob diese Kinder jetzt nicht doch zugelassen werden können, und zwar so, dass die ihnen zu erteilenden Einwanderungserlaubnisse in die später auszugebenden Einwanderungschedulen eingerechnet werden? Mac Donald : Die ganze Frage der künftigen Einwanderung in Palästina ist eine der wichtigsten Angelegenheilen der Palästinakonferenz. Wir können den Ergebnissen dieser Besprechungen nicht vorgreifen. Abg. Adams : Der minister meint doch nicht, dass auf keinen Fall weitere Juden nicht mehr in Palästina zugelassen werden sollen?! Wenn er dies aber nicht meint, warum können diese Kinder nicht jetzt nach Palästina kommen? Abg. Geofrey Mander : Wird der Minister, aus humanitären Gründen, vor die Konferenz den Vorschlag bringen, diesen Kindern die Erlaubnis zur Einwanderung in Palästina zu geben? Mac Donald : Ich habe bereits eine Versicherung abgegeben, dass die Regierung diese Möglichkeit im Auge behalten wird. Gegenwärtige Lage in Palästina. Ueber die Lage in Palästina erklärte er, dass im vergangenen Monat hinsichtlich der Wiederherstellung der Ordnung weitere Fortschritte erzielt worden. Die von den Militärbehörden errichtete stenge Kontrolle hat den grossen Terrorbanden ein Operieren immer schwerer gemacht und die Rebellentätigkeit hat letztens die Form zahlreichr isolierter Terror- und Sabbotageakte angenommen. Gegen der Judenentrechtung in Polen. Warschaa. Das Wochenblatt „Zaczyn", welches als das Organ des Stabschefes von OZON und Vizepräsidenten des Sejm, Oberst Wenda, gilt, nimmt entschieden Stellung gegen die Judenenlrechtungsprojekle der Deputierten Sztoch und Kendz. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt; Wohl ist Ozon für eine Lösung der Judenfrage im Geiste der bekannten Ozon- Prinzipien, aber die Projekte der arwähnten Deputierten würden das Hinabslossen von drei Millionen Bürgern Polens in einen Abgrund von totaler Isolation und Hoffnungslosigkeit bedeuten, was zur Auslösung blutiger Verzweiflungsakte führen müsste. Jeder verantwortliche Staatsmann wird verstehen, dass dies nur ein Weg polenfeindlicher Kräfte sein kann, u. dass derjenige, der solche Mittel anwendet, sich zum Werkzeug fremder Agenturen macht. Aussenminister Beck beeinfiusst „Ozon"-Kreise. Die Kattowitzer Tageszeitung „Polonia* weiss zu berichten, dass die ablehnende Haltung des Lagers der Nationalen Einheit (OZON) gegenüber den antijüdischen Geselzesvorschlägen der Sejmdeputierten Sztoch und Kendz auf Einflüsse des Aussenministers Oberst Joseph Beck zurückzuführen ist, der von solchen Projekten eine Störung seiner Aussenpolilik befürchtet. Diese Haltung des Oberst Beck hat allen weiteren Versuchen, die jüdische Frage durch Entrechtung und Ausbürgerung zu lösen ein Ende gemacht. Die Antwort das Ministerpräsidenten Skladkowski auf Interpellation Skwarczynskis und der 116 OZON-Deputierten zeigt, dass eine aktive Lösung des Judenproblems auf eine lange Zeit hinaus verschoben ist. Eine auf. jüd. Siedlung in San Domingo? Prag. In Paris traf eine jüdische Delegation aus Mährisch-Oslrau ein, um mit der Pariser Gesandschaft der Republik San Domingo (auf der Insel Haiti) einen Vertrag über Schaffung einer autonomen jüdischen Siedlung zu schliessen. Das Projekt wird von der cechoslovakischen Regierung unterstützt. Der Entwurf des Abkommens sieht u. a. vor : 1. Etwa 1000 bis 1100 jüdische Familien aus Mährisch-Ostrau siedeln sich auf einen geschlossenen Territorium der Republik San Domingo, welches ihnen zur Wahl gesteht ist, an; die Siedler erhalten freien Boden und das Recht, innerhalb der Siedlung jeder landwirtschaftlichen und industriellen Betätigung nachzugehen, die sie für nützlich hallen. Sie haben das Recht, innerhalb der Siedlung nach Gutdünken Gebäude zu errichten, einen sanitären und einen Sicherheitsdienst zu installieren. Die Siedlung geniesst im Rahmen der bestehenden Gesetze der Republik volle Autonomie. 2. Die Regierung stellt den Siedlern unentgeltlich Instruktoren zur Verfügung. 3. Noch vor Eintreffen der Neusiedler bereitet die Regierung für sie freie Unterkunftsgelegenheit für die erste Zeit ihres Aufenthaltes vor. Die Einwanderer fürfen zollfrei ihren Hausrat, sowie Werkzeuge, Maschinen usw. ins Land bringen. 4. Mindestens für die ersten zwei Jahre ist die Siedlung von jeder Sleuerleistung befreit 5. Die Regierung garantiert den Einwanderern volle Freiheit in der Ausübung ihrer Religion. 6. Den Siedlern steht es frei, nach einem Jahre die domikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben. 7. Die Regierung ist bereit, später Verwandte der Siedler unter den gleichen Bedingungen wie die Siedler selbst ins Land kommen zulassen. Soweit der Vertragsentwurf. Vor Antritt der Reise wird jeder Siedler 100 Dollar für das Visum und 200 Dollar Landungsgeld pro Kopf des Erwachsenen zu zahlen haben. Die ersten 1000 Siedler werden sich alle aus bisherigen Einwohnern Mährisch-Ostraus und dort weilenden Flüchtlingen zusammensetzen. Es sind unter ihnen Spezialisten von fünfzehn verschiedenen Industrien. Die csl. Regierung erlaubt ihnen die Mitnahme von 20 Millionen Kronen in Devisen bei Abzug 30. Proz. des Betrages. Sie dürfen ausserdem ihre Maschinen, Werkzeuge und anderes bewegliche» Besitztum mit sich nehmen.

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