Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 6 (9.2.1939)
- Date
- 1939-02-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE NACHRICHTEN 9. Februar 1939. Aesserungen Rabbi Mosche Blau's zur Konferenz. Auf die Frage wie der Jischuw den Plan der Round-Table-Konferenz aufgenommen hat, antwortete Rabbi Mosche Blau Präsident der palästinensischen Aguda, den Vertretern der Presse, ungefähr folgendes: „Der Vorschlag wurde allgemein mit Zufriedenheit aufgenommen umsoeher, dass die verantwortlichen Teile des Jischuw schon lange gewusst haben, dass die friedliche entwicklung des Landes sehr von einer friedlichen Verständigung mit den Arabern, die nur durch eine unmittelbare persönliche Aussprache erzielt werden kann, wo- Wege gesucht werden sollen, eine Lösung für die Probleme des Landes zu finden. Auch jene die der Konferenz pesimistisch entgegensehen und sie gleich von vornherein als ein totgeborenes Kind betrachten, werden zugeben, dass sie auch aus diesem Standpunkte nicht zu verneinen ist, um der Welt zu zeigen, daß wir auf dem Ruf zu verhandeln mit einen „Ja" geantwortet haben, und wir für eine friedliche Lösung der Probleme sind. Sollten die Verhandlungen wirklich ohne Erfolg abgeschlossen werden müssen, dann wird die englische Regierung unseren guten Willen zum Frieden, gesehen haben und sie ihrerseits sich veranlasst fühlen müssen energischer die Verhütung des weiteren Blutvergiessens zu betreiben. Auf die Frage auf welche Plattform sich die Verhandlungen bewegen werden, erklärt Rabbi Mosche Blau : das es momentan schwer ist dies genau zu wissen. Nach den arabischen Pressestimmen zu urteilen, wären die Verhandlungen zum Fiasko verurteilt, doch lässt sich annehmen, dass die extremen Forderungen der arabischen Presse nur eine Taktik bedeuten wollen und die arabischen Führer zu den Verhandlungen mit massigeren Forderungen kommen werden, die vielleicht vom Verständigungswillen und Kompromissbereitschaft getragen werden, da sie einsehen werden die schrecklichen Folgen die die Unruhen auch für ihre eigene Interessen gebracht haben. Von jüdischer Seite vird man ohne Zweifel alles Mögliche unternehmen — um den Frieden zu sichern, — auch von gewissen Opfern, wird man nicht zurückschrecken um die Verständigung herbeizuführen, denn wir haben die weitere Entwicklung des Landes ins Auge und wollen uns mit unseren Nachbaren vertragen. Es ist klar, dass Erez Jisroei seine Tore breit öffnen muss für die viele unglückliche jüdische Menschen, die gezwungen sind ihre Galut-Länder zu verlassen. Das werden die Araberführer auch einsehen müssen, wenn sie überhaupt zu einer Verständigung kommen wollen. Was sagt Rabbi Meir Berlin! X In einer in London*gehal£eiien Rede befasste sich der Präsident dee*"\Velt-Misrachi Rabbi Meir Berlin mit den bevorstehenden Londoner Besprechungen und sagte u. a.: Wir werden bei dieser Gelegenheit nochmals unsere Ansprüche dartun und unsere Rechte reklamieren müssen. Die Araber werden vor allem verlangen, dass den Juden nicht gestattet werde, den Aufbau des Landes fortzusetzen. Demgegenüber werden wir erklären, dass Palästina uns historisch und kraft unserer dort vollbrachten Leistungen gehört. Wird die Konferenz für negativ enden und wird man uns Juden erklären, dass wir in Palästina nichts zu suchen haben, dann sind wir verloren. Wenn wir aber erklären werden, dass wir ungeachtet dessen, was in Palästen und von Kabinetten beschlossene Resolutionen bringen mögen, für Palästina bauen, arbeiten und kämpfen müssen, weil das unsere einzige Rettung ist. werden wir siegen. Wir werden, schloss Rabbi Meir Berlin, nicht einen einzigen Zoll Boden in Palästina hergeben. Wir sind nach London gekommen, um zu erklären, daß wir nicht von der Stelle weichen werden und dass uns nichts und niemand wird verdrängen können. Und nun noch eine Erklärung Ussi'schkin's. Vor seiner Abreise zu den Palästinabesprechungen in London übergab der Präsident des Grossen Zionistischen A. G. Ussichkin der hebräischen Presse die folgende Erklärung : „Ich begebe mich nach London, obwohl ich tief überzeugt bin, dass die Juden an den dortigen Besprechungen nicht teilnehmen sollten; denn der Zweck dieser Konferenz ist die Erfüllung der arabischen Forderungen auf Kosten der Juden. Ich gehe hin, weit die Mehrheit der Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency beschlossen hat, an den Besprechungen teilzunehmen, und darauf bestanden hat, dass auch ich anwesend bin, damit ich die Verantwortung mit trage. Ich konnte dieses Verlangen nicht ablehnen, ohne damit die zionistische Organisation in diesen schweren Zeit in ihrer Einheit zu gefährden. Flüchtlinge schedigen nicht den eng lischen Arbeitsmarkt. London. Der stellvertretende Sekretär des englischen Gewerkschaftskongresses H. V. Tewson präzisierte in einem Interview mit Pressevertretern die Stellung der englischen Gewerkschaftsbewegung zu dem Flüchtlingsproblem. Seit 1933, sagte Tewson, befassen wir uns mit dem Flüchtlingsproblem und können feststellen, dass die Behauptung, die Flüchtlinge schädigen den englischen Arbeitsmarkt, in keiner Weise zutrifft. Die meisten Flüchtlinge erhalten keine Arbeitsbewüligung und werden nur unter der Bedingung in England zugelassen, dass sie binnen 2 Jahren auswandern. Nur hochqualifizierte Spezialarbeiter, an denen in England ein Mangel besteht, dürfen auf eine spezielle Erlaubnis hin Arbeit annehmen. Kommentare zu den Judenverordnun« Regierung. gen der cecho- Prag. Die beiden Verordnungen der Zentralregierung der CSR. betreffend Revision der Staatsbürgerschaften und Ausweisung der Emigranten machen keinen Unterschied nach der nationalen, rassischen oder konfessionellen Zugehörigkeit; in der Praxis aber werden sie allerdings hauptsächlich gegen Juden angewendet werden. Nach vorsichtigen Schätzungen befinden sich in der CSR. etwa 5000 Emigranten aus Deutschland-Oesterreich, die seit Wochen und Monaten, zum grössten Teil vergebens, die Konsulate aufsuchen, um Visa zu erhalten. Ihre Lage ist verzweifelt. Laut der Verordnung kann das Landesamt gleichzeitig mit dem Ausweisungsbefehl oder auch nachträglich den Emigranten auferlegen, sich bis zur Zeit der Abreise aus der CSR. in einem bestimmten Ort aufzuhalten. Es kann stattdessen auch dem Emigranten eine Meldepflicht auferlegt werden. Was die Ueberprüfung der Staatsbürgerschaften betrifft, so haben seit 1. Novem! r 1918 schätzungsweise 3000 jüdische Familien mit rund 10.000 Seelen die cecho-slovakische Staatsbürgerschaft neu erworben. Die Zahl der Juden, die am 1. Januar 1938 oder später ihren Wohnsitz auf den an Nachbarstaaten nach dem 30. September abgetretenen Territorien hatten, beträgt etwa 15.000. Gegenwärtig findet in der GSR. eine Hausevidenz der Bevölkerung statt, die hauptsächlich dazu bestimmt ist, eine genaue Statistik der Emigranten und der Flüchtlinge aus dem Sudetengebiet zu erlangen. In den ersten Kommentaren der Zeitungen zu diesen Verordnungen wird betont, daß die csl. Regierung keine Rassengesetze eingeführt hat. Eine Lösung der Judenfrage nach Rassengrundsätzen — so schreibt die „Närodni Politika" — ist für die CSR. grundsätzlich unannehmbar, denn die zweite Republik huldigt christlichen Grundsätzen, und zwischen Christentum und Rassismus gibt es ebenso wenig eine Versöhnung wie zwischen Feuer und Wasser. Von offizieller Seite werden die Nachrichten, dass man im Zusammenhang mit den antijüdischen Massnahmen den jüdischen Staatsbeamten in der CSR. kündigen wird, als ungenau bezeichnet. Rublee wieder in London. — London. Der Direclor of auihority des Interstaatlichen Büros in London George Rublee ist am Donnerstag, 2. Februar, abends, nach London abgereist, nachdem er noch am gleichen Tage eine letzte Unterredung mit dem Göring-Beauftragten Ministerrialdirektor Dr. Wohltat gehabt hat. Rublee bringt nach London einen in seinen Einzelheiten formulierten Plan der Finanzierung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland, dessen wesentliche Abweichung vom ursprünglichen Schachtplan, darin besteht, dass in ihm von einem zusätzlichen deutschen Export ebenso wenig wie von einer internationalen Anleihe die Rede ist. Diese beiden Negativa sind das einzige, was über den Inhalt des neuen Planes bisher bekannt geworden ist; über die konstruktiven Bestimmungen des Planes wird immer noch strengstes Stillschweigen bewahrt. George Rublee wird nach seinem Eintreffen in London dem Vorsitzenden des Interstaatlichen Komitees und britischen Minister Lord Winterion den Plan vorlegen, welcher als Hauptpunkt auf der Tagesordnung der am 12. Februar in London beginnenden Volltagung des Interstaatlichen Komitees figurieren wird. Ein Mitglied der Rublee-Mission betonte, dass die Besprechungen zu einem „befriedigenden" Abschluss gekommen seien, und dass das auf Grund dieser Besprechungen abgefaßte Memorandum eine Besserung in der allgemeinen Situation darstellt. — Eine nachahmvngswerte Einrichtung. Aus einner orth. Gemeinde wird uns geschrieben : „In unserer Talmud-Thora-Schule haben wegen der aussergewöhnlichen Zeiten wir — eingeführt, dreimal wöchentlich ganz Thilim zu sagen." Von Sonntag bis Donnerstag sagen wir je ein Sefer, Freitag vortags wiederholen wir ganz Thilim und Sonntag nachmittag ebenfalls. Bei diesem Gebete sind nicht nur die meisten Baale-Batim anwesend, sondern auch die Jungen Talmud-Thorazöglinge werden herangezogen, so wie dies der Raczfelder Raw, R. Scholem Elieser in einigen Ortschaften angeordnet hat. Wir halten uns nämlich an den Grundsatz des Psalmisten „Aus dem Munde der unschuldigen Jünglinge schöpfst Du Kraft und Mut" OPTIK Weinberger BRATISLAVA, Suche Myto (Dürre Maut) 3. 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