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Jüdische Nachrichten · 1939-02-02 · 5 (2.2.1939) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
5 (2.2.1939)
Date
1939-02-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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2. Februar. 1939. JUDISCHE NACHRICHTEN 7 BERICHTE KALENDER SCHABOS BESCHALACH, SCHEVAT 15. Chainischo-Ossor-B'schwat. Lichtzünden (in Bratislava) . 4.50 fQW-Ausgang.....5.40 Pfctr flKnp |ÖT *]1D ... 8.50 pmn jw:: pSsn nmn . . 6.20 Sämtliche Zuschriften und Geldüberweisungen sind an die Adresse der Bratislavaer Redaktion : Bratislava, Grössling 12. zu richten. — Unsern P. T. Lesern! Wir machen unchen unsere neue Abonnenten darauf aufmerksam, dass Sie bei Einsendung des vierteljährigen Abonnementsgebühres, die bisher schon erschienenen Teile des Romanes „Durch Trauer zum Glüek" per Extrapost auf Wunsch nachgesendet erhalten. — Rublees Berliner Verhandlungen vor dem Abschluss. Paris. Die Reuter-Agentur meldet aus Berlin, dass die Besprechungen des director of authority George Rublee mit den zuständigen deutschen Stellen wegen einer Anleihe zur Finanzierung der jüdischen Uuswanderung aus Deutschland unmittelbar vor dem Abschluss stehen. — Die ersten 500 Juden verlassen Danzig. Warschau. Von den 1000 Juden, deren sofortige Auswanderung aus Danzig der Danziger Senat in ultimaliver Form gefordert hat, verlässt, wie die JTA erfährt, die erste Gruppe von 500 am 5. Februar das Gebiet der Freien Stadt. — Verschärftn Uebdrwachung der Emigranten-Einreise in der Schweiz. Bern. Der Bundesrat hat neue Bestimmungen über die Einreise von Emigranten in die Schweiz erlassen. Es heisst darin u. a. : „Neue Massnahmen verschiedener Staaten drohen, uns neue Emigranten zuzuführen. Der Bundesrat hat deshalb beschlossen, dass ausländische Emigranten zur Einreise in die Schweiz einen Identitätsausweis mit Schweizer Visum besitzen müssen. Emigranten, die ohne Visum in die Schweiz kommen, werden sofort nach dem Lande ausgewiesen, aus dem sie gekommen sind. — Holländische Minister besuchen Kinderflüchllingslager. Amsterdam. Der Justizminister und der Innenminister besuchten in der Vorwoche das Lager für jüdische Flüchtlingskinder im Seebad Terheide. Die Minister, die zwei Stunden lang sämtliche Einrichtungen des Lagers besichtigten, gaben ihrer Zufriedenheit über dessen Zustand Ausdruck. — Pirow für Autonomen Flüchtiingsstaat. Paris. Der „Pariser Tageszeitung" wird aus Johannsburg gemeldet, dass der von seiner vielbeachteten Europareise zurückgekehrte Kriegsminister der Südafrikanischen Union Pirow in einer öffentlichen Ansprache erklärt habe, das Flüchtlingsproblem umfasse ganz Mittel- und Osteuropa; nur die Schaffung eines autonomen Flüchtlingsstaates werde die Welt von einem Problem befreien, das heute mehr zu Eurogas Unruhe beitrage als irgendein anderes. — 500 Dollar pro Kopf Einwanderungsgebühr? Paris. Der „Pariser Tageszeitung" wird von besonderer Seile mitgeteilt : Bis vor kurzem hatten Einwanderer bei der Landung in San Domingo eine Einreisegebühr in Höhe von 56 Dollar hinterlegen müssen. Soeben aber, ohne rechtzeitige Verständigung der Interessierten, wurde diese Gebühr auf 500 Dollar erhöht. Erst dieser Tage hat sich infolgedessen in Marseille ein mehr als betrüblicher Zwischenfall abgespielt. Eine Gruppe von 60 Emigranten, die sich nach San Domingo einschiffen sollte, durfte den Dampfer nicht besteigen, weil sie den Besitz der jetzt erforderlichen Einreisegebühr — 500 Dollar pro Kopf nicht sehwachen konnte. — Ein Apell an Jabotinsky. Jerusalem. Justizrat Dr. Max Bodenheimer, einstiger Präsident des jüdischen Nationalfonds, richtet eined Offenen Brief an den Präsidenten der Neu- Zionistischen Organisation Vladimir Jabotisky, dem wir Einiges entnehmen: „Sehr geehrter Herr Jabotinsky, in dieser schweren Zeit, wo die Schicksalstunde des jüd. Volkes schlägt, ist es ein Erfordernis des Tages, alle Kräfte zu vereinigen, um dem drohenden Unheil zu begegnen. Ich halte es daher auch für die Pflicht der Revisionisten, in die zionistische Organisation zurückzukehren. Da ich einen anderen Weg nicht sehe, schrecke ich auch nicht vor der Empfehlung zurück, diesen Eintritt bedingungslos zu vollziehen. Ich weiss, dass dies ein schweres Opfeer der Ueberzeugung bedeutet und dass eine besondere Grösse des Charakters dazu gehört, diesen Schritt zu tun. Aber, wenn das Haus meiner Väter einzustürzen droht, hole ich Batken herbei, es zu stützen, auch wenn mein Bruder unzulängliche Mittel angewenüet hat, und ich frage nicht erst, ob und unter welchen Bedingungen der Bruder mit meiner Hilfe ist. — Die Hilfe von „Ose" für jüdische Kinder in Polen und Rumänien. Unter dem Vor sitz von Senator Justin Godart fand die Jahresversammlung des OSE-Komitees für Hilfeleitung an jüdische Kinder in Polen und Rumänien, das sich im Mai 1937 in Paris konstituiert hat, statt. Aus dem der Tagung unterbreiteten Tätigkeitsbericht geht hervor, dass in Polen täglich über 36.000 unternährte Kinder versorgt werden. Im Zbaszyn-Lager selbst hat TOZ ein Feld-Hospital mit 52 Betten, eine Apotheke u. 17 Brausebäder eingerichtet. Von den insgesamt 7000 in dem Lager Untergebrachten haben nicht weniger als 4700 bereits ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. In der Zeit vom 31. Oktober bis 22. Dezember wurden 2060 Krankentage registriert, 13.271 Krankenbesuche bei Bettlägerigen wurden gemacht; 1956 erkrankten an Influenza, 1609 an Halskrankheiten und über 1000 an Lungenleiden. — Pogrom in Mexico-City; Mexico City. Am Donnerstag, 26. Januar, in den späten Abendsstunden, krm es in Mexico Bily in mehreren Stadtteilen gleichzeitig zu pogroraartigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Zahlreiche jüdische Passanten wurden auf der Strasse von den antisemitischen Excedenten überfallen und zum Teil erheblich verletzt. Schwere Verletzungen erlitt u. a. der bekannte jüdische Dichter Jacob Glanz. Die Huligans plünderten zahlreiche jüdische Geschäfte, zertrümmerten die Einrichtungen und schlugen die Fensterscheiben vieler Geschäfts läden und Privat Wohnungen ein. Ein schwerer Angriff wurde auf die Jüdische Handelskammer während einer in ihren Räumen tagenden Konferenz unternommen. Die an der Konferenz teilnehmenden Mitglieder der Kammer waren gezwungen, aus Tischen und Stühlen Barrikaden zu errichten und sich so gegen den Mob zu verteidigen. . Ausgeführt wurden die wohl vorbereiteten Ueberfälle von Mitgliedern der Organisation der „Goldhemden Während der drei Stunden dauernden Excesse war Polizei nicht zu sehen. Sie traf ers ein, nachdem die Pogromisten sich zerstreut hatten. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Von Autos herab heizten Agitatoren in den Strassen den Mob auf, unter den Juden Massaker zu veranstalten. Im Zusammenhang mit den Excessen hat das Jüdische Zentralkomitee dringend um eine Audienz beim Präsidenten der Repubiik General Lazaro Cardenas angesucht. — Nur 42 jüdische Flüchtlinge in Bulgarien. Sofia. Laut einer soeben veröffentlichten Mitteilung der Sofioer Polizei halen sich in ganz Bulgarien nicht mehr als 42 jüdische Flüchtlinge aut. In einem Kommentar zu dieser Mitteilung wird behördlicherseits erklärt, dass somit alle antijüdischen Manifestationen, die mit „der drohenden Ueberschwemmung Bulgariens durch jüdische Emigranten" motoviert werden, sich auf nichts stützen. Die Ruhestörer werden gewarnt und es wird ihnen mit behördlicher Verfolgung und Bestrafung gedroht. KORRESPONDENZEN .-* Kuba. Durch das Gesetz von 23. HI. 1937 muss jeder Einwanderer im Besitze von 500 Dollar sein. Dieses Gesetz wird sehr streng gehandhabt. Die meisten Einwanderer leben in der Hauptstadt Havana, als Schneider, Zeitungshändler usw. Da das Arbeitsgesetz bei Ansiändern sehr streng angewandt wird, können sis nicht als Festangestellte beschäftigt werden. Dennoch wäre die Einordnung von einer gewissen Anzahl von Handwerkern möglich, wenn die Regierung keine Schwierigkeiten macht. Argentinien. 3. Kategorien von Personen können in dieses Land einwandern. 1) Die Besitzer eines Rufbriefes (Llamada) a) der von nahen Verwandten (Elteren, Kindern, Ehegatten, zukünftige Ehegatten, Geschwistern, ausgestellt ist. b) einer landwirtsrhaftlichen Lbamada, wobei zu beobachten ist, dass die Ausübung eines andereren Berufes nach Eintreffen im Lande sowohl für den Einwanderen als auch für den Aussteller einer sol- Lldmada die schwersten Folgen haben kann. 2.) Diejenigen, die ihre Eignung, als Landwirte durch Zeugnis nachweisen können und im Besitze, von 1.500. argentinischen Pesos i. gl. 89 Pfund sind. 3.) Passagiere I. Klasse. Diese werden nicht als Touristen betrachtet und können ihren Anfenthalt verhältnismässig leicht durch die Erlangung einer „GE- DULA" legalisieren. Das enorm reiche Land hat nur 13 Millionen Einwohner und bietet noch grosse Möglichkeiten. Die Industrie entwickelt sich ausserordentlich rasch, das Klima ist gesund und für Europäer durchaus erträglich. Neuen Nachrichten zufolge, trat ab 1. Oktober 1938 eine erneute Einwanderungsverschärfung insofern ein, als dann nur noch nächste Blutverwadte, die bereits 2 Jahre in Argentinien ansässig sind, Llamada austeilen können. * In dieser Rubrik wollen wir alle Anfragen allgemeiner Natur, ständig beantworten. GIZI PORGES MAYER JUST Topolcany V rbove Verlobte. Orthodoxie und Organisafion. IL Abgesehen davon, dass sich das religiöse Niveau einer jüdischen Gemeinschaft grösseren Formats, also <J is der Orgsnisation automatisch hebt, weil dort wo das Religionsgesetz als das Primäre und als Ausgangspukkt einer jeden Aktion gilt, ein unausgesprochener aber desto stärker praktizierter Wettbewerb und eine unwillkürlich geübte, gegenseitige Kontrolle der Mitglieder sich von allein ergibt, was sich positiv-wohltuend auswirken muss; verändert eine solche Organisation auch mit einem Schlage die ganze Situation : Eine organisierte, vom Geiste der Thora getragene und von dieser begeisterte Masse, wird es naturgemäss als erste Aufgabe betrachten, überall wo es gilt für das Judentum zu wirken, dies im Geiste der Religion mit der ganzen Dynamik thorabeseelter Menschen und mit der ganzen Kraft der ihnen zur Verfügung stehenden Organisation zu tun. Welche Perspektiven sich solcherart eröffnen, können wir an dem ermessen, was unterlassen wurde. Das orth. Element ist in unserer Gegend zum Aschenbrödl degradiert worden. Die ausführenden Organe des vom Seelsorger interpretierten Gesetzes, die aber mehr als Exekutivorgane waren, da dies in der Praxis nicht anders denkbar ist, waren zumeist liberale Elemente, die sich ihre Legitimation, im Namen des Thoravolkes zu sprechen, selten in Beth-Hamidrasch holten. Es war dies eine Psychose der letzten Jahrzehnte, die noch heute uloht alr abgeschlossen betrachtet werden kann. Anfangs hiess es, dass man

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