Mannheim
Compact Memory

Jüdische Nachrichten · 1939-02-02 · 5 (2.2.1939) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
5 (2.2.1939)
Date
1939-02-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9607246-9597272-9597300--37-9597308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

2. Februar 1939 JUDISCHE NACHRICHTEN 8 Von Woche zu Prag. Die Flüchtlingsfürsorge in der CSR. veranstaltet eine grosse Sammlung für die aus dem abgetretenen Sudetengebiet Geflüchteten. Jerusalem. Amtlich wird mitgeteilt, dass bei Hausdurchsuchungen in verschiedenen Araberdörfern und im Verlauf von kleineren Zusammenstössen zwischen arabischen Terroristen und Regierungskräften fünf Araber getötet u. 12 Schusswaffen und 700 Schuss Munition beschlagnahmt wurden. Montevideo. Die paraguayische Gesandschaft in Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, gab bekannt, dass die paraguayische Regierung Flüchtlinge, die noch vor dem 18. November die Ueberfahrt nach Paraguay angetreten haben, zulässt. Antwerpen. Am Sonntag, 22. Januar, fand in Antwerpen die Konferenz der Misrachi-Organisationen in den westeuropäischen Ländern statt. Es wurden Resolutionen betreffend die Erziehung der jüdischen Jugend in Westeuroropa und die Lage der zionistischen Bewegung gefasst. Budapest. Der Ungarische Athleten-Club (MAC) hat seine voll- und halbjüdischen Mitglieder, etwa 50 an der Zahl, zum Austritt aufgefordert. Der Landesverband Ungarischer Ingenieure und Architekten hat seine jüdischen, halbjüdischen und mit Jüdinnen verheirateten Mitglieder auseeschlossen. Washington. Aussenminister Cordell Hull teilte der Presse mit, er habe den amerikanischen Botschafter in Berlin beauftragt, die Zusicherung zu verlangen, dass die jüngst erlassene Verordnung gegen die jüdischen Dentisten, Agotheker und Tierärzte auf amerikanische Staatsangehörige nicht angewendet werde. Lissabon. Die Regierung hat grundsätzlich erlaubt, dass Eltern von bereits im Lande weilenden Flüchtlingen sich in Portugal sesshaft machen dürfen. London. Die von ehem. polnischen Senator Rabbiner Prof. Mosche Schorr geführte Delegation der polnisch-jüdischen Emigrations¬ und Kolonisationsgesellschaft weilt bereits in London und wurde am Donnerstag vom polnischen Botschafter Graf Raczynski empfangen. Sie trat mit den jüdischen Organisationen in London zur Erörterung der Frage der jüdischen Auswanderung aus Polen in Verbindung. Chust. Am Sonntag, 22. Januar, fand eine Konferenz der jüdischen Gemeinden und Organisationen statt, die sich mit der Aufstellung der jüdischen Kandidatenliste und anderen jüd. Fragen beschäftigte. Tel-Aviv. Der Regierungszensor hat die Veröffentlichung von Bildern, die Terrorakte, Opfer des Terrors oder Gruppen bewaffneter Terroristen darstellen, verboten. Warschau. An der juridischen Fakultät der Warschauer Universität ist es am Montag, 23. Januar, neuerdings zu antijüdischen Ausschreitungen gekommen. Die antisemitische Studenten fielen über die lüdischen Höreer her, entrissen ihnen die Hochschullegitimationen u. vernichteten diese. — Was ein jüdischer Auswanderer aus Deutsehland mitnehmen darf : Ehering, Uhr, und Essbesteck. Berlin. Die Reichszollbehörde hat Weisungen erlassen, welche Werlgegenaus Deutschland auswandernde Juden mit sich nehmen dürfen. Danach darf ein Jude, der auswandert, lediglich einen Ehering, eine Uhr — soferne ihr Wert dicht mehr als 100 Mark repräsentiert — und ein silbernes Essbesteck mitnehmen. Eine auswandgrnde Familie mit drei Mitgliedern darf ein viertes Besteck, eine Familin von fünf Personen zwei weitere Bestecke als „Reserve" mitnehmen. Verbreitet unser Blatt! im Interesse des Klalls hier gewisse Konzessionen zu machen genötigt sei, doch hat sich dies im Laufe der Zeit so eingebürgert, dass man diesen Vertretern der Plutokratie die Leitung heiliger Institututionen übertrug, dass man, in diesen — ein Fall aus der jüngsten Praxis — einem Leiter einer Anstalt z. B. verbot, Kinder bei ihrem jüd. Namen anzusprechen, oder aber jedesmal, wenn ein Knabe der Elementarschule entwuchs, ein regelrechter Kampf erst ausgefochten werden musste, bis es — auch nur selten — gelang, beim Vorstände zu erwirken, dass ein Kind ab und zu eine Thoralehranstalt besuchen durfte. Wennauch — was zugegeben werden muss — das übernommene Gut der Geistesheroen des vorigen Jahrhunderts, zum Teile „konserviert" wurde, aber im Zeitalter der Technik und Organisation ist dies mit „Rückgang" gleichbedeutend und das sehen wir leider ziemlich klar. Die Jugend ist heute eben infolge der Technik, wo es keine räumliche Entfernungen gibt, auch aus ihrer Geistesenge hinausgeraten, ihr Denken ist selbstständig und vielfach auch radikal, ihre Kritik ist scharf und unnachsichtig. Sie verlangt von ihren Führern eine eiserne Konsequenz und wenn sich der „Schein" mit dem „«Sem" nicht vollkommen, so sucht sie eben Kreise, man weniger vorgibt, aber dies konsequent durchführt. Die Jugend sucht heute dort ihre Zuflucht, wo sie Kraft und auch eine Chance für ihre Zukunft zu finden glaubt, sie reflektiert aber auch als ein Faktor angesehen zu werden, der nicht nur bedingungslos zu gehorchen hat, deren Wünschen man auch — soferne dies mit dem Gesetze nicht kollidiert — Rechnung tragen soll. (Fortsetzung folgt.) AUFRUF. Jüdische Schwester und Brüder! Als sich vor einigen Jahren die finanzielle uage der Judenheit unserer Stadt verschlimmerte, hat sich hier eine Ausspeiseaktion armer jüd. Schulkinder gegründet, deren Aufgabe ist, alle arme jüd. Schüler sämtlichen hies. Schulen mit Miltagskost zu versorgen. Am Anfange waren es nur einige Schulkinder, die diese Aktion in Anspruch nahmen. Von Jahr zu Jahr hat sich ihr Zahl immer und immer vergrössert, so, dass jetzt haben wir ihrer ca 50, manchmal noch mehr. Die Kosten der Anspeiseaktion werden teils von Mitgliedern, teils von freiwilligen Spenden gutherzigen Menschen gedenkt. Diese Einnahmen reichen bei der heutigen Situation der Ausspeisekosten für keine Fälle. Wir haben doch monatlich 1800 K. Ausgaben und dem gegenüber nur 1300 K Einnahmen. Woher decken das Manko? Sollen wir etwa diese Aktion einstellen? Könntet ihr, die G-ttlob mit eueren Kindern zu Hause bei eueren Tische sitzen könnet, im Ruhe euer Mittagsmal verzehren, sei es noch so bescheiden, ohne daran zu denken, das es hier viele arme jüdische Schulkinder gibt, die kein Mittagsmal haben werden und hungern müssen? Unsere Aktion steht in engem Kontakte mit dem hies. Hilfskomite, denen Aufgabe wieder ist jüd. Flüchtlinge, ausgewiesene Glaubensbrüder aus den besetzten Gebieten, die in der Durchreise unsere Stadt passieren zu unterstützten und sie zu verpflegen, Viele arme jüd, Familien erhalten bei dieser Aktion ihre bescheidene, aber ausgiebige Kost. Kommet doch einmal in die hiesige jüd. Gemeindekanzlei : Welch' fürchterliche Scenen ihr dort Augenzeugen wäret. Familienväter, die noch vor einigen Wochen wohlhabende Leute waren und reichlich arme Menschen unterstützen, bitten dort mit Weib und Kind um eine Anweisung für Mittagsmale. Wir bitten Euch deshalb, spendet für diese beide Aktionen. Verweigert nicht euere Monatsbeiträge, zahlet sie pünktlich! Sammelt in Kreise euerer Bekannten bei jeder Gelegenheit. Entsaget so manchen Vergnügungen zu Gunsten unserer Sache. Der himmlische Lohn wird nicht ausbleiben. Der Allmächtige wird euch segnen und werdet lange geben können. Isr. Hilfskomitee u. Ausspeiseaktion in Presov. Kleiner Anzeiger. Tarif für Konkurse und kleine Anzeigen: Bei einmaliger Einschaltung 80 Heller pro Wort. Fett gedrukt Kc 1.60 Für Stellensuchende 40 resp. 80 Heller. Der Gegenwert ist in vorhinein etnzusenden, eventuell in Briefmarken. Zur Weiterleitung der Chifre-Briefe ist Kc 1.— beizulegen, ansonsten wesden diese nicht weitergeleitet. Dje Adressen der Chifre-Briefe werden nicht ausgefolgt. SUCHE streng religiöse Köchin, auhh zu grösseren Kindern. Unter Chiffre „Verlässlich" an die Bralislavaer Adm. SUCHE für meine Tochter, 19 Jahre alt, hübsch intell., häuslich erzogen, selbstständigen Kaufmann, höchst. 28 Jahre alt, von rel. Hause. Anträge mir Chiffre ,,150.000" an die Bratislavaer Adm. ZU EINEM ZÄUGLING wird jüd. Mädchen, welches in dieser Eigenschaft schon tätig war, per sofort aufgenommen. Ferdinand Herzog Trnava. DIPL. BETH-JAKOB LEHRERIN mit hebr. Sprachkenntnissen, sucht Posten in Volksschule oder an Beth Jakob-Kurse. Interessenten mögen ihre Zuschriften auf Chifre „Pädagogig" an die Adresse der Bratislavaer Redaktion senden. ZUR WEITERLEITUNG von Chifre Briefen ist Kc 1.— in Marken beizuschliessen. JUNGER MANN, 33 jährig, aus der seit 15 Jahren in New-York ansässig ist (amerik. Staatsbürger) und dortselbst selbslständige Existenz hat, sucht anmutiges, geschäftstüchtiges Mädchen mit entsprechender Mitgift, Briefe sind unter „Chifre Heirat" an die Bratislavaer Administration weiterzuleiten. Auslandsporto ist beizuschliessen. TÜCHTIGER Kommis der Textilbranche wird zum sofortigen Eintritt aufgenommen. Aladar Heksch, Maly Krtys, via Modry Kamen. 28 JÄHRIGES, hübsches Mädchen, Bas Talmid Chochom, intelligent und Geschäftüchtig, mit 40.000 Kcs Mitgift sucht passenden jungen Mann zwecks Heirat, Palästinaauswanderer bevorzugt. Anträge unter Chiffre : „schöne Zuhunft" an die Bratislavaer Adm. INTELL. MÄDCHEN sucht Posten im Geschäft oder Büro, eventnell im Haushalt. Unter Chiffre „Religiös" an die Bratislavaer Adm. d. B. FÜR HÜBSCHES, frommes Mädchen, aus gutem Hause mit entsprechender Mitgift und Beruf, wird zwecks Heirat Bochür Jore Schomajim, der eine Existenz oder ein Gewerbe besitzt, um nach Palästina auszureisen, gesucht. Anträge leitet die Bratislavaer Administration unter Chiffre „Müschlemes" weiter. Rasiere dich ohne Messer mit hygienisch, ges. ärztl. empfohlen gbsch. ange&ehm, und geruchlos Bestes Rasierpulver der Gegenwart. Allcinerzeuger: JOSEF HESNOVITS, BRATISLAVA Royko-Passage. Kapuzinskä 4. Verlangen Sie Muster! Pouzivane znamky nov. dovoleno vynosom riad. posf a telegr. v Kosiciach pod i-is. 159.650 — IV. 31 a v Bratislave pod £is. 141.021 — lila 38. Podaväci post. ürad Presov 1. a Bratislava 2. — Vydavatel a tla2. M. Herman Klein v Presove.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.