Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 5 (2.2.1939)
- Date
- 1939-02-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Februar. 1939. JÜDISCHE NACHRICHTEN 3 Ausserordentliche Tagung der Mandatskommission nach Schluh der Palästina-Konferenz. GLOSSEN. Rhodesia als „Gelobtes Land". Es ist kein Zweifel, die Weltpresse, Politiker grossen Formates, Kolonial- und Wirtschaftsexperten, alle sind auf der Suche nach einem Lande, nach ein Gebiet, nach ein Fleckchen Erde auf dieser grossen Welt, wohin man die armen Juden, denen man so grosses Mitleid bekundet, ansiedeln könnte. Es werden allwöchentlich andere Kolonien als besonders geeignet vorgeschlagen. Die meisten Juden nehmen die Nachrichten der Weltpresse mit Genugtuung entgegen; die Mächte sind daran, das grosse und brennende Problem zu lösen. Man sagt sich, wir sind doch nicht so sehr verlassen. — jüngstens wurde Rhodesia als besonders geeignetes Einwanderungsgebiet von der Weltpresse propagiert und diese Nachrichten von den Juden mit Freude aufgegriffen. Wir wollen einmal den „News Chronicle", welcher eine Ausnahme bildet, über Rhodesia sprechen lassen, um die Leichtgläubigen eines Besseren zu belehren. „News Chronicle" bringt folgenden Bericht eines Engländers aus Rhodesia: „Als Engländer, der ich schon lange Jahre Beziehungen zu Rhodesien habe und ein grosser Kenner der dortigen Verhältnisse bin, erachte ich als Gewi ssenslosigkeit, dass die Weltpresse und die Regierungen, Juden nach Rhodesien bringen wollen. Dies ist ein fürchterliches Gebiet, wo ein Weisser sehr schwer leben kann. Es sind zwar hier Weisse in Tumbrige-Wells, jedoch auch diese führen ein sehr leidenvolles Leben. Sie plagen sich in Kupfergruben und können sich von ihrem Lohn kaum ernähren. Die Zahl der Eingeborenen beläuft ich auf 2,000.000. Sie leben sehr bescheiden und verdienen kaum 3 Schillinge die Woche. Juden hier anzusiedeln, wäre ein verbrechen, sie würden nicht durchhalten. So sehen also Gebiete aus, welche uns aus Mitleid, so oft mit grosser Aufmachung „zur Rettung aus der Not" beantragt werden. Einen jeden Juden, der trotzdem nach Rhodesien will, wollen wir nur anraten, vorerst beim Schreiber des „News Chronicle" persönlich Informationen einzuholen. Erfreuliche Aeusserungen. Die christlichen Führer des ungarischen Frontkämpferverbandes haben diese Tage eine Erklärung abgegeben, der wir einiges Bemerkenswertes wiedergeben. „Wir Frontkämpfer können es nicht zugeben, dass Ausnahmen gemacht werden zwischen jenen, ^die ihr Blut und Gut, ihre Gesundheit und die schönsten Jahre ihres Lebens auf dem Schlachtfelde geopfert haben. Wir fordern für die Kriegshelden volle Gleichberechtigung. Sowohl auf wirtschaftlichem, wie auch auf sozialem Gebiete." Ziemlich charakteristisch ist auch jener Satz, indem die Frontkämpfer ihren Wunsch nachdrücklichst betonen : „Diejenigen, die mit uns gekämpft haben und den Blutkampf bestanden haben, mögen wir in ihrem Brotkampfe nicht hinfallen lassen". Schliesslich sind ja diese Menschen nicht Schuld daran, dass sie nicht eine Kugel tödlich traf. Da wäre ihnen nämlich eine grosse und bittere Enttäuschung erspart geblieben. Sie hätten nicht mehr mit ihren vierzig oder fünfzig Jahren darüber nachzudenken, weshalb sie plötzlich brotlos gemacht werden. Haben sie denn auf dem Schlachtfelde, in den Schützengraben nicht genau so gehungert und gekämpft wie die Uebrigen? Haben denn nicht viele unter ihnen genau so wie die Uebrigen, Hand, Fuss oder Auge verloren? Männliche, aber gefühlvolle Worte sind dies. Wir wollen hoffen, dass man ihnen Gehör schenkt und dass es nicht bei einer schönen Erklärung bleibt. Menschen die den blutigen Kampf bestanden haben, werden doch im Brotkampfe nicht fallen müssen. Polenaer y™Z in engros zu beziehen bei der Mineral-Quellen-Pachtung, Svaljava. London. In der letzten Sitzung des Völkerbundsrates befasste sich der Unterstaatssekretär im Foreign Office R. A. Butler mit der Palästinafrage. Die britische Regierung, so führte er aus, hat ursprünglich ihre Absicht bekanntgegeben, Palästina in zwei separn'e Staaten, einen jüdischen und einen arabischen, zu teilen. Dann entsandte sie die technische Untersuchungskommission nach Palästina, und diese Kommission hat berichtet, welche grosse Schwierigkeilen der Durchführung dieses Planes entgegenstehen. Darum hat die britische Regierung den Teilungsplan fallen gelassen u. beschlossen, eine jüdisch-arabische Konferenz einzuberufen, die zu einem Abkommen zwischen den beiden Parteien führen soll. Diese Konferenz werde sich hauptsächlich mit der Frage der Einwanderung in Palästina befassen. Er, Butler, glaube, dass die Londoner Besprechungen zu einem positiven Ergebnis gelangen werden. Falls jedoch ein Abkommen nicht zustande gebracht werden kann, werde die britische Regierung auf eigene Initiative über die künftige Politik entscheiden. Um jedoch jede unnötige Verzögerung zu vermeiden, schlage er vor, der Rat möge beschliessen, dass eine ausserordentliche Tagung der Permanenten Mandatskommission einberufen werde; diese solle rechtzeitig einen Bericht für die Mai- Session des Rates ausarbeiten, in der eine endgültige Entscheidung über die Palästinafrage getroffen werden soll. Der Antrag wurde von der Ratstagung angenommen. Chamberfains's Rolle bei der Londoner Palästina-Konferenz. Die „Neue Züricher Zeitung" meldet aus London: „Chamberlain wird in den Vorbereitungen zur Palästina-Konferenz eine führende Rolle übernehmen. Aus der Umgebung des Premiers verlautet dazu, er habe diesen Entschluß nicht plötzlich gefasst, sondern bereits seit Wochen die Absicht gehabt, nach seinem Besuch in Rom seine Arbeitskraft und sein persönliches Ansehen für eine Lösung des Palästinaproblems einzusetzen. Die „Times" zur bevorstehenden Palaestina-Konferenz. In einem „Die Palästina-Konferenz" betitelten Leitartikel führen „Times" u. a. aus : Das Argument gegen die Einstellung der jüdischen Einwanderung in Palästina ist ungeheuer gestärkt worden. Dafür, dass die Einwanderung nicht nur fortgesetzt, sondere vergrössert wird, plädiert in derselben Nummer der „Times" der zionistische Führer Dr. Weizmann sehr eindringlich. Es mag ja richtig sein, dass Palästina nicht alle Juden aufzunehmen vermag, welche auswandern wollen. Jedenfalls wären die Chancen für einen erfolgreichen Ausgang der Konferenz mehr als gefährdet, falls die britische Regierung im Verlauf der Verhandlungen von ihrer Politik der strikten Begrenzung der jährlichen Einwanderungsquote abweicht. Andere Laender können kaum in Betracht kommen. Man muss damit rechnen, dass eine jüdische Einwanderung in jene nicht entwickelten oder nicht genügend entwickelten Territorien, welche für eine Ansiedlung vorgeschlagen wurden, im besten Falle eine Angelegenheit auf lange Sicht sein würde. Langdauernde und kostspielige Experimente und Vorbereitungen werden erforderlich sein. Der nationale u. religiöse Feuereifer, der in Palästina so viel gegolten hat, wird hier fehlen : und man kann eigentlich nichts auf die kritischen Stimmen erwidern, die sagen, dass für die meisten der Menschen, die man in British Guiana oder in Madagaskar ansiedeln will, die Hilfe zu spät kommen wird, weil es noch sehr lange dauern müsste, bis diese Länder für sie wirklich be reit gemacht werden können. Die Schwierigkeit des Problems* Andererseits steht es aber ausser Frage, dass die Araber Palästinas gegen eine unbeschränkte jüdische Einwanderung sind. Sie haben den Kampf gegen sie in barbarischer Weise geführt. Es ist der Konflikt zwischen zwei Rechten, der das Palästinaproblem so tragisch macht. Dies kann und darf aber nicht der Grund sein, das Problem ungelöst zu lassen. Ein föderales Syro-Palaestina auf neuer Basis vorgeschlagen» Von den zahlreichen Vorschlagen, die in den Spalten dieses Blattes gemacht worden sind, scheint keiner so sehr die Chance einer grosszügigen Regelung der Palästinafrage und der mit dieser logischerweise untrennbar verbundenen syrischen Frage zu bieten, wie die eines Staatenbundes, innerhalb dessen der jüdische Teil Palästinas und das christliche Libanon autonome Glieder sein sollen. Ein föderales Syro-Palästina würde auch der Kritik standhalten können, welche die Woodhead- Kommission aus finanziellen Erwägungen heraus an dem Teilungsplan geübt hat und die die britische Regierung abgeschreckt hat, den ursprünglichen Peel-Plan weiter zu verfolgen. Die Teilung Palästinas in zwei autonome Kantone oder Provinzen, einen jüdischen und einen arabischen, von denen jeder seine eigene lokale Regierung und das Recht auf Beschränkung bezw. Förderung einer Einwanderung in sein eigenes Territorium hätte und die miteinander durch eine zentrale gesetzgebende Körperschaft unter zeitweiligem britischen Mandat verbunden wären, könnte ein erster Schritt in der Richtung einer grösseren Union unter britischer und französischer territorialer Garantie sein. Der Mufti darf niemals mehr zur Macht gelangen. Wie dem aber auch immer sei, unmöglich ist es daran zu denken, die Macht in Palästina dem Mufti auszuliefern, der das Massaker in Tiberias niemals öffentlich verurteilt hat und der entweder nicht willens oder nicht imstande ist, zu verhindern, dass auf seine arabischen politischen Rivalen Mordanschläge verübt werden. Falls die Konferenz scheitert — was der Fall sein kann, wenn die palästinensischen Delegierten keinem anderen Lösungsvorschlag zustimmen wollen, als ihrem eigenen —, wird die britische Regierung vor der unangenehmen aber umgänglichen Aufgabe stehen, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und ihre eigene Politik kundzutun. Es ist jedoch aufrichtig zu hoffen, dass die Nachbarstaaten ihren Einfluss sowohl dahin geltend machen werden, eine Lösung der Palästinafrage durch ein die Juden ebenso wie die Ära- 11 ber und die britische Regierung einschiiessendes Abkommen gefunden werde, als auch dahin, dass man an die Lösung des grösseren syro-palästinensischen Problems herantritt. Einige Vertreter zur Konferenz nach London schon eingetroffen. Die arabische Delegation zur palästina- Konferenz ist in London eingetroffen, und sind die Gäste der britischen Regigrung Stephen S. Wise und Robert Sold aus Amerika sind auch nach London angelangt. Stephen Wise erklärte der JTA gegenüber, jeder auf Einschränkung der jüdischen Einwanderung und des Bodenverkaufs in Palästina abzielende Vorschlag werde allen Diskussionen über eine jüdischarabische Zusammenarbeit ein Ende machen. Die Konferenz wird im St. James-Palast tagen»