Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 4 (26.1.1939)
- Date
- 1939-01-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 JUDISCHE NACHRICHTEN 26. Januar 1939 Orthodoxie und Organisation. Es sei gleich eingangs festgestellt : Wir wollen keinesfalls rekriminieren. Der Zweck unserer heutigen Studie ist vielmehr, die Ursachen zu erhellen, weshalb der konservative Jude unserer Gegend — für Organisationen so wenig übrig hatte und sie sogar vielfach ablehnte. Der Zweck dieser Betrachtung sei, durch c[ie Diagnose vielleicht eine Teraphie herbeizu- $jpren. orj Die Führung der konservativen Massen Jajkj-j— und das ist ja ganz natürlich — in JläJi<|§n der Seelsorger. Man hatte es wahrhaftig^ £iifiht zu bedauern, denn diese behandelten die jeweiligen Probleme von der höheren etfijsj^en^flVarte aus und bei allen ihren Entsj|liljjgs$nefgab es nur ein Kriterium : das Thor^ge^etZj^ Qgr kons. Jude besass in früheren Reiten, sein geschlossenes von einer reinen Thoraatmosphäre beherrschtes Milieu, darüber hj^ugVJ7nt£|je^i]^rte ihn nichts mehr. Mit Anbruch des techaji^chen Zeitalters aber, namentlich nach dem Weltkriege, trat auch da die grosse Wende ein. Die Jugend kam aus dem Feldemit .neuen„.Idealen heim, sie begann die Macht der Organisation zu erkennen, alles strebte nach etwas Neuem, der Horizont des bis dahin eng begrenzten harmonisch abgeschlossenen Kehillalebens musste erweitert werden. Was Wunder, wenn damals ganz besonders unter dem Eindrucke der Balfour-Deklaration die Jugend scharenweise den verschiedenen zionistischen Fraktionen zustrebte und sich damit allein nicht begnügte, sich also der Einflussphäre des Seelsorgers u. seines Kreises zu entziehen, man hatte vielmehr mit allen Mitteln die Orthodoxie — die doch ohne Uebertreibung dem Wesen des echten und unverfälschten Judentums stets und immer am nächtsten stand — bekämpft und 'angefeindet. Die Führer des kons, Judentums in dieser Gegend>landen damaMJvobiiganz schweren Problemen und sie taten adas»leinzig Richtige was damals zu tun war : sie hatten die Sprache der Zeit verstanden, sie wussten, dass wenn noch etwas zu retten ist, so nur auf die Weise, indem « man das;; kons*? Element;' nach bewährtem Muster^^ gJeichfells organisatorisch zu erfassen sieH jhemühti oGlücklidKeEWidi/se haben unsere Brüder im Westen und auch in Polen einige Jahre früher in Erkenntnis der gegebenen Situation noch vor Anbruch des Wetlkrieges in Kattowitz die Weltorganisation der orthodoxen Juden, die Agudas Jisroel geschaffen und nachdem man hier vorerst mit einem „Jischuw Erez Jisroel verein" ein Fiasko erlitt, hatte man sich sodann schweren Herzens dazu, sich der Kattowitzer Agudas Jisroel-Weltorganisation anzuschliessen. Die wahre Liebe aber war es von vorneherein nicht, wiewohl sich diese Liebe in unseren Kreisen, in von Seelsorger sanktionierten Gemeinschaften, fast ausnahmslos immer einstellt und verlieft, in diesem Falle wollte keine rechte Liebe aufkommen. Und das hatte seine guten Gründe. Man fürchtete nämlich, dass das jüd. Individium, welches bisher der jüd. Gemeinschaft als Sekundant angehörte, im Wege der Organisation auf das Geschehen eine direkte Ingerenz auszuüben imstande sein wird. Wir wollen nicht kritisieren; wir wollen vielmehr Tatsachen sprechen lassen die diese irrige These klar widerlegten, allerdings ist es heute reichlich spät und kann das Versäumte kaum mehr werlgemacht werden. Es hat sich interessanterweise gezeigt, dass jüd. Gemeinschaften, die ihrem Wesen nach garnichts mit Religion zu tun haben, Organisationen, die klar und deutlich erklären, H^BHBHBnHHaBBnBBBBBHHHBOTHBHHHB^^BUBHBBinBH In einem Schreiben an den „Manchester Guardian" richtet der Bürgermeister von Tel- Aviv Israel Rokach an die öffentliche Meinung in England einen Appel für die Zulassung von 5000 jüdischen Kindern aus Deutschland-Oesterreich, in Palästina. Wir glaubten und sind überzeugt, so schreibt Rohach u. a., dass trotz aller ablehnenden Erklärungen des Kolonienministers die britische öffentliche Meinung den richtigen Weg finden wird, den notwendigen Druck auszuüben, um eine Aenderung dieser ablehnenden Hallung herbeizuführen. Die jüdische Bevölkerung Palästinas, die jetzt in das vierte Jahr der Unruhen im Lande dass Religion Privatsache sei, dorl, wo man darangeht, einen geistigen Konnex zwischen den Menschen zu schaffen, sich das Urwesen des Judentums, die Thora immer behauptet u. immer mehr zum Vorscheine tretet. Wenn man die geistige Entwicklung des modernen Palästina in den lelzten Jahren beobachtete, so musste man immer wieder daraufkommen, daß bei der grössten und betontesten Negierung der Religion vonseiten der Einzelnen, die Gemeinschaft aber immer mehr und mehr auf diese slossen musste. Praktisch sieht man leider noch wenig hievon, aber dem aufmerksamen Beobachter kann diese Evolution nicht entgehen. Es ist dies auch in unserem Schrifttum begründet, welches immer wieder die jüd. Gemeinschaft bei der Tfillo, beim Lernen und in in allen Belangen betont, weil eben in der jüd. Gemeinschaft bei mindestens zehn, wenn diese von ernstem jüd. Wollen beseelt sind, die „Schechina" erscheint und das heilige Wesen sich durchsetzt. Speziell aber bei einer ,,Agudas Jisroel", die die Lösung der jeweiligen Aufgaben im Geiste der Torah auf ihre Fahne schrieb und wo überdies ein oberster Rabbinischer Rat die Entscheidungen trifft, kann eine Organisation nur befruchtend auf das jüd. Leben sich auswirken, wie es in der Tat auch der Fall ist. (Fortsetzung folgt) BU9MSttflflBB9^^^^^9^^^BBSBB^K8^HBB9^^B^SBHB^^^^9^^^^B^H@I9HH eintritt, ist berechtigt, für sich dieses menschliche Recht in Anspruh zu nehmeu, auf ihre eigenen Kosten ihre Hilfstätigkeit auf 5000 Kinder auszudehnen, welche sie zu adoptieren bereit ist, und die zu ihrer Herüberbringung notwendige Erlaubnis erteilt werde. OPTIK Weinberger BRATISLAVA, Suche Myto (Dürre Maut) 3. Sorgfältige Ausführung. — Solide Preise. — Reparaturen promt. — Postaufträge umgehend. Der Tel-Aviver Bürgermeister appelliert an die öffentliche Meinung Englands. schon nahe an der sächsischen Grenze, in einem Wirtshause, in dem gerastet wurde, bei einer Rauferei als Freiwilliger in so hervorragender Weise beteiligt hatte, dass ihm bei diesem erfreulichen Anlasse eine Ohrmuschel heruntergerissen wurde, ein Umstand* den auch d\e} Reisenden^ höchst schmerzlich empfanden, da der Kutscher fünf Tage auf dem elenden D&ijfe krank gelegen^; seine, Passsagiere mittlerweile ihren von Haus, mitgenommenen Mundvorrat aufzähren imussten, idadurch auf ihrer weiteren ^eisßr/vWoobsreä^jkeiafeffcgichere Kost fanden, zu mehrtägigem unfreiwilligen Fasten verurteilt waren und -—die ganze kostspielige beschwerliche Reise vergeblich gemacht hatten, da" sie um fünf Tage zu spät nach Leipzig kamen, und die Lager, auf denen1 sie ihre Einkäufe ma^h^a%ö'H#h^9seh^.flr%o1fetMhd'iJ geränaxbifaifi^»?^ ßb «uxWi l^hgdü Jbihmm -mr'V*erten8 lawUrdö^ftS* Eöe4gie°°gefo¥lfört, das» -dfci*oK<$t8di8Pr>'lMh *ü ^rMse?n¥er8Hr,e1r des schwÄche^-n, äfcer-idälur s^höfi^rn^^eVthfebhtefrJseinddüefeutflid w^r^e^zlfr ^gründhii^^diy-" seky ige Wiiisk*?|atl§seib Beho n da s Prl Wa^SeWn^ Ros9elenkei?s 'taagier^dew Präfens'Mn^it elwas^ erimklender' ä^ifedörhdlang! ein 'schre^MMiei19' Falb erzähl*,* wb^einl i^öi^h^roD©n1llüaW^!teän0i' Ju!än;ii'ennw>3^/w^ vori t dkzumaVmnpder»<k\fk^ schlechtWeg5;■ Tati-4'1 gen\iMs;güiirin'i^h^a ^öätehsischeffs Do¥fe^ V»^ dieiRe^ehden ^J'üb*rflabhte^§jfi(ß5<i'd^^si^¥^%Tfl§" schöne Wirtin vorfand, aus Gründen, dlev Wimnni ie&«rsJ'*bB> Vei^hiederJeb Älle^sklääseW und Geschlechtern gelesenen Erzählung mit Stillschweigen übergehen Wollen, von dem eifeesüßhtigeal W&ab*"ftn^'fr^n^n\)h§r0^A.sls^lstenz melierter Baüömbö© wife^tW^bn? du¥Mi*'1 geprügelt worden war, dass er mehrere 'Tage17' dagifj&ttik&yöifcjmusstey I wa£ fürndte;R^isenden sefagn, dm^^m^dM^oAngQiiihvXext Folgen/hatte. o| isdß naboü n^rfoaibflßh^tßv loa Hoon Jermm Fünftens musste in glaubwürdiger, jede Täuschung streng ausschliessender Weise dargetan werden, dass der Kutscher keinem Wirte auf der ganzen Route von Prag nach Leipzig etwas schulde, da unter andern Aventuren Prager Messreisehden auch jene mit vielem Interesse angehört wurde, wo ein Wirlh Wagen und Pferde eines Kutschers, — weil ihm dieser einmal mit der Zeche durchgebrannt, — mit Beschlag belegte und erst nach grossen Diffisultäten und Geldopfern der Raisenden frei gab. Hatte nun der „Schäfer" bei seiner eigenen, seiner Frau und Kinder Gesundheit beschworen, dass der Wagen in seiner Construction ein wahres Wunderwerk, — die Pferde sanft, breitbrüslig, sicher gehend und der edelsten Rasse angehörend, — der Kutscher aber, als Mensch verehrungswürdig, in seinem Fache aber geradezu unerreichbar sei, — dass seine Liebe zum semitischen Stamme unläugbar mit zwingender Kraft darauf hinweise, dass er selbst diesem entsprossen, und zein Vater oder Großvater ein abgefallener Zweig desselben gewesen, — dass er gegen geistige Getränke schon im Mutterleibe eine fast krankhafte Abneigung besitze, — dass er von sanfter Denkungsart u. milder Gesinnung, jedem Streite meilenweit aus dem Wege gehe, — auf der ganzen Route von Prag nach Leipzig, nicht nur den Wirten nichts schuldig, sondern bei dieser Menschenklasse eine persona grata, eine höchstbeliebte Persönlichkeit sei — dass, seine Geschicklichkeit1 als Kutscher anbelangend, der Erzbischof schon einmal, der Oberstburggraf sogar schon zweimal nach ihm geschickt, um ihn als Leibkutscher zu engagieren, er aber dieser Verlockung, rein aus Liebe für seine jüdischen Passagiere heldenmütig Widerstand geleistet, —"-(konnte man an das Einpacken gehen. Sollte nun einer oder der andere unserer geehrten Leser unbesonnen genug sein, sich unter diesen ein solches, wie dies bei ihm selbst vor einer Reise vorzukommen pflegt, vorzustellen, so müssen wir ihm mit aller Hochachtung, aber auch mit voller Entschiedenheit versichern, dass er sich hierbei in einem grossen Irrtume befinde. Der jüdische Reisende jener Zeit hatte nicht nur Wäsche und Kleider, sondern auch Mundvorrath auf lange Zeit mitzunehmen, ferner die Mittel zur Befriedigung seiner religiösen Bedürfnisse : einen Talesbeutel, eine kleine Handbibliothek, einen Band der Mischna oder des Talmunds, um bei längerer Abwesenheit vom Hause doch nicht ganz der religiösen Studien zu entbehren, ein Bärhetiw (ein kurzer Auszug der für das Alltagsleben geltenden religiösen Bestimmungen), um sich vorkemmenden Falles Rat zu erholen, zur Ostermesse Mazos, zur Herbstmesse Kittel und Häubel, zu beiden, Machsorim und andere derartige zahllose, mitunter voluminöse Gegenstände, und die Reisekoffer befassen einen so kolosalen Umfang, dass sie heute ein Lächeln herausfordern würden. Alle diese lästigen Vorbereitungen waren schon seitens Bresnitz beendet, als, wie dies leider so häufig im menschlichen Leben vorkommt, plötzlich ein unerwarteter Zwischenfall eintrat, der alle Vorherbestimmungen umwarf. Die schwere messingene Hängelampe, die mitten im Zimmer hing, war herunter und Bresnitz auf den Fuß gefallen, und hatte ihn so schwer verletzt, dass im günstigsten Falle Wochen verstreichen konnten, bevor der Kranke wieder seinen Fuss werde gebrauchen können, — vas war ein dicker schwarzer Strich durch die Rechnung! (Fortsetzung folgt.)