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Jüdische Nachrichten · 1939-01-12 · 2 (12.1.1939) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
2 (12.1.1939)
Date
1939-01-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 JUDISCHE NACHRICHTEN 12. Januar 1939 Oberrabbiner Hevesi zum ungarischen Judengesetz. Ein Aufruf an die Weltjudenheit. Im Zusammenhange mit dem Fasttage vom Assoroh-Beteves erschien ein rührender Aufruf in New York, den der Rabbinerverband der U. S. A. veröffentlicht hat. Es heisst darin : Höre Israel! Bitter ist das Schicksal der Juden 1 Die Gegner Israels denken ständig an neue Mittel um gegen uns G. b. einen Vernichtungskrieg zu führen. Das Wehgeschrei der ganzen jüdischen Gemeinschaft steigt bis zum Himmel. „Hat uns G-tt gänzlich verlassen? Unsere Brüder irren verzweifelt umher. Das Blut unserer Märtyrer steht nicht stille, die Engel des Himmels jammern schon mit uns, und die Schechina selber trauert unserer wegen. In unseren Leiden rufen wir zu G-tt, und er erhört uns, die Zeit des Leidens ist für Jakob eingebrochen. Wir, die geistigen Führer des jüdischen Volkes, müssen auf die Hut sein, stark und entschlossen müssen wir dastehen in dem kritischen Augenblicken Hallen wir fest an den Anspruch unserer Ahnen : „Aus den Tiefen rufe ich zu Dir, oh Herr!" Brüder und Schwestern! Versammelt Euch in den Bethäusern und saget Slichajs. Das Wesen eines jeden Fasttages ist die Reue, kehret zurück Israel! Die Heiligkeit des Schabbos wurde geschmälert, achtet genauer auf dieses Gebot. Die Heiligkeit unserer Bethäuser wird mit den Füssen getreten, lasset dies nicht zu. Die Reinheit unseres Familienlebens und ihr Moral sind durch jüdisch nicht einwandfreie Ehen und Scheidungen gefährdet, die alten jüdischen Gesetze sind fast zum Spott geworden. Jüdische Brüder! das Fasten ist bloss ein Mittel, das Ziel ist die Reue und die guten Taten. Spendet den Verdienst einer Woche zugunsten Euerer unglücklichen Brüder. „Die Reue, das Gebet und die Wohltaten, sie werden alles Böse von uns fernhalten I" Hoffen und glauben wir fest daran, dass G-tt sich aller unsere leidenden Brüder erbarmt und sie aus der Finsternis befreien wird. David Friedmann, Humenne : Der Sambafjon und das Zehnstämmereich. v. R. Menasche ben Israel aus Holland behauptet, dass die amerikanische Indianer stammen von den verschwundenen Zehnstämmenreich. Andere wieder behaupten, dass die Fällachen in Abessinien, sind von den zehn Stämmen, so wie ihr König Menelik, der Sohn der Königen von Sabba ist, welchen sie vom König Saloman geboren. Moore, in seim Buche „Lost Tribas" Paginas 143—160, gedruckt London 1861, will beweisen, dass alle Grossen u. Weisen Indiens sowie alle Budhaisten, stammen von den Scyten, welche von den Zehn Stämmen abstammen. Zu den Scylen rechnen sich die Engländer und alle Germanen und die Feulonen. Einige behaupten, dass Dänenmark von dem Stamme Dan abstamme. In den letzten Jahren ist eine neue Forschung bezüglich der zehn Stämme aufgetaucht, nämlich, dass die Japaner von ihnen abstammen, besonders der japanische Adel und ihre Heilige, welche unter dem Namen „Schindai" bekannt sind. Einen Beweis hiefür bringen sie, dass der erste König der Japaner „Assy" in der Zeit regierte als der jüdische König ,,Hoschea" starb und dass ihr Heiligtum „Schinto" ebenso wie bei den Juden, in Heiligtum und in Allerheiligtum eingeteilt wird und die Pristerkleider gleich denen der jüdischen Priester aus Leinen und Wolle, das Kleidungsstück aus Hosen, Mütze und Mantel. Und wie die Juden auch die Japaner die Verdienste ihrer Ahnen der Allmächtige angedenkt sein möge. R. Ghelbo behauptet: Der feine frigische Wein und das edle schmackhafte Wasser von Djemes, das heist, das feine üppige Leben hat die Zehnstämme vom Judentum weckgerafft und wir wissen nicht wo sie verschwunden sind. Auf Grund dessen behauptet R. Jehuda im Namen R. Assa : Wenn ein Nichtjude eine Jüdin heiratete so ist zu bedenken, dass die Heirat auch laut Mosaischen Gesetz gültig ist, aus dem Grund, vielleicht ist der Nichtjude ein Jude welcher von Zehnstämmen stammte und mit den anderen nicht jüdischen Völkern und Natioen sich vermengte und assimilirte. Neben der patriolchalischen Regierung und der Geltung des oben erwähnten mosaischen Gesetzes von der Verheiratung der Witwen älterer Brüder an jüngere, wo keine Kinder sind, wird auch das Gebot Mosis beobachtet, wonach Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn gebüsst wird. Eine der streitsüchtigsten und gefährlesten Tribus nennt sich Stamm Josef oder Efraim und Menassa bestehend aus stolzen, unruhigen, jede Autorität verachteten krigerischen Hirten, welche fast beständig an dem Fabus und Indus auf Beute lamen. Niederlassungen von da kamen nach Cochin und Malabar, wo es schwarzen und weisse Juden giebt. Die schwarzen Juden rechnen sich als Abkömlinge der Juden, die durch Nebukadneser dahin verpflanzt wurden, Wir m übergehen Angesichts solche Resultate als unbedeutend die andern Vermutungen, die Reste der zehn Stämme in den Rothäuten der Nordamerikaner oder in den mexikanischen Indianern oder in den Bewohnern an der Küste von China u. s. w. aufgefunden zu haben. (Schluss.) schöner Regelmässigkeit alljährlich vor, vertrat er sie nach besten Kräften auf ihrer Kramstelle im Tandelmarkte, in normalen Zeitläufen machte er sich auch anderseitig im Hauswesen unentbehrlich. Jeden Freitag besorgte er in geradezu musterhafter Weise den Fischeinkauf, der nach damaliger Gepflogenheit in das Ressort des Hausvaters fiel. In der schönen Kunst, weinende Kinder herumzutragen, sie zu füttern und in Schlaf zu lullen, konnte Bresnitz um den höchsten Preis ringen, und der sonst bescheidene Mann gestand es unverhohlen, er sei mit seinem Berufe offenbar in eine falsche Richtung geraten, da er von der Natur aus augenscheinlich zum — Kindermädchen bestimmt sei. Freitag füllte er die Sabbatlampen in so vorzüglicher Weise, dass sie auch die längsten Freitagsabende aufstandslos aushielten. Am Passah buck er Mazos vortrefflichster Qualität, — zum Sukkes kaufte er die billigsten und schönsten Esragim und Lülowim zu dem obligaten Feststrauss, und die Laubhütte, die er zu diesem Feste aufstellte — solid gezimmert und mit Hagebuttenketten, Blumenguirlanden und Glasperlen reich geschmückt — hätte fraglos bei einer Weltausstellung prämiirt werden müssen, — mit einem Worte Reb Kalmen Bresnitz war in seinen Leistungen so vielseitig, dass wenn er in zu weit gehender Selbstlosigkeit zu behaupten pflegte, er esse das Gnadenbrot im Hause, Lucka und seine Frau mit voller Berechtigung versichern konnten, dass sie seine hilfreichen Dienstleistungen in schmerzlichster Weise vermissen würden, dieselben gar nicht entbehren könnten. In diesen angenehmen, freundlichen Verhältnissen waren Kele Lucka fünf Jahre einer friedlichen, ruhigen Ehe verflossen, als sie ihren Gatten mit dem fünften Kinde und zu seiner grossen Freude mit einem Knaben — die vier ältern ( waren Mädchen — beschenkte, und nun sind wir wieder glücklich zum Beginne unserer Erzählung zurückgekehrt. Kele Lucka die sehr wohl wusste, dass auch die ersten Aristokratinnen des Ghetto, die an Rang, Vermögen und Stellung weit über ihr standen, gerne bei einer Wöchnerin wo sie Karten spielen konnten, eine Einladung annahmen, sah daher die vornehmsten Frauen bei sich, die ihr gegenüber gütig und herablassend waren. Der äussere Druck, der zu jener Zeit auf den Juden lastete, halte es durchaus nicht zu verhindern vermocht, dass sich in diesen Kreisen ein vollkommen ausgebildeter Kastengeist, eine Aristokratie entwickelt hatte. Namentlich galt „Jichus", Familienabstammung, noch weit höher als Vermögen u. Rang, und wer eine Reihe frommer oder gelehrter Ahnen aufzuweisen hatte, wer unter seinen Voreltern „Takifim", das heisst mächtige, bei Monarchen und den Grossen der Erde beliebte Fürsprecher oder gar „Kodoschim", Märtyrer des Glaubens, aufzuweisen hatte, fühlte sich berechtigt sich über die Andern zu erheben. Es gab Familien, welche sich rühmten, in gerader Linie von Raschi dem berühmtesten Goiumentator der Bibel und des Talmuds abzustammen, ja eine Familie wollte ihren Stammbaum bis zum König David hinaufführen. Ueberdies hatte sich in Prager Judenstadt eine Gemeindebeamtenhierarchie herausgebildet, und die zahlreichen Synagogen und Vereine boten ehrgeizigen Gemüthern reiches Material, sich um Vorsteherschaften und Ehrenämter zu bewerben, und die Frauen, die jetzt in Kele Lucka's Putzstube um den Spieltisch sassen, gehörten in der Tat den besten jüdischen Familien der Stadt und das Landes an. Den ihr gebührenden Ehrenplatz nahm Mirjam, die Witwe des Primators und Mutter des jetzt regierenden Primators Israel Frankl, eines Mannes ein, der in dem höchsten Regierungskreise eine beliebte und einflussreiche Persönlichkeit war. Ihr zur Rechten sass Nechomo, die Gattin des berühmten Rabbi Maier Fischl, welcher Rosch-Bes-Din war, links neben der Primatorin sass Lea, die Gattin des wohltätigen und gelehrten Apothekers Michael Jeitteles. Die vierte war Ester, die Frau des reichen Seidenzeughändlers und grossen Talmudisten Efraim Wehle, die fünfte in diesem Kreise war eine jüngere Frau, Kele, die Gattin des Grosshändlers Simon Neustadt, eine Frau, die noch klüger als reich, zu den reichsten Frauen Prags zählte, und später durch ihren scharfen Verstand sich die Gunst und das Wohlwollen vieler hochgestellten Gavaliere, mit denen ihr Gatte geschäftlich verkehrte, zu gewinnen wusste, und ihren wohltätigen Einfluß oft zu Gunsten ihrer bedrückten Glaubensgenossen geltend machte. Die Frauen trugen die eigentümliche Tracht jener Zeit, wie man sie noch auf alten Familienbildern vorfindet, seidene hochschliessende Kleider, seidene Busentücher, — auf dem Kopfe die sogenannte reiche Haube, das ist ein Goldhäubchen mit Spitzenbesatz, ein Toilettenstück, mit dem zuweilen grosser Luxus getrieben wurde, unter der reichen, sass eine schwarze Unterhaube von dichtem Stoff, die sorgfältig jedes Härhcen verhüllte. Alle Frauen trugen Schmuck, und zwar, da heute ein Wochentag war, allerdings nicht den schönsten, den sie besassen. Die Frauen unterhielten sich mit einem damals vielbeliebten Kartenspiel „Scharfen", das in neuerer Zeit bis auf den Namen in Vergessenheit gerieth, und eigentümlich genug nur von dem weiblichen Geschlechte culliviert wurde. (Fortsetzung folgt.)

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