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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1930-06-01 · 2 (6.1930) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
3 (1930). Bestand LBI
Issue
2 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Mittellungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände Dieser Weg der Erziehungsarbeit ist bei weitem nicht so leicht zu gehen, wie es im ersten Augenblick scheinen könnte. Denn diese Menschen wurden gewissermaßen innerlich gezwungen, die Gruppen zu besuchen. Es soll damit nicht gesagt sein, daß eine Unterstützung der Eltern abhängig gemacht wurde von dem Besuch ihrer Kinder in den Gruppen, obwohl auch das vereinzelt vorgekommen ist, aber die Jugendlichen selbst sahen keinen Sinn in diesem Zusammenschluß, da ihnen im Gegensatz zur Jugendbewegung der Wille fehlt, für eine Idee zu arbeiten. Die Menschen stammen zum größten Teil aus kleinbürgerlichen oder proletarischen Familien, durch die sie überhaupt keine geistige Anregung haben. Gegenstand des täglichen Gesprächs ist die schlechte materielle Lage oder manchmal Vorgänge, die sich in den betreffenden Spar- oder Geselligkeitsvereinen, denen die Eltern angehören, abspielen. Hierdurch ist immerhin ein Ansatzpunkt für die Erfassung dieser Menschen gegeben. Es wird nach dem Vorbild dieser Vereine ein Schriftführer, ein Bibliothekar, ein Zeugwart, ein Kassierer, vielleicht auch für jeden ein Vertreter gewählt, um überhaupt erst einmal den Menschen eine Aufgabe zu stellen. Nach einiger Zeit beginnen die Jugendlichen den Führer in persönlichen Angelegenheiten um Rat zu fragen. Aus diesem Grunde ist es unbedingt notwendig, daß der Führer die häuslichen Verhältnisse jedes einzelnen Jugendlichen auf das genaueste kennt, um diesen jederzeit richtig beraten zu können. Besonders kritisch sind immer die Zeiten, in denen die Jugendlichen nach dem Ziel der Gruppe fragen. Deswegen besonders kritisch, weil der Führer von vornherein bestrebt sein muß, seiner Arbeit den Charakter des Wohlfahrtsmäßigen zu nehmen. Entweder kann er der Gruppe, die er führt, den Stempel eines Geselligkeitsvereins aufdrücken, oder aber die Jugendlichen merken selbst, da der Führer subjektiv erzieht, — sein gutes Recht —, welches Ziel er verfolgt. Mit der Zeit fängt man dann an, außer den gemütlichen Abenden auch Themen auf Heimabenden zu besprechen, die meistens sexuelle und Arbeiterfragen behandeln. Bald zeigt sich schon das wachsende innere Gemeinschaftsgefühl der Gruppe darin, daß sie von sich aus beschließt, einen wöchentlichen Beitrag zu bezahlen, um diesen dann zum Ankauf von Gegenständen für Sport oder Heimabend zu verwenden. Diese Geldfrage ist nicht nur wichtig, um die innere Zugehörigkeit zu stärken, sondern ist auch das beste Mittel, diese Menschen von dem Gedanken los zu bekommen, daß nur das Wohlfahrtsamt geben kann. Sie haben einen Gegenstand, der ihnen gehört, über den sie verfügen können. Auch die Errichtung einer Zeitung trägt dazu bei, die Menschen, die sich bisher wenig mit geistigen Dingen befaßt haben, zu veranlassen, in dieser Zeitung über Probleme zu sprechen, die sie angehen und auf die sie von einem größeren Kreise eine Antwort erwarten. So war die anfangs geleistete Arbeit. Im Januar 1929 schlössen sich im Zusammenhang mit der ersten Tagung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände in Seesen 1928 die bis dahin vereinzelt vorhanden gewesenen Jugendpflegegruppen zum „Arbeitskreis jüdischer Jugendgruppen" zusammen. Dieser Zusammenschluß wurde deswegen vor allem von den Führern gefordert, weil diese sich in ihrer Arbeit durch die Bezirksvorsitzenden gehemmt fühlten. Es gelang der Gemeinde gegenüber die Forderung der pädagogischen Autonomie 10

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