Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 3 (1930). Bestand LBI
- Issue
- 2 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen de» Reichsausschusse» der Jüdischen Jugend verbände viel schwerer, wenn er einmal angefangen hat zu kommen und dann wegbleibt, als wenn gar kein Besuch kommt. Es bedeutet eine Verpflichtung auf lange Zeit. Die Aufgabe bei den kleineren Kindern ist nun, mit ihnen zu spielen, sich mit ihnen zu unterhalten, kurz, sie zu beschäftigen. Ein ganz großes Ereignis ist es, wenn man eventuell mal in eine Konditorei geht — bei wem war das nicht so? — und wenn man sie mit sich nach Hause nimmt, so bedeutet das die Erfüllung aller Wünsche. Durch kleine Geschenke macht man ihnen große Freude. Doch muß gesagt werden, daß man die Kinder nicht daran gewöhnen soll. Zusammenfassend ist zu sagen, daß diese Arbeit in den jüdischen Anstalten eine Aufgabe ist, an der sich nach Möglichkeit jeder beteiligen soll, zu der wir der Unterstützung aller bedürfen. Man nimmt im einzelnen keine schwere Last auf sich, geht aber eine lange Verpflichtung ein. Den Kindern bedeutet es neues Leben, Freude, und sie gewinnen Glauben an sich selbst und an die Menschen. Fritz Aronstein. DER ARBEITSKREIS JÜDISCHER JUGENDGRUPPEN Seit langem war es denjenigen Menschen, die es ernst mit der Wohlfahrtsarbeit meinten, klar, daß eine Fortsetzung der Jugendarbeit, die im Hort und Kindergarten getan wird, unbedingt notwendig ist. Man sah nämlich in der praktischen Arbeit, daß ein großer Teil der Jugendlichen, die aus sozialen oder anderen Gründen nicht den Weg der Jugendbewegung gingen, schon während der Lehrzeit sich an das nicht-jüdische Milieu assimilierten und so den letzten Kontakt mit dem Judentum verloren. So schritt man denn dazu, in einigen wenigen Bezirken der Gemeinde sog. Jugendpflegegruppen zu gründen, indem man aus der Karthotek des Wohlfahrtsamtes Jugendliche, deren Eltern betreut wurden, aufforderte, die Gruppen zu besuchen. Es war äußerst schwierig diese jungen Menschen zu erfassen, die schon durch den Umstand, daß sie in einem sozial niedrig gestellten Milieu leben, jeder Einrichtung von Seiten des Wohlfahrtsamtes mit Mißtrauen begegneten. Es war nun Aufgabe der Führer dieser Gruppen, den Jugendlichen zunächst in jeder Weise entgegenzukommen, um sie überhaupt erst einmal für die Gruppe zu interessieren. Spielabende, gemütliche Abende, ja sogar Tanzvergnügen wurden regelmäßig veranstaltet, um überhaupt, wenn auch in geringem Maße, mit den Vergnügungen, die von außen herangetragen wurden, konkurrieren zu können. Dieses alles letzten Endes nur darum, um keinen Jugendlichen Veranlassung zu geben, aus der Gruppe auszuscheiden. Hier liegt der Hauptunterschied in der Erfassung von Jugendlichen durch die Jugendbewegung oder die Jugendpflegegruppen. Die Jugendpflegegruppen treffen keine Auswahl bei der Erfassung von Jugendlichen, und dürfen es ihrer ganzen Struktur nach nicht tun, weil sie ja gerade als Ergänzung der Jugendbewegung gedacht sind. So einfach dieser Satz auch klingen mag, so verhängnisvoll hat sich diese Tatsache in der Praxis bei den Gruppen ausgewirkt. Denn nicht jedem Führer, besonders dem nicht, der aus der Jugendbewegung kommt, — und das sind die geeignetsten — fällt es leicht, sich so umzustellen, daß er gleichsam jedem Jugendlichen dafür „zu Dank verpflichtet ist", daß dieser überhaupt in die Gruppe kommt. Es kommt, wie gesagt, zuerst darauf an, die Jugendlichen einzig und allein von der Straße fernzuhalten.