Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 3 (1930). Bestand LBI
- Issue
- 2 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände keiten müsse dieses Ziel erreicht werden, da nur so eine ersprießliche Zusammenarbeit der Jugend sich entfalten könne. Peter Blachstein, Dresden, gab anschließend Einzelheiten darüber, wie die Arbeit des Jugendrings in Dresden sich zunächst zu gestalten habe. Geplant sei die tätige Mitarbeit an den Wohlfahrtsinstitutionen der Gemeinde (Kinderhort, Altersheim usw.), daneben die Uebernahme von Schutzaufsichten und Schutzfreundschaften. Hauptziel müsse die Erlangung eines Jugendheims, eventuell unter privater Mithilfe, sein. Am Sonntag, den 18. ds. fand dann im engeren Kreise in Anwesenheit von Dr. Tietz und der Leiter der betreffenden Gemeindeinstitutionen eine Aussprache statt, bei der die praktische Arbeit unter Benutzung der von Herrn Dr. Tietz gegebenen Anregungen in Angriff genommen wurde. „TANTENSCHAFTEN" Der folgende Bericht zeigt, in welcher Weise gerade von den Jüngeren der Bünde soziale Arbeit geleistet werden kann. Angeregt durch Dr. Hannah E i s f e 1 d e r s Beferat auf der diesjährigen Führertagung in Seesen haben sich Menschen aus der jüdischen Jugendbewegung entschlossen, bei isolierten Anstaltskindern Arbeit zu leisten. Wie Hannah Eisfelder schon ausführte (vgl. den Bericht in den Mitteilungen des Reichsausschusses, Nr. 1, S. 4), handelt es sich um Kinder, die — ohne Angehörige — auch in den besten Anstalten dahinleben, ohne einen Menschen für sich zu haben, einen Menschen, der nur für sie da ist. Durch dieses Gefühl der Vereinsamung, durch den „Mangel an Liebesbeziehungen" können in dem Kinde sehr leicht schlechte Triebe die Oberhand gewinnen. Aus der Praxis heraus soll nun dargestellt werden, wie sich diese zu leistende Arbeit gestaltet, welche Aufgaben sich für die Helfer ergeben. Es handelt sich hauptsächlich — ich setze das Einvernehmen mit der Anstaltsleitung voraus — um wöchentliche Besuche, die bei den Kindern zu machen sind. Bei den meisten Kindern wird sich gleich von Anfang an eine überschwengliche Freude und eine ungeheure Liebe zu der „Tante" oder dem „Onkel" feststellen lassen. Sofort vertrauen sieb die kleinsten Kinder einem an; dies äußert sich ganz primitiv darin, daß sie ihm zeigen, wo die einzelnen schlafen, und erzählen, wen sie „lieb" haben. Wenn sie einem vielleicht zuerst etwas mißtrauisch gegenüberstehen — ob er auch wiederkommt? —, so schwindet dies nach kurzer Zeit, sobald sie das regelmäßige Kommen „ihres" Besuches erkennen. Dieses ständige Kommen übt auf die Kinder einen sehr guten Einfluß aus. Sie können mit allem zu dem Onkel bzw. der Tante flüchten, haben bei all ihrem Tun und Spielen eine Befriedigung: das ist nicht umsonst! Sie sind stolz auf diesen „Besitz" — ebenso wie sie voller Stolz ihren anderen Besitz (Bett, Bär, Ball etc.) zeigen — und wissen, daß sie hier einen Anhaltspunkt haben. Mit einer ungeheuren Anhänglichkeit verehren und lieben sie ihren Besucher, und wenn er einmal unmöglich kommen kann, so ist es ein riesiger Verlust. Von der „Tante" bzw. „Onkel" ist nun in erster Linie ein regelmäßiges Kommen zu verlangen. Fr muß sich der Schwere der Aufgabe bewußt sein; denn der Schaden für solch ein Kind ist sicherlich 8