Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 3 (1930). Bestand LBI
- Issue
- 2 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Milleilungen des Reichsausschusses dar jüdischen Jugendverbände Veranstaltung, die von 2 0 00 Jugendlichen besucht war wurde in der gesamten jüdischen Presse ausführlich berichtet. Sämtliche Jugendbünde waren vertreten und füllten mit Fahnen und Wimpeln die große Halle, die ein farbenfrohes, eindrucksvolles Bild bot. Martin ßobotker begrüßte für den Landesausschuß die Anwesenden. Danach sprachen der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Direktor K a r e s k i, und Vertreter sämtlicher Fraktionen der Repräsentanten-Versammlung. Alle begrüßten den Zweck der Veranstaltung und sagten ihre Unterstützung zu. Das Hauptreferat hielt Georg L ubinski, zum Schluß sprach Ludwig Tietz für den Reichsausschuß. Da in diese Zeit die Schulentlassung und damit die Berufsergreifung und Berufswahl vieler Jugendlicher fällt, so hatten der Landesausschuß und die Berufsberatungsstelle der jüdischen Gemeinde die jüdischen Schüler der oberen Klassen höherer Schulen und die Schüler der unteren Klassen der höheren Schulen sowie die Volksschüler zu je einer Ver Sammlung eingeladen, in der über Berufsfragen und Berufswahl gesprochen und auf die Bedeutung der Berufsberatungsstelle hingewiesen wurde. Beide Versammlungen waren sehr stark besucht; die erste, in der neben Lucie Zobel Ernst Bloch über die besonderen Schwierigkeiten der Schüler höherer Lehranstalten beim Eintritt in den Beruf sprach, zählte ungefähr 170 Besucher, die zweite, mit Hans Jacob als Referenten, beinahe 120. Hans Jacob sprach auch auf einem ersten Ausspracheabend des Landesausschusses Ende Januar über das Wesen und die Arbeit des Arbeitskreises jüdischer Jugendgruppen. Ein zweiter Ausspracheabend fand über die Wirtschaftssituation der deutschen Juden statt, in Fortführung einer in Seesen während der letzten Führertagung begonnenen Diskussion. Das Referat hielt Adler -Rudel, der Leiter des Arbeiter fürsorgeamtes. Der Ausgangspunkt seines Referates (inzwischen im Wortlaut im Maiheft der Zeitschrift für Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik veröffentlicht) und der Diskussion war die Tatsache eines immer stärker werdenden Proletarisierungsprozesses der deutschen Juden. Die Beurteilung und die Folgerungen daraus sind, wie die Aussprache zeigte, allerdings je nach Weltanschauung und Standpunkt des Betrachters sehr verschieden. Leider ist das Zahlenmaterial, das für eine exakte Beurteilung der Frage unbedingte Voraussetzung ist, noch so lückenhaft, daß viele Betrachtungen auch der Fachleute und Sachkenner dieser Materie rein im Hypothetischen bleiben. Der wichtigste Gesichtspunkt, der besonders in der anschließenden Aussprache herausgearbeitet wurde, ist der eines Zusammenhanges zwischen Proletarisierung und Entju dun g. Mit der Erkenntnis dieses Problems ist aber nur die Frage gestellt, eine Lösung noch lange nicht gefunden. An der Aussprache beteiligten sich Kreuzberger, Zielenziger, Naphtali, Lubinski und Gundersheim. Für die nächste Zeit sind unter anderem gemeinsame Besuche von Mitgliedern der Bünde in Heimen und Anstalten der jüdischen Gemeinde und der Stadt Berlin (wie z. B. in Struveshof) geplant. Im März fuhr auf unsere Veranlassung eine Jugendbewegungsgruppe (des Bar Kochba Hazair) nach Wolzig hinaus, um dem neuen Erzieh ungs- und Jugendheim einen Besuch abzustatten und mit den Zöglingen zusammen Purim zu feiern. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten verstanden sich die Jungen sehr rasch, und die Bar Kochbaner waren vor allem von den sportlichen Leistungen der Zöglinge überrascht. Der Versuch wird 4