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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1930-06-01 · 2 (6.1930) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
3 (1930). Bestand LBI
Issue
2 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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/ Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände gelegenheit. Alles, was ich aus Kinderbriefen hier anführe, brachten mir die Mütter bei Gelegenheit zum Lesen. „Wir kommen immer mit unseren Schwierigkeiten zu Ihnen", sagte eine junge Frau, „da möchte ich Ihnen heute gern etwas Nettes zeigen." Das war eine ganze Reihe vergnügter Jungenbriefe aus Seesen. Vor der Fahrt hatte ich die Mütter gebeten, Wünsche und Hinweise auf Pflege und Besonderheiten der Kinder aufzuschreiben, und in diesen „Gebrauchsanweisungen', wie eine Mutter sie nannte, war oft vom Nicht- oder Schlechtessen die Rede. Im Heim war davon nichts zu spüren. Die Kinder entwickelten einen hervorragenden Appetit. „Mutti, ich hab Kakaotrinken gelernt!" meldete eine Kleine, und eine andere berichtete: „Heute gab es Fisch und rote Grütze mit Vanillensauce. Es hat knorke geschmeckt!" Manche von den älteren Mädchen nahmen sich sehr lieb und hilfsbereit der jüngeren an, aber auch für die Knaben sorgten sie. Eine forderte sich z. B. sehr energisch den arg mitgenommenen Trainingsanzug ihres gleichaltrigen Freundes ein. „Ich kann ihn unmöglich so gehen lassen!" erklärte sie und schaffte Ordnung. Hübsch war es auch zu beobachten, wie selbstverständlich und unterschiedslos unsere Jungen und Mädel Spiel und Arbeit miteinander teilten. Nur bei den Schabbathvorbereitungen in der Küche blieben die Mädchen unter sich, und die Knaben wiederum bei ihren oft waghalsigen Kletterkunststücken an den Bäumen. Es war das erste Mal, daß unsere Schule den Versuch eines Landheimaufenthalts gemacht hat. Wir sind sozusagen mit beiden Füßen in das Experiment hineingesprungen und mußten mit Hindernissen rechnen, zumal das Heim bisher kaum je als Schullandheim gedient hatte. Der Reichsausschuß ist aber von Anfang an unseren Wünschen so verständnisvoll entgegengekommen, daß auftauchende äußere Schwierigkeiten stets rasch wieder ausgeglichen waren. Ich möchte darum nicht versäumen, ihm und auch der Leiterin des Heims an dieser Stelle herzlichen Dank zu sagen. Das Jacobson- Hei m, von Wald und Bergen umgeben, mit Spielplatz, Turnhalle und Garten, mit großen sonnigen Zimmern und schönen Baderäumen ist als Schullandheim außerordentlich gut geeignet, besonders wenn noch einige Neuanschaffungen und Ergänzungen hinzukommen werden, wie ich sie neulich auf Grund unserer Erfahrungen vorgeschlagen habe. Ist es nötig zu sagen, daß wir den Landheimgedanken bejahen und unseren diesjährigen Versuch im wesentlichen als geglückt betrachten? Und solange wir kein eigenes Landheim besitzen, in der Nähe von Berlin, am Walde und Wasser gelegen, mit einem großen Garten, der unseren Kindern gehört und den sie betreuen, mit Obstbäumen, die sie pflegen und abernten dürfen, ein Heim, in das die einzelnen Klassen im Sommer und im Winter immer wieder für eine Weile zu Arbeit und Erholung einkehren können, solange wollen wir gern und dankbar all jährlich einmal Gäste sein im Jacobson-Heim in Seesen a. Harz. LANDESAUSSCHUSS BERLIN DER JUDISCHEN JUGEND VERBANDE Der Landesaussehuß veranstaltete am Sonntag, den 23. Februar 1930, eine große Kundgebung in der Stadthalle Klosterstraße für die Errichtung eines Jugend- und Gemeindehauses. Ueber die

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