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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1930-06-01 · 2 (6.1930) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
3 (1930). Bestand LBI
Issue
2 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände fischten ihn jubelnd heraus und begonnen ihre Aufgabe von neuem. Mit besonderer Leidenschaft wurden Steine gesammelt und bestimmt. Alle Kinder brachten welche heim. „Schick mir. bitte, einen kleinen Handkoffer, Mutti. Ich hab so viele Steine!" „Wie schön", schrieb eine von unseren Lehrerinnen, „die Kinder einmal so nahe kennen zu lernen. Es wird mir hier leichter, mit ihnen zu arbeilen als in Berlin. Der Kontakt ist so viel stärker." Unsere Großen hatten ununterbrochen herrliches Wetter, aber gar keinen Schnee. Das war eine schmerzliche Enttäuschung für sie. Mit Kodein, Skiern und Schlittschuhen waren sie ausgezogen und konnten nichts davon gebrauchen. Sie suchten Ersatz. Morgens vor dem Frühstück machten sie Waldlauf mit dem Sportlehrer; nachmittags wurden Fußballschlachten ausgefochten, Ping-Pong-Turniere und sogar Schachwettkämpfe. Am Lagerfeuer auf der Halde wurden Kartoffeln geröstet und verzehrt. „Höhlengemeinschaften" bildeten sich, bauten aus Baumstämmen und Reisig Hütten im Walde, Wohnhütten und Vorratshütten und verteidigten sie leidenschaftlich gegen Ueberfälle. Unsere Kinder haben, wie sich auch an Wandertagen immer wieder zeigt, eine merkwürdige Vorliebe für das Höhlenleben. Ob das ein Atavismus sein mag:' Die Freitagabende im Heim verliefen stets sehr festlich und schön. Unsere Mädel schmückten den Tisch in dem großen freundlichen Eßzimmer mit Blumen und bedachten die einzelnen Plätze mit kleinen Ueberra schlingen, die von den Eltern gekommen waren. Nach der Mahlzeit bildeten sich Gruppen, es wurde erzählt oder vorgelesen, man saug hebräische und jiddische Lieder. Auch an anderen Festen fehlte es nicht. Der 15. Seh'waf. das Neujahrsfest der Bäume, wurde fröhlich gefeiert; Geburtstage der Kinder, die Anwesenheit eines Gastes, der Abschied vom Heim, das alles gab Ainläß zu Aufführungen der verschiedensten Art. Nett war u. a. ein „Hexentrara, Brockenspiel in vier Akten", von einem zehnjährigen Jungen verfaßt und mit seiner „Truppe" sehr lebendig dargestellt, wobei der Dichter zugleich Spielleiter und Schauspieler war. Die Großen hatten für jeden Schlaf räum je einen Führer bezw. eine Führerin aus ihren Eeihen gewählt, die auch die Sprecher ihrer Gruppe waren. „Wir hatten heute mit den Kindern eine Besprechung über das, was sie noch nicht für richtig halten, und wir oft auch nicht", berichtet eine von den begleitenden Lehrerinnen. „Die Kinder klagten über zu wenig Zeit für sich, und wir beratschlagten gemeinsam, wie sie geschaffen werden könnte. Diese erste Besprechung verlief sehr erfreulich und in fast mustergültiger äußerer Form." Den meisten Kindern behagte das ständige Zusammensein mit ihren Altersgenossen. Besonders dankbar empfanden es die „Einzigen" unter ihnen. Sie wären am liebsten noch länger im Heim geblieben. Es gab aber auch Kinder, die mehr Abstand und Fürsichsein brauchten, und die litten zuweilen. Heimweh, bei den Kleinen von uns vorausgesehen und gefürchtet, pl.igfe eigentlich nur die Großen hin und wieder, besonders die Mädchen. „Es müßte einen Spiegel geben", sagte eine von ihnen, „in dem man jeden Abend vor dem Einschlafen die Mutti sehen kann, bloß sehen. Und einen, durch den sie einem den Gutenacht-Kuß gibt." Die Briefe, welche unsere Kinder in Seesen schrieben und empfingen, unterstanden keiner Zonsur, sondern waren ihre ganz persönliche An' 2 l<o &*ec*c X*SK4u*C <^$e -?o\t>osr;s^

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