Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 3 (1930). Bestand LBI
- Issue
- 2 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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fy*fQ t tr y / f MITTEILUNGEN« iKW REICHS AUSSCHUSSES DER JUDISCHEN JUGENDVERBXNDE GESCHÄFTSSTELLE: BERLIN N 24, ORANIENBURGER STR. 13-14 / D 2 WEIDENDAMM 5171 Nachdruck mit Quellenangabe erwünscht und gestattet - Verantworil. für die Schriftleitung: Dr. Ernst Bloch, Berlin Iii. JAHRGANG / Nr. 2 BERLIN, JUNI 1930 UNSERE LANDHEIMZEIT1M.....JACOBSON-HjUM...............^ von PAULA NATHAN, Leiterin der Jüdischen Schule Fasanenstrafle, Berlin - Charlottenburtj Als der Reichsaussehuß der Jüdischen Jugendverbände mir im Oktober v. J. das Jaeobson-Heim in Seesen a. Harz als Schullandheim anbot, war ich sofort bereit, auf diesen Vorsehlag einzugehen. Unsere Schule, Großstadtschule und in wenig geeigneten Gebäuden sehr vorläufig untergebracht, ist mehr als manche andere eine „Schule ohne Raum'" und hat es darum besonders nötig, einmal für eine Weile unter günstigeren Bedingungen zu leben. Die Elternversammlung, der ich den Landheimplan allsogleieh vortrug, war ohne weiteres damit einverstanden. Ich hatte zunächst nur an die zehn- bis zwölfjährigen Kinder gedacht, aber die Elterp wollten auch die Achtjährigen mit uns schicken, und so sind denn im Januar und Februar dieses Jahres je 43 von unseren Jungen und Mädels mit ihren Lehrern und Lehrerinnen auf je 4 Wochen nach Seesen gegangen. Wir hatten unsere Arbeitspläne auf den Harz umgestellt, Jlaxz- Lesebogen und -Sagen angeschafft, Harz-Wanderkarten besorgt u. s. w.. und wir machten die Erfahrung, daß die Kinder trotz der neuen Umgebung im Unterricht sofort ruhig und gesammelt bei der Sache waren. Ein Lehrausflug nach dem 1000 jährigen Goslar, der Besuch des Harf:- museums, eines Bergwerks, einer Tropfsteinhöhle machte allen groß« Freude, und in vielen selbstgewählten Niederschriften haben sie ihre Eindrücke frisch und anschaulich geschildert. Vielleicht sind die Wandgemälde im Kaiserhause zu Goslar auch ein wenig daran beteiligt, daß Geschichte unseren Kindern so lebendig geworden ist. Sie geben sie am liebsten dramatisch wieder. „Wie, Verruchter, Du wagst es, an unserem Siege zu zweifeln, wo ich, Karl der Große, dabei bin?" (Aus dem Drama eines elfjährigen Mädchens: „Karl der Große rüstet gegen die Sachsen.") Dadurch," daß wir in Seesen auch Sonntags Schule hielten, gewann Hebräisch eine Wochenstunde mehr und kam den Kindern im täglichen Umgang mit dem hebräischen Lehrer bezw. der palästinensischen Lehrerin noch besonders nahe. „In der hebräischen Stunde sollten wir Briefe sehreiben, und als ich fertig war, da sagte ich, ich schreibe lifdber mit Fehlern, da freuen sich die Eltern mehr." Die Naturgeschichtsstunden, als Blockstunden eingerichtet, fanden natürlich im Freien statt, und es gab für unsere Großstadtkinder genug zu sehen und zu beobachten. Am schnellfließenden Gebirgsbach versuchten sie z. B., die Geschwindigkeit des Wassers festzustellen, nach Methoden, die sie selber fanden. Ein Stückehen Holz, stromaufwärts getragen und ins Wasser geworfen, fand leider nicht den Weg zu den mit der Uhr in der Hand unten Wartenden, aber schon entdeckten sie einen breiten Fiehtenzweig, der den Bach hinuntergeschwommen kam. t