Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand LBI
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9215017-9593203-9593204--103-9593234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Auch diese Betreuung sollte in erster Linie durch junge Menschen ausgeübt werden. In engster Verbindung hiermit steht die Frage der Arbeits'osig'eit der jüdischen Fugend. Die Erwerbslosigkeit von Jugendlichen, die im Augenblick nicht allzu stark ist, erfordert aus beruflichen und sittlichen Gründen eine straffe Organisierung. In den Prozeß seelischer und körperlicher Reise, den der Jugendliche durchmacht, bricht plötzlich die Erwerbslosigkeit herein, die die Not im Elternhaus und die eigene seelische und wirtschaftliche Not noch erhöht. Das geht so weit, daß der Glaube an die eigene Zu'unft vernichtet wird. Wo die Großgemeinden keine eigenen jüdischen Wej-kheime schaffen, müssen die Jugendlichen in die städtischen ^ehne über ührt werden und dort insbesondere durch jüdische Führer betreut werden. Die Kehrselike des Berufsproblems ist das. Freizeitproblem. Ich möchte in diesem Zusammenhänge auf einen in Nummer 4 der „Jüdischen Arbeits- und Wandersürsorge" veröffentlichten Aufsatz von Lubinski Hinweisen. Dicker Aufsatz hat im „Israelit" eine, wie mir scheint, unberechtigte, äußerst scharfe Kritik erfahren. Die Bedeutung der Freizeit wird in diesem Aufsatz so charakterisiert: „Die Freizeit bietet die Chance, mehr nicht als die Chance, den berufstätigen Jugendlichen zum Teilhaber an der gesellschaftlichen Kultur zu machen. Daß diese Teilhaberschaft sich nicht in meßbarem Wissen erschöpft, sondern eine den ganzen Menschen betreffende Haltung ist, bedari keiner Hervorhebung." Ich möchte dem noch den besonderen Wunsch hinzufügen, daß dle jüdischen Gemeinden gerade ihren jugendlichen Arbeitnehmern gegenüber diesem Freizeitproblem ihre volle Beachtung schenken. Für die Ausfüllung der großen Sommerfreizeit, besonders für diejenigen Jugendlichen, die ntht innerhalb einer Gruppe der Jugendlichen auf Fahrt gehen oder in ein Jugenderholungsheim gehen können, ist die Deranstallung acht- bis vierzehntägiger Wanderungen, möglichst mit feststehendem Lager, unter einem Führer anzustreben. Das hat mehrere Vorteile. Die Jungen und Mädel werden pädagogisch ' beeinflußt und körperlich gekräftigt. Sie sind sich nicht selbst überlassen, sondern leben in jüdischer Gemeinschaft. Hierbei können sich mehrere Städte verbinden und die Wanderungen und Freizeitlager nach Verabredung einrichten. Ich möchte endlich noch auf eine gerade in neuester Zeit aufgetretene Schwierigleit der Berufswahl Hinweisen: dies ist die Frage des Boykotts jüdischer Arbeitnehmer. Es wird heute auch jüdischen Lehrlingen immer schwerer, in industrielle Großbetriebe einzudringen. Gerade hier ist eine starke Schranke, die der Berufsumschichtungsbewegung gesetzt ist. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände muß mit all den jüdischen und öffentlichen Stellen Zusammenarbeiten, um das Material über die Boykottbewegung zu er'affen, soweit es Jugendliche betrifft. Ich möchte weiterhin nur noch kurz auf ein Problem eingehen, das als Jugendproblem bei uns überhaupt noch nicht gesehen worden ist: es ist die Fürsorge für straf äll'g gewordene jüdische Jugendliche. Die Zahl dieser Jugendlichen ist gar nicht so gering, wie wir häufig genug annehmen. Die Fürsorge für diese Menschen nach der Entlassung liegt fast

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.