Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand LBI
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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2)0, wo besondere Jugenoderatungsstellen nicht geschaffen werde» können, müßte versucht werden, durch eine beffere Schulung der ehrenamtlichen Pfleger darauf hinzuwirken, daß zum mindesten eine grundlegende Änderung in der Behandlung des inneren Menschen eintritt. Die Jugendberatungsstellen werden ihre Aufmerksamkeit den Berufsfragrn zuwende» müssen. Für die Berrffsfragcn sind wichtige Vorbereitungsstötien die Schule», die aber diese Aufgaben bisher nur unvollkommen erkannt haben. Wtr müssen darauf hinstreben, daß der innere Zusammenhang zwischen Berich und Persönlichkeit erkannt und bewußt wird. Die bei den jüdischen Elter» und oft auch bei deren Kindern leider so stark vertretene „materialistische Berufsauffassung", wie ich sie nennen will, steht in keiner Verbindung mit dem Beruf. Jugendbewegung, Berufsberatungsstellen und Schule müssen de» Fragen der Berufsethik ihr größtes Interesse zuwenden. Die Jugendbewegung darf nicht bei Förster und Spranger stehenbleiben. Ein weiterer Weg^ um den Jugendlichen das nötige Verständnis für den kündigen Berus zu geben, ist die Bcrufsaufklärung. Es genügt nicht, nur Fragebogen für die später rinzusetzende Berufsberatung auszufüllen, sondern es muh rechtzeitig eine Bcrufsaufklärung stattfinden. Wieder sind es die drei Faktoren jüdische Schule, Jugendbewegung und -Pfleger, d'e für diese Arbeit geschuü werden müssen. Die Jugend entscheidet die Berufs'rage nicht selbst, sonder« wird durch Eltern und Erzieher beeinflußt. Ich will in diesem Zusammenhänge auf das verständnislose hineindrängen in aussichtslose akademische uni kaufmännische Berufe verweisen. Ansatzpunkte für eine Berufsaufklärung hat die jüdische Jugendbewegung durch die sogenannten Wer'heime geschaffen. Während diese bisher nur die Jüngsten mit Basteln beschäftigen, muß es erreicht werden, daß durch Werkheime den jüdischen Lehrlingen der Großstadt, die zu Hause keine ausreichenden Aufenthaltsräume haben, die Gelegenheit d^s Aufenthaltes und der weiteren beruflichen Fortbildung gegeben wird. Je^t liegt es so, daß diese Kreise, soweit sie nicht zur Jugendbewegung gehören, in weitestem Maße dem Judentum verloren gehen. Zur Behebung der wirtschaftichen und sozialen Not im engsten Kreise machen heute einige Bünde direkt und indirekt den Verbuch, eigene Berufrberatungsstellen zu schaffen. Diese Versuche erscheinen aber nicht zweckmäßig, zumal hier das Gesamtproblem in sozialpädagogischer, volkswirtschaftlicher und jugendpsychologscher Beziehung nicht in dem Maße bekannt sein kann, wie innerhalb der öffentlichen Berufsberatung. Es kommt stärker auf eine planmäßige Mitarbeit der Jugendbewegung durch Teilnahme an Sprechstunden der Berufsberatung und durch ständige Aussprache an. hiermit hängt eng die Frage der nachgehenden Berufssürsorge zusammen, hierunter ist eine Kontrolle der Arbeitsstelle in bezug auf Lernmöglich'e.ten, Ausbildungssragen und eine Verständigung mit dem Arbeitgeber hierüber zu verstehen. Es ist dies ein besonderes Arbeitsgebiet für die Jugendbewegung. über das Berufliche hinaus ist eine besondere Betreuung derjenige Lehrlinge erforderlich, die von der Gemeinde in Pflegestellen gegeben sind.