Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand LBI
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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abgesehen von dem Zeitaufwand, eine große Gefahr, weil der Inhalt dieser Feiern mit ihren schlechtgereimten Gedichten, mit ihrer Anspielung auf jüdisches Familienleben, das nicht mehr existiert, keineswegs Ausdruck der seelischen Lage unserer Jugend sind. Martin Sobotker: Talsachen aus dem Leben des jüdischen Jugendlichen der Großstadt Die soziale Not der jüdischen Jugend der Großstadt unterscheidet sich nicht wesentlich r»on der sozialen Not der Jugend überhaupt. Wohl bedingt das jüdische Elternhaus z. B. in Erziehungsfragen und unser Judesein insbesondere in Berufssragen eine unterschiedliche Behand'ung. Diese Verschiedenheiten sind aber nicht so groß, da'; man mit völlig anderen Ergebnissen bei einer Untersuchung der jüdischen Verhältnisse zu rechnen hätle. Daher soll hier nicht von Dingen gesprochen werden, die jeder von uns, -er der Jugendbewegung nahesteht, aus eigener Erfahrung kennt, von den sozialen Typen der Jungen und Mädel in der Jugendbewegung und von Mitteln und Wegen, die die Bünde zur Behebung der sozialen Not gehen. Die Tatsachen lassen sich auch schon deshalb nicht in großer Zahl aneinanderreihen, da man die Seelennot der jüdischen Jugend eben nicht in seelenloke Statistiken und Kartotheken einfangen kann, um sie zur gegebenen Zeit zu Ansatzpunkten von Hilfsmaßnahmen zu machen. Die Grundursache der akutesten Jugendnot ist immer die wirtschaftliche Not. (An dieser Stelle führte der Referent einige Beispiele jüdischer Jugendnot an, die er im letzten Jahre aus seinem nächsten Umkreis, nämlich seinem Bunde, kennen lernte und zu erledigen hatte. Die Beispiele wurden durch Verlesen von Briefstellen veranschaulicht, aus denen sich die furchtbare wirtschaftliche und zum Teil auch sexuelle Not der Jugendlichen ergab.) Welche Möglichkeiten bestehen, um dieser Not zu begegnen? Hier kommen zunächst die Jugendberatungestellen in Frage. Das Landesugendamt Berlin hat besondere Jugendberatungsstellen eingerichtet, die ihre Tätigkeit auch auf den Kreis von Jugendlichen ausdehnen, die bisher noch nicht von „amtswegen" betreut worden sind. Es besteht ein Bedürnis, besondere Beratungsstellen für jüdische Jugendliche zu schaffen. Ein Teil unserer Jugend wird zwar auch jüdische Jugendberatungsstellen nicht aufsuchen, da sie aus einer religiösen oder antireligiösen Haltung nicht das nötige Vertrauen haben werden. Die Jugendberulungsstellen müssen aber frei von aller Bevormundung sein, lediglich das liebevolle Verständnis der Helfer muß hier entscheiden. Selbst wenn nur wenige diese Stellen, die abseits von der Bürokratie geschaffen werden müssen, besuchen und diesen wenigen geholfen wird, hat sich die Einrichtung bewährt.