Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand LBI
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebens vorzuemhalten. Der Führer muh sich energisch gegen jede Beschränkung seiner Meinungsfreiheit wenden, wenn er auch nicht Probleme künstlich an seine Gruppe herantragcn und ausgesprochene Propagandaarbett leisten soll. Wir müssen uns darüber klar sein, und es andern klarmachen, daß es besser ist, eine bestimmte Gesinnung zu haben, als aus Furcht vor einer Festlegung die großen sozialen Probleme unerörtcrt zu lassen. Wenn man unseren Führem das Recht nimmt, das letztlich Wahre zu sagen, ist alle Bemühung überflüssig, und es bleibt nur ein „teetrinkcnder Verein' übrig. Ich gehe nun zu Vorschlägen über den Inhalt der Arbeit über. Man soll die Gruppen zunächst möglichst bequem einrichten (Radio, Zeitungen, Spiele), ihnen ein Heim geben und auf diese Weise eine äußere Veranlassung schaffen, zusammenzukommen, bei der der Pädagoge im Hintergrund bleibt. Für die Praxis wichtig ist die Frage der .Koedukation. Die Bildung von gemischten Gruppen, die aus Jungen und Mädchen bestehen, wird von den Jugendlichen naturgemäß stark begrüßt. Die Schwierigkeiten, die dadurch entstehen, daß die erotische Spannung jede gemeinsame Arbeit erschwert, sind nur dann zu beheben, wenn die gemeinsame Erziehung schon früh begonnen hat. Es muß unsere Aufgabe sein, die gegenseitige Achtung und Wertschätzung der Geschlechter im Sinne der Jugendbewegung durch Aussprache und selbstverständliches, natürliches Verhalten lebendig zu machen. Zur Frage des Stoffes sei folgendes ge'agt: Man soll all den Dingen den Vorzug geben, die nicht direkt intellektualistisch sind: Sport, Wanderungen, Singen, manuelle Beschäftigung, die einem praktischen Bedürfnis dient, sind für Jungen sehr wichtig und ichlichcn eine Gruppe stark zusammen. Ist ein Interesse iür geistige Dinge vorhanden, so so l man möglichst von aktuellen Problemen ausgchen. Auch die Frage des Berufes, die in das Leben des Jugendlichen tief einschneidet, ist von großer Bedeutung. Das Vertrauen des Jugendlichen muß durch Anteilnahme an seinem persönlichen Schicksal, durch Kenntnis «einer Familien- und Beruksverhälinisie erworben werden. Die Werbung der Jugendlichen geschieht im wesentlichen auf Grund der Berührung einer Familie mit dem Wohlfahrtsamt. Wir müssen aber dafür sorgen, daß die Gruppe keinen Wohlfahrtscharakter bekommt und fick demgemäß nicht auf solche Jugendliche beschränkt, die durch das Wohlfahrtsamt kommen. Wichtig find eigene Namen für diese Gruppen und stärkste Lockerung der Beziehung zum Wohlfahrtsamt. Öffentliche Bescherungen, die nur das Herz des Gebers erfreuen, wenn er sozusagen die Augen des Beschenkten ausleuchtensieht, und die daher mehr öffentliche Beschämungen sind, muffen gänzlich unterbleiben. Ein Wort wäre zum Schluß noch über den Mißbrauch, der mit Feiern getrieben wird, zu sagen. Manche Gruppen stehen monatelang im Zeichen des „nahenden" Chanukkahfestes. Jede vernünftige Arbeit ist unmcg'ich, es herrscht etwas von der Psychose des „Reinemachens", die eine bekannte Hausfrauenkrancheit ist. Selbstverständlich haben auch schon die Vorbereitungen für solche Feiern einen gewissen pädagogischen Wiert, weil ffe die Gruppen zusammenschließen. Sie haben aber. 24