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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1928-12-15 · 6 (15.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
1 (1927-1928). Bestand LBI
Issue
6 (15.12.1928)
Date
1928-12-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen J u g e n d v e r b ä n d e Wissenschaften in dem Ringen zwischen kapitalistischer und sozialistischer Weltanschauung. Er findet seinen Ausdruck auf dem großen Gebiel der Pädagogik. Er führi zu dramatischen Zusammenstößen innerhalb der Staatspolitik. Er isl das beherrschende Prinzip vor allem der Wirtschaftspolitik, in der die Menschen sich als Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder als l nternehnier und Lohnarbeiter gegenüberstehen. Er bricht sieh aber heute schon Bahn innerhalb der Wohlfahrtspflege, in der der üblichen Wohlfahrtspflege eine Anschauung von sozial i s I ischer Wohlfahrtspflege gegenüber gestellt wird. Aber noch ein weiteres ist zu beachten: die tiefste menschliehe Quelle des Sozialismus ist immer der Wunsch, Ungerechtigkeit und Leiden aus der Welt zu schaffen. Deshalb stammen alle Bestrebungen, auch schon jetzt die Summe der Ungerechtigkeit und des Leidens in der Welt zu verringern, aus derselben Quelle, aus der der Sozialismus fließt. Daher dient denn auch die Wohlfahrtspflege — und besonders im sozialistischen Geiste geübte — der Verringerung menschlichen Leidens und insoweit auch demselben Ziele wie der Sozialismus. Das bedeutet aber, daß auch der sozialistische Mensch sieh an der Wohlfahrtsarbeit beteiligen muß. Georg L u b i n s k i. DIE ARBEIT PER LANDES» UND ORTSAUSSCHÜSSE LANDESAUSSCHUSS BERLIN Man kann ohne Uebertreibung von der Unzulänglichkeit der bisherigen Arbeil des Landesausschusses Berlin sprechen. Wenn auch das bisher Erreichte zur Befriedigung der elementarsten Bedürfnisse der angeschlossenen Bünde (Fahrgeld und Heimzuschüsse, Zuwendungen für die Veranstaltungen von 'ragungen etc.) geführt hat, so muß man doch bedenken, daß alle diese „Erfolge" auf eine Arbeit ad hoc zu buchen sind, die auf die Dauer nicht dazu angetan ist, die Form unserer sozialen Jugendarbeit zu sein. Wenn sich auch die Arbeitstätigkeit der Führer der verschiedenen Bünde in erster Linie in ihren eigenen Bünden erschöpft, so hal doch eine Stadt wie Berlin den Vorzug, darüber hinaus in den Bünden Kräfte zur Verfügung zu haben, die an einer lebendigen und wirksamen sozialen Arbeit teilnehmen können. Die Aktivierung dieses Kreises und die Verbreitung der erlangten Erkenntnis in die verschiedensten Kreise der jüdischen Jugend soll jetzt Hauptaufgabe des Landesausschusses sein. Voraussetzung hierfür ist aber, daß die Bünde, wenn auch nur wenige, so doch ihre besten Kräfte für diese Arbeii einsetzen. Der erste Schritt auf diesem Weg isl die Schaffung eines sozialen Arbeitskreises, der alle sozial tätigen Mitglieder der Bünde umfassen soll. Lubinski hat in Nr. 3 der „Mitteilungen des Reichsausschusses" in seinem Beitrag „Eine soziale Gilde der jüdischen Jugendbewegung" eingehend die Grundlagen und Arbeitsmethodik solcher Kreise der jüdischen Jugendbewegung dargelegt. Wenn es vorerst hier einmal uns gelingt, eine „allmähliche ideologische Fundierung" für unsere jüdisch-soziale Arbeii zu schaffen, dann dürften sich auch bald die Auswirkungen auf die praktische Arbeil erstrecken. Wie notwendig dieser Arbeitskreis ist, zeigen ja gerade unsere Mitteilungsblätter, die eben immer auch Mitteilungen aus den Orts- und Landesausschüssen etc. bringen, die aber noch weit davon entfernt sind. Richtschnur für unsere soziale Arbeit und Ausspracheorgan zu sein. Das „gute Gewissen" der jüdischen Wohlfahrtspflege, das wir sein sollen, setzt aber in erster Linie Kenntnis der Problematik der sozialen Arbeit voraus; ohne diese würden wir oben auf diesem Gebiete bürokratische Belfer sein, die die Wohlfahrtspflege schon zur Genüge hesiizt. Für die Entwicklung des Berliner Landesausschusses ist jetzt ferner symptomatisch, daß er sich auf einer im Januar zu veranstaltenden Führertagung über die Berufsfragen der jüdischen Jugend aussprechen will. Audi auf diesem Gebiete fehlt bisher jeder Ansatzpunkt einer Mitarbeit der jüdischen Jugend. Die Fragen der Berufswald und Berufsumschichtung sind bisher ausschließlich das Monopol der Berufsberatungsstellen; jeder Gruppenleiter sollte aber Hand in Hand mit den Eltern und der Berufsberatungsstellc an der richtigen Berufswahl -eines Gruppenmitgliedes regsten Anteil nehmen können. Die Zusammenarbeit mil den in Frage kommenden Stellen ist hier unbedingte Voraussetzung (vgl. Nr. 5 der „Mitteilungen"). Der Landesausschuß muß im März 1929 sein Jugendheim Dragonerstr. teilweise aufgeben. Ein großes und würdiges Jugendheim ist aber Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung des L.A. und der Zusammenarbeit der einzelnen angeschlossenen Bünde. Der Vorstand wird demnächst eine ausführliche Denkschrift an den Vorstand der Gemeinde Berlin einreichen. Außerdem sind Bestrebungen im Gange, einen gemeinsamen Turn- und Sportbetrieb der Bünde zu schaffen. Die Mitarbeit der Bünde bei den Jugendpflegegruppen des Wohlfahrtsamtes und den Lesestuben isl erfreulicher Weise im Fortschreiten begriffen. Die im Bund erlangte Erkenntnis zur Teilnahme am sozialen Geschick der Gesamtheit und die Arbeitsweise der Jugendbewegung sind Allgemeingut in der Führung der Jugendpflegegruppen geworden. Die Winterarbeit erfährt durch die „Schule der jüdischen Jugend", die ihre Arbeilen in begrenztem Umfange bereits aufgenommen hat, eine wirksame Unterstützung, zumal die meisten Bünde an den Kursen teilnehmen. Dieses Gebiet gehört allerdings nicht zur Arbeit des L.A., sondern wird vom Jugendpflegeausschuß der Gemeinde Berlin betrieben. Martin Sobotker. ORTSAUSSCHUSS BRESLAU In Breslau hat sich eine soziale Arbeltsgruppe schon im Sonnner d. Js. gebildet, die aus Sozialarbeitern, Helfern in Jugendgruppen und zwei Lehrerinnen besteht, Man hat sich dort auf Grund eines Beiseberichtee mit „Schulproblemen in Palästinn" beschäftigt. I 'er nächste Abend wird über „Erziehungsprobleme der Jugendbewegung" handeln. An einem weiteren Abend soll von einer Praktikerin über „Heimerziehung" gesprochen werden. Der Ortsausschuß hat, um an solche Kreise der Jugend Anschluß zu gewinnen, die durch ihre politische Ueberzeugung dem Judentum verloren zu gehen drohen, einen Ausspracheabend über „Jüdische Versuche zur Lösung der sozialen Frage" veranstaltet. Auf Grund eines Referates, das Kurt Löwenstein, Berlin, über diesen Gegenstand gehalten hat, ist der Boden für weitere Arbeit auf diesem Gebiet geschaffen worden. LANDESAUSSCHUSS HAMBURG Wir entnehmen einem Beruht über die Arbeit des Hamburger Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände die folgenden Stellen: Der Landesausschuß besteht zurzeit aus 15 jüdischen Jugendorganisationen und Bünden. Im Gegensatz zu anderen Städten sind ihm auch der Jüdische Turnverein Bar-Kochba, der Jüdische Turn- und Sportverein e. V., der Aelterenbund Kameraden, das Kartell jüdischer Verbindungen, der Ostjüdische Jugendverein, der Verein für Handwerksgehilfen und eine Lehrlingsgruppe organisiert. Der Vorstand des Landesausschusses setzt sich zusammen aus 2 Vertretern der zionistischen Organisationen und Bünde, je einem Mitglied der auf dem Boden der deutsch-jüdischen und der liberalen Jugendbewegung stehenden Vereinigungen, einem Agudisten, einem Fsräer und einem Vertreter der Jugendpflege. Bei den Neuwahlen für das Jugendamt der Deutschisraelitischen Gemeinde, Hamburg, im Juni d. Js. waren vom L.A. 6 Wahlvorschläge eingereicht worden, vni denen damals 5 Vertreter gewählt wurden. Leo B<xecV, 3 kS.£HJ|C U5I5>€ - 2o\OOSs*j

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