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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1928-12-15 · 6 (15.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
1 (1927-1928). Bestand LBI
Issue
6 (15.12.1928)
Date
1928-12-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ßtcvsS MITTEILUNGEN REICHSAUSSCHUSSES DER JÜDISCHEN JUGENDVERBÄNDE DES GESCHÄFTSSTELLE: BERLIN N 24, ORANIENBURGER STR. 13-14 / FERNSI NACHDRUCK MIT QUELLENANGABE ERWÜNSCHT UND GESTATTET / VERAN1WORTL. FÜR DIE SCHRIFTLEITUNG: DI »R.: NORDEN 7324 =?. GEORG LUBINSKI, BERLIN NUMMER6 BERLIN, 1 5. DEZEMBE R 19 2 8 ZUR ARBEIT DES REICHSAUSSCHUSSES Der Weg lind die Arbeitsmethoden des Reicheausschusses waren nicht schon bei seiner Gründung von Anfang an festgelegt. Wie alle Körperschaften, die ihr Arbeitsprogramm aus einer Zusammenfassung verschiedener Meinungen entwickeln müssen, hat der P.A. auf verschiedenen Gebieten zunächst tastende Versuche machen müssen, um die Grenzen seines Gebietes zu umschreiten und den ihm hiernach zukommenden Boden dem allgemeinen Ziele gemäß zu bearbeiten. Es hat sich für unsere Arbeit als ein sehr großer Vorteil erwiesen, daß wir schon sehr früh eine bestimmte konkrete Aufgabe zu bewältigen hatten, nämlich die Einrichtung und Unterhaltung unseres Heime.- in Seesen. Es ist schon oft hervorgehoben worden, in welch starkem Maße das Heim in Seesen die an ihm interessierten Menschen, und zwar nicht nur diejenigen, die als Erholungsuchende dorl hingingen, zusammengebunden hat. Wir halien es für dieses Jahr unternommen, uns einen Ueberblick über die Belegung des Heimes zu verschaffen und sind dabei zu den nachstehenden Ergebnissen gekommen: Das Heim war insgesamt von 210 Dauerbesuchern in Anspruch genommen. Von diesen waren 129 je 2 Wochen im Heim, der Best 4 Wochen. Berlin stellte den größten Anteil der Heiminsassen, indem von hier 145 Besucher kamen, während von auswärts 65 Jugendliche bei nns waren. Etwa 25 Prozent der Heiminsassen wurden uns durch die Wohlfahrtsämter gemeldet, und zwar 28 vom Berliner Wohlfahrtsamt, 17 von auswärtigen Wohlfahrtsämtern. Die einzelnen Bünde entsandten die folgende Anzahl von Besuchern: Agudas Jisroel ................................ 10 Esra .......................................... 5 Misraehi ...................................... 25 J.J.W.B....................................... 7 Kadimah ...................................... 1 Kameraden .................................... 3 Verband der jüd. Jugondveroine Deutschlands . . 7 Deutsch-jüd. Jugendgemeinschaft .............. 6 Iii ........................................ 8 Bar-Kochba .................................. G Aus örtlichen Jugendbünden .................... 27 insgesamt 105 Diese Aufstellung ergibt, daß genau 50 Prozent der Besucher in der Jugendbewegung organisiert sind. DieZahl ist in Wirklichkeit aber größer, weil die auf die Zugehörigkeil zur Jugendbewegung bezügliche Frage unserer Kartothek nicht immer beantwortet ist. Es ist daher mit einer Vergrößerung des Anteils der organisierten Jugend um mindestens 15 Prozent zu rechnen. Es ist vor einiger Zeit, bevor noch diese Zahlen endgültig feststanden, darüber Klage geführt worden, daß das Heim überhaupt nichtorganisierte Jugendliche aufnimmt. Man argumentierte etwa so: es sollen nur Organisierte aufgenommen werden, wer sich nicht organisiert, hat den Anschluß an das Judentum nicht gefunden. Der Reichsausschuß ist ein Zusammenschluß der organisierten Jugend, eine Förderung der nichtorganisierten ist nicht seine Aufgabe. Wir können diesen Standpunkt nicht teilen. Wir haben zwar in der Praxis den Organisierten vor den Nichtorganisierten immer (hui Vorzug gegeben, weil auch w ir der Meinung sind, daß das Heim in erster Linie und vor allem für die Bünde des U.A. offen sein um Ii. Wir hätten es aber für äußerst bedenklich gehalten, wenn etwa Plätze des Heims leer stehen würden, während eine Eeihe von erholungsbedürftigen nichtorganisierten Jugendlichen Aufnahme in unser Heim nachsuchte. Das entspräche keineswegs der Tendenz des U.A., soziale Arbeit zu leisten, und man würde sich dadurch auch des Weges begeben, gerade Unorganisierte durch den Aufenthalt in Seesen au dem Leben der organisierten Jugend zu interessieren. Es ist weiter von derselben Seite bemängelt worden, daß als Verpflegungssatz nicht die vollen Selbstkosten, sondern ein geringerer Preis gefordert worden isl. Man verlangte demgegenüber, daß der volle Betrag der Selbstkosten unter Hinzurechnung eines Betrages für die Amortisation (Möbelabnutzung und -Neuanschaffung) berechnet werde. Auch dieser Forderung könne]] wir, gerade vom Standpunkt des P.A. aus, eine Berechtigung nicht zuerkennen. Sicher ist, daß der P.A., von denjenigen Menschen, die in der Lage sind, den vollen Verpflegungspreis zu zahlen, diesen verlangen muß. Aber wir sind auf Grund genauer Einsicht in die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Besucher zu der Feberzeugung gelangt, daß für den bei weitem größten Teil das Heim seine Bedeutung verlieren würde, wenn die vollen Selbstkosten verlangt werden würden. Gleichgültig ob es sich um Jugendliche in der Berufsausbildung oder um Schüler handelt, der größte Teil von ihnen ist nicht in der Lage, etwa M. 3.— bis M. 3.50 außer den Fahrtkosten für den Erholungsaufenthalt aufzubringen. Man vergleiche doch nur einmal etwa die Lehrlingsgehälter mit den hier erforderten Summen. Es gelingt, doch schon heute nicht mehr den Jugendbünden, die Jugendliche aus den Kreisen des „guten jüdischen Mittelstandes" in ihren Reihen haben, die Kosten für eine längere große Fahrt ohne öffentliche Hilfe aufzubringen. Im übrigen können wir darauf hinweisen, daß, auf Grund der von uns berechneten Selbstkosten, der geforderte Verpflegungspreis von M. 2.50 die Selbstkosten fast vollends gedeckt hat. Ungedeckt blieben nur die Einrichtungskosten des Heimes und die erheblichen Mietkosten für die Zeit, in der das Heim nicht belegt ist. SOZIALE ARBEIT UND SOZIALISMUS Im Zusammenhang mit Erörterungen über die Möglichkeiten praktischer Sozialarbeit der Jugendbewegung w ird jetzt öfter der Einwand erhoben, dal* die soziale Arbeit an sich nur Flickwerk und Stückwerk darstelle, daß sie keineswegs dazu diene, die Gesellschaft zu erneuern, sondern daß sie viel eher das abbauwürdige Gesellschaftsgebäude stütze. Die Jugendbewegung, der an Erneuerung der Gesellschaft gelegen sei. dürfe sich daher an sozialer Arbeit nicht beteiligen. Sie habe sich viel eher an den großen Lösungsversuehen vor allem durch den Klassenkampf zu beteiligen. Es ist hier nicht möglich, sich ausführlich mit diesen Einwänden auseinanderzusetzen. Vor allem können wir nicht die Meinungen des sozialistischen Schrifttums zu dieser Frage anführen. Wir wollen heute mir auf das Eolgende hin weisen. Der Kampf um eine neue Gesellschaftsordnung wird heule schon auf allen Gebieten des menschlichen Lebens geführt; er spielt sich ab innerhalb der Geistes-

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