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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1928-09-15 · 5 (15.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
1 (1927-1928). Bestand LBI
Issue
5 (15.9.1928)
Date
1928-09-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände gend aller Länder in ernsten Aussprachen vereinen und dann nach dem Ergebnis der Besprechungen die Frage der Gründung eine Weltbundes der Jugend behandeln. Die ersten Tage des Kongresses waren den Sitzungen der G Kommissionen gewidmet, die sich ausführlich mit den für die Friedensarbeit grundlegenden Fragen beschäftigten. In der sozial-wirtschaftlichen Kommission Avurden besonders die ökonomischen Ursachen des Krieges und die wirtschaftlichen Vorbedingungen für den Weltfrieden besprochen. Das Problem des Imperialismus stand im Mittelpunkt. Denn der Kongreß hielt einen dauernden Weltfrieden für abhängig von der Beseitigung des Imperialismus, der auf dem Kapitalismus beruht. Das kann nur durch eine neue ökonomische Ordnung erreicht werden. In den Methoden zur Ver^ wirldichung zeigte sich die Verschiedenheit der vertretenen Jugendorgauisa!innen, die sich in 2 Hauptlager teilen lassen, in solche, die gewaltlos die Frage des Imperialismus lösen wollen und solche, die jeden Lösungsversuch außer dem revolutionären Kampf ablehnen. Die politische Kommission, die pädagogische, die religiösethische, die Rassen- und die Minderheitenkommission beschäftigten sich ebenfalls mit speziellen Fragen und konnten selbstverständlich auch nicht zu einheitlichen Ergebnissen kommen. Nach Beendigung der Kommissionssitzungen wurden die Gesamtberichte dem Kongreß zur Annahme vorgelegt. Sie enthielten auch Resolutionen, die zur Abstimmung gebracht worden waren. An dem letzten Tage des Kongresses wurde über die in den Kommissionssitzungen mit großer Mehrheit angenommenen Entschließungen abgestimmt. Nur eine Erklärung über die Gleichwertigkeit der Kassen wurde einstimmig angenommen. Einschließungen über Erledigung von Streitfragen durch friedliche Maßnahmen und durch internationale Kontrolle, über Reorganisation des Völkerbundes, Ueberwindung der Gewalt auf friedlichem Wege, Kriegsschuldfrage, Schutz und Ausbildung der werktätigen Jugend und über die Unterdrückung der Minderheiten können nicht als angenommen gelten, obwohl sie eine Majorität erzielten. Denn schon bei dem Treffen auf der Freusburg, das im vorigen Jahre als Vorbereitung für den Weltjugendkongreß stattfand, hatte man beschlossen, wichtige Fragen nicht durch Abstimmung zu entscheiden, da dabei immer eine Minderheit vergewaltigt werde. Die Aussprache des internationalen Führerrates und I des Gesamtkongresses über die Gründung des Weltbundes ergab, daß die Zeit dafür noch nicht gekommen ist, da noch eine größere Grundlage für die Zusammenarbeit geschaffen werden muß und auch weil große Teile der Weltjugend nicht vertreten waren, wie z. B. die russische Jugend, deren Teilnahme durch die Paßverweigerung durch die holländische und deutsche Kegierung unmöglich gemacht worden war. Aufbauend auf den mit großer Mehrheit angenommenen Resolutionen sollen Grundlinien ausgearbeitet werden, die die Fortsetzung der Kongreßarbeit durch ein internationales Bureau bestimmen sollen. Dem Kongreß gab der Gegensatz zwischen Kommunismus und allen anderen Lösungsversuchen ein besonderes Gepräge. Wenn auch die Diskussionen öfters heftig waren und manchmal nichts von dem Willen der Jugend zu einer neuen Form zeigten, sind sie doch aus dem Grunde nicht zu bedauern, da sie Einblick in die verschiedensten Gedankenrichtungen gewährten und jeden zwangen, die eigenen Ansichten nach allen Seiten hin zu prüfen. Besonders erfreuliche Stunden des Lagers waren die offenen Aussprachen der Deutschen mit den Franzosen, den Polen und den Angehörigen farbiger Rassen. Diese waren besonders befriedigt von der Erklärung der Deutschen, daß eine wirksame Bekämpfung des Imperialismus nicht möglich ist ohne Znsammenwirken mit den Massen des internationalen revolutionären Proletariats und der unterdrückten Völker Gemeinsame Abende hei Musik und am Feuer und überhaupt das ganze zwanglose Lagerleben haben wieder gezeigt, wie wichtig sie neben den Aussprachen für das Kennenlernen und Verstehen sind. E. E. St. DIE TAGUNG DER MANNHEIMER JUGENDGEMEINDE Die Mannheimer Jugendtagung vom 20. und 21. Juli hat kein real auswertbares Resultat gezeitigt. Das mag den enttäuschen, der sich von jeder Jugendtagung ein greifbares Ergebnis erhofft. In diesem Falle handelte es sich aber viel mehr darum, auf das Dasein eines so neuartigen Gebildes wie der Jugendgenieinde hinzuweisen, als irgendwelche Parole in die Welt hinaus zu posaunen. Dieser Hinweis ist gelungen. Und wenn in diesen Blättern der Verlauf der Tagung behandelt wird, so geschieht das in der Hoffnung, weitere Kreise jüdischer Jugend auf die Mannheimer Jugend aufmerksam zu machen. Die Mannheimer jüdische Jugendgenieinde wurde begründet von Rabbiner Dr. Grunewald. Sie macht sich zur Aufgabe, in ihrem Kreise das jüdische Gemeindeleben auf eine neue, vom Geiste der Jugend getragene Grundlage zu stellen. Das zur Erreichung dieses Zieles notwendige jüdische Wissen sucht sie ihren Mitgliedern durch Kurse und Arbeitsgemeinschaften zu vermitteln. Jedoch gerade die letztgenannte Arbeit dient der Jugendgemeinde nur als Mittel. Viel größeres Gewicht legt sie auf die Schaffung jüdischer Gemeinschaft uneingeengt durch parteimäßige Bindungen. So steht das Gemeinschaftsleben und nicht zuletzt der nur von Jugendlichen ausgeführte Jugendgottesdienst im Vordergrund der Arbeit. Gerade der Gemeinschaftsgedanke mit der aus ihm folgenden Notwendigkeit der Formgebung hat die Führer der Jugendgemeinde dazu gebracht, ihre Organisation zu einem Jugendbund mit pfadfinderartigem Gepräge auszubauen. So gibt es dort verschiedene Grade der jüdischen Ausbildung, die Kurse schließen mit einer Art Prüfung ab und berechtigen zum Eintritt in bestimmte Gruppen der Jugendgemeinde. Diese besteht aus ca. 120 Mitgliedern, dem „Kern" der jüdischen Jugend Mannheims; die Mitgliedschaft ist in 5 Züge eingeteilt. Sie haben regelmäßigen Heini- und Fahrtenhot rieb, neuerdings auch eigene Zeltlager. Die äußere Gemeinsamkeit drückt sich in Pfadfindertracht und jüdischem Pfadfindergruß aus. Die Tagung an sich begann mit einem Gottesdienst am Sonnabend Nachmittag, an dem fast alle Mitglieder der Jugendgenieinde sowie ein Teil der nicht in ihr organisierten Jugend teilnahmen. Ganz besonders auffallend war der tiefe Ernst, mit dem auch die zahlreichen recht kleinen Teilnehmer allen Verrichtungen folgten, erfreulich die Tatsache, daß die hebräischen Gesänge fast ausnahmslos gekonnt und mitgesungen wurden. Anschließend folgte die erste Sitzung mit der Begrüßung der ca. 80 Delegierten und einem Referat von Rabb. Dr. Grunewald über „Jüdische Lebensgestaltung". Dr. Grunewald legte kurz die Schwächen des augenblicklichen Gemeindelebens, insbesondere die Mechanisierung des Gemeindebetriebes dar und entwickelte anschließend die Möglichkeit für den Einzeljuden, über die organisch gebildete neue jüdische Gemeinde zu einer neuen jüdischen Lebensgestaltung zu kommen. In der nun folgenden Diskussion wie auch in der Diskussion des nächsten Tages legten die Vertreter der verschiedenen Richtungen dar, aus welchen Gründen sie dem Gedanken der Jugendgemeinde mit Bedenken gegenüberständen. — Der Abend vereinigte alle Teilnehmer bei einem von der jüdischen Gemeinde Mannheim gestifteten Abendessen, dem ein Heimabend folgte. Hebräische und ost jüdische Lieder sowie ein Horratanzen beschlossen das Zusammensein. Am nächsten Vormittag sprach Siegbert Stahl, der derzeitige Führer der Jugendgemeinde, über „Gemeinsame Forderungen jüdischer Jugend". Die Resolution, in der das Referat gipfelte, forderte u. a. Abschaffung der Karenzzeit, aktives sowie passives Wahlrecht vom 20. Lebensjahre ab, Hinwendung zu den Quellenschriften im jüd. Religionsunterrichl usw. Auf Antrag verschiedener Delegierter wurde jedoch über diese Resolution

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