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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1928-09-15 · 5 (15.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
1 (1927-1928). Bestand LBI
Issue
5 (15.9.1928)
Date
1928-09-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände Zum ersten Male wird der junge Mensch vor eine Entscheidung gestellt, zum ersten, häufig zum einzigen Maie hai er die Möglichkeit, sein Leben mit innerer Wahrhaftigkeil und unter eigener Verantwortung selbst zu gestalten. Die Berufsarbeil ist; das wesentliche Bindeglied zwischen dein Individuum und der Gemeinschaft] Bei der Wahl seines Berufes hat der junge Mensch die Möglichkeit, seiner Beziehung zur Gesellschaft eine Form zu geben, hier entscheidet er sich im wesentlichen, welcher Art seine Bedeutung für die Gemeinschaft sein wird. Seit; mehreren Jahren sind vom Staat, von den Städten und von den privaten (»rganisationen Beratungsstellen errichtet wurden, die den Schulentlassenen bei der Wahl ihres Berufes behilflich sein sollen, und die einerseits die Aufgabe haben, die Berufsanwärter mit den Licht- und Schattenseiten ihres Berufes vertraut zu machen, andererseil die Jugendlichen so in das Berufsleben einzugliedern, daß für sie sowohl wie für die Wirtschaft ein Schaden daraus nicht erwächst. Die Arbeit in allen Berufsämtern wird von Erwachsenen geleistet; besser und produktiver könnte sie getan werden, wenn Jugendliche intensiv daran mitarbeiten würden. Berufsberatung könnte ein Stück Jugendarbeit werden, wenn die Jugend selbst sich entscheidend daran beteiligen würde. Es gibt, praktische Arbeit genügend für Angehörige der Jugendbewegung, für Leiter und Mitglieder der Bünde. Dami! die Berufsberatung von einem Zweig der Wohlfahrtspflege zu einem Teil der Jugendarbeit, der Arbeit mit der -Jugend an der Jugend werden kann, gebraucht sie dringend die Mithilfe der Jugendbewegung. Was ist Berufsberatung? Sie ist, richtig verstanden, jene Zusammenarbeit mit dem Jugendlichen, die es ihm ermöglicht, sich selbst zu einem Beruf zu entscheiden. Tn diesem Satz ist schon eine wesentliche Aufgabe der Vorarbeit der Jugendbewegung für die Berufsberatung enthalten. Es ist gänzlich unverständlich, wie uninteressiert junge Menschen immer noch den Fragen ihrer eigenen Berufswahl gegenüber sind, und dies trifft häufig sogar für Angehörige der Jugendbewegung zu, die doch höhere Anforderungen an sich und an die Aufgaben, die sie der Gemeinschaft gegenüber haben, stellen. Aufgabe der Bünde ist es, in Zusammenarbeit mit der Berufsberatung jene Situation zu schaffen, in der eine Berufsberatung sinngemäß stattfinden kann, nämlich den Begriff für die Wichtigkeit der Rolle zu vermitteln, die der Beruf im Leben des Menschen spielt. Erst wenn diese Einstellung zum Beruf vorhanden ist, läßt sich die Möglichkeit eines bestimmten Berufes erörtern. Aber außer dieser Arbeil gibt es für die Führer auch rein praktische Aufgaben der Mitarbeit an der Berufsberatung. Helfer, die bestimmte praktische Aufgaben, wie Hilfe bei der nachgehenden Lehrlingsfürsorge, wie Verhandlung mit Eltern, Werbung von Stellen usw. übernehmen, sind sicherlich immer willkommen. Darüber hinaus wird es ratsam sein, wenn von Zeit zu Zeit; Besprechungen zwischen den Vertretern der Jugendbewegung und der Beratungsstelle stattfinden, in denen bestimmte Fragen, die beide Institutionen angehen, erörtert und geklärt werden, bei denen eine sachliche Kritik geübt wird und darüber gesprochen werden kann, wie Mißstände abgestellt werden können. Ferner ist zu wünschen, daß .Menschen mit pädagogischer Begabung und Erfahrung zu bestimmten Zeilen —• etwa zur Zeit des Schulabgangs — an der Sprechstunde der Berufsberatung teilnehmen, um auch auf diese Weise eine Verbindung zwischen der Berufsberatung und der Jugendbewegung herzustellen. Wir wünschen, daß die Teile der Jugendbewegung, die dem Gedanken der Berufsberatung fremd und uninteressiert gegenüberstehen, sich zu ihm bekennen, daß sie mit ihren Wünschen und mit ihrer Kritik kommen, daß sie diese Aufgaben, die ganz entscheidend zu denen der -1 ugenderziehung gehören, zu den ihren machen nicht in irgendwelcher spielerischen, dilettantischen Art, sondern in der ehrlichen Zusammenarbeit mii den fachlich dazu berufenen Stellen. K ucie Z o b e 1. TAG UNGSBE RICHTE_ INTERNATIONALER KONGRESS FÜR WOHL¬ FAHRTS-PFLEGE UND SOZIALPOLITIK IN PARIS Vom 8. Juli bis 13. Juli dieses Jahres fand in Paris ein Internationaler Wohlfahrtskongreß statt, bei dem der Heichsaussehuß durch den Unterzeichneten vertreten war. Dem Kongreß gingen der Internationale Kinderschutzkongreß und ein Wohnungsbaukongreß voraus. Der Kongreß stellte einen der besonders in der Nachkriegszeit populär gewordenen Massenkongresse dar, der mit seinen nahezu 4000 Teilnehmern aus allen Teilen der Welt mit zu den größten dieser Art gehört. In der Größe dieser Kongresse liegt aber auch ihre Schwäche. Die Plenarveranstaltungen tragen mehr oder weniger rein repräsentativen Charakter, die Möglichkeit einer Diskussion im Plenum ist nicht gegeben, es besteht nicht einmal die Absicht, Beschlüsse durch das Plenum fassen zu lassen. Fügt man noch hinzu, daß die Referate zum größten Teil bereits vor der Tagung gedruckt vorlagen, so versteht es sich von selbst, daß das Schwergewicht der Arbeit sich auf die verschiedenen Kommissionen verteilte, die aber wiederum alle zu gleicher Zeit stattfanden. Für den Beichsausschuß beanspruchten die Fragen der Ausbildung der Sozialarbeiter besonderes Interesse, die in der zweiten Sektion des Kongresses behandelt wurden. Hier wurden zunächst die Erfahrungen der einzelnen Länder bei der Berufsausbildung ausgetauscht, wobei eine ganze Reihe interessanter Probleme zur Erörterung kamen. Von England wurde z. B. die Ausbildung des Sozialarbeiters durch die Universitäten verlangt, während die anderen Länder, insbesondere Deutschland, die Ausbildung in Sonderbildungsstätten vornehmen. Einer ausführlichen Erörterung wurde auch das Problem der Verbindung zwischen Theorie und Praxis während der Ausbildungszeit unterzogen. Hier wurde dem deutschen System, theoretische und praktische Ausbildung zu gleicher Zeit stattfinden zu lassen, der Vorzug gegeben, wenn auch eingeräumt werden mußte, daß besonders an solchen Stätten, an denen keine gute praktische Wohlfahrtsarbeit besteht, der Durchführung dieses Prinzips erhebliche Schwierigkeiten entgegenstehen. Interessant war auch, daß z. B. an einzelnen Schulen der Schweiz nur Praktiker der Wohlfahrtspflege den Unterricht erteilen. Die letzte Sitzung der Sektion war der Frage der gemeinsamen Ausbildung von Männern und Frauen gewidmet. Fs kam hier nur zu einer Aufzählung der Argumente für und gegen die gemeinsame Ausbildung, ohne daß auch hier ein einheitlicher Standpunkt erzielt wurde. Das Referat von Gertrud Bäumer über den Anteil der verschiedenen Wissenschaften an der Ausbildung des Sozialarbeiters, das im Plenum der Konferenz unter großer allgemeiner Aufmerksamkeit gehalten worden ist, beansprucht auch unser volles Interesse. Las Aeußere der Konferenz war besonders schön, Paris gab den Rahmen, eine Eeihe von Empfängen bei den offiziellen französischen Persönlichkeiten trugen zur Ausfüllung dieses Eahmens bei. Endlich sei noch eine Zusammenkunft der jüdischen Sozialarbeiter aus allen Teilen der Welt hervorgehoben, auf der die Einleitung von Vorarbeiten für einen internationalen Zusammenschluß der jüdischen Sozialarbeiter einstimmig beschlossen wurde. Georg Lubinski. WELTJUGENDKONGRESS IN HOLLAND Vom 17. bis 26. August fand in dem Camp Korde bei Ommen in Holland der 1. Welt jugendkongreß statt. Aus 31 Ländern waren 450 Delegierte und Pressevertreter anwesend. Diese Tagung sollte die friedensbereite Ju- L-/o Sacck. :tv*5i^v^ L'gAS^-?olooS^^

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