Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 1 (1927-1928). Bestand LBI
- Issue
- 4 (1.5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände MUSIKABEND _ Unter den vielen von der Freien jüdischen Volkshochschule Berlin gegebenen Veranstaltungen, verdient ein Musikvortragsabend Hervorhebung, den Frau Alice Jacob- Loewenson am 13. Februar hielt. 'Die Künstlerin verstand es, mit wenigen sachlichen Worten, die gegenwärtige Situation der neujüdischen Musik darzulegen. Es ist kein Zweifel, daß^ hier dieselbe Unsicherheit im Tasten nach dem neuen Stil, die der gesamten modernen Musik heute noch anhaftet, das Bild beherrscht. Lieder von Sternberg beweisen, daß auch der reine Sologesang sich Geltung zu schaffen vermag, wenn ein Künstler, wie Leo Riasanzew, sie mit soviel Verständnis vorträgt. Auch viele der von Frau Rahel Kaufmann vorgetragenen Lieder ließen doch ahnen, daß es eine neue Generation gibt, die auf dem rechten Wege ist. F. S. AUSSPRACHEABEND ÜBER PAZIFISMUS Am 17. April veranstaltete der Reichsausschuß in Berlin einen Ausspracheabend über den Pazifismus, an dem etwa 70 Teilnehmer anwesend waren. Der Ausspracheabend wurde eingeleitet durch eine kurze Einführung von Frl. Gertrud Baer, der Geschäftsführerin des deutschen Zweiges der Frauenliga für Frieden und Freiheit. Die Referentin setzte dem Pazifismus der europäischen Minister den Pazifismus der völligen Gewaltlosigkeit gegenüber, der sich nicht so sehr auf jederzeit widerrufliche Staatsverträge, sondern auf eine innere Wandlung des Menschen verläßt. Das Prinzip der Gewaltlosigkeit, mit dem jeder einzelne bei sich zu beginnen hat. müßte insbesondere angewendet werden in unserer Erziehung und auch in dem staatlichen Strafvollzug. Das Gesetz dürfte nach Ansicht der Referentin nicht unveränderliche, fest normierte Gebote enthalten, sondern es müßte frei veränderlich ohne Gewalt sich durchsetzen. Die Aussprache im Anschluß an dieses Referat hob dieser Forderung gegenüber insbesondere die Schwierigkeit hervor, die darin besteht, daß eine wirkliche Friedensgesellschaft nur in einer sozialistischen Gesellschaft möglich wäre, daß aber die sozialistische Gesellschaft nur durch einen Kampf der Klassen, der unter Umständen auch ein bewaffneter Kampf sein müßte, herbeigeführt werden könnte. Von anderer Seite wurde darauf hingewiesen, daß das jüdische Gesetz sich in vielen Beziehungen mit den Forderungen des radikalen Pazifismus decke. Der Abend, der sehr viele Fragen angeregt hatte, schloß ohne eigentliches Ergebnis. Es soll der Versuch gemacht werden, einige der angerührten Fragen in besonderen Arbeitsgruppen weiter zu verfolgen. SEESEN_ Das Erholungsheim des Reichsausschusses in Seesen wird Anfang Mai eröffnet werden Der tägliche Verpflegungspreis beträgt für in der Ausbildung stehende 2,— RM., sonst 2,50 RM. Wir haben insbesondere für die Monate Mai, Juni, August, September noch Plätze frei. Anmeldungen sind unter Beifügung eines ärztlichen Attestes über Freisein von ansteckenden Krankheiten an die Geschäftsstelle des Reichsausschusses zu richten. FAHR PREISERMÄSSIGUNG_ Der Reichsausschuß hat sich vor mehreren Wochen an den Herrn Reichsminister des Innern um Sonderanerkennung des Reichsausschusses und der ihm angeschlossenen Verbände für die Zwecke der Fahrpreisermäßigung gewandt. Dieser Schritt wurde notwendig, weil diejenigen Reichsjugendbünde, die dem Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände nicht angehören können, in diesem Jahre die Vergünstigung der Fahrpreisermäßigung nicht erhalten konnten, Das Reichsministerium des Innern hat darauf eine n Fragebogen betreffend Sonderanerkennung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände als zur Fahrpreisermäßigung berechtigte Organisation herausgegeben. Die Fragebogen werden dem Reichsministerium des Innern in kurzer Zeit zugeleitet werden, worauf dann möglichst bald eine Entscheidung getroffen werden wird. Bei dieser Gelegenheit machen wir darauf aufmerksam, daß Anträge auf Fahrpreisermäßigung für Pfingstfahrten schon 8 Tage vor Pfingsten eingereicht werden müssen. Diese Bestimmung gilt nicht für den Berliner Vorortverkehr. JUGEND- UND GEMEINDEHEIME_ Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat in Gemeinschaft mit dem Jüdischen Frauenbund und dem Reichsausschuß eine Aktion zur Schaffung von jüdischen Jugend- und Gemeindeheimen eingeleitet. Die Aktion soll insbesondere durch die Herausgabe einer Denkschrift gefördert werden, an der auch der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, der sich schon lange für diese Frage interessiert, beteiligt sein soll. In diesem Zusammenhang weisen wir auf den in Nr. 5 der Zeitschrift „Der Jugendbund" (Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands] erschienenen Aufsatz „Das jüdische Jugendheim" von Rabb. Dr. Hugo Hahn, Essen, hin. BUNDESTAG DES ZEIRE-MISRACHI Der erste Bundestag des deutschen Zeire Misrachi fand am 25. und 26. Dezember in Leipzig statt und war von ca. 150 Delegierten und Gästen besucht. Die Referate und die Aussprachen behandelten unsere Aufgaben als zionistisch-gesetzestreuer Bund, die Arbeit des Hapoel Hamisrachi in Erez Israel und die Chaluzbewegung. Die Stellung des Zeire Misrachi zum Misrachi wurde auch erörtert, und es herrschte Einigkeit, daß kein ideologischer, sondern nur ein Unterschied in der Intensität der Arbeit bestände, da der Zeire Misrachi von seinen Mitgliedern Einsatz der ganzen Person für seine Ideen verlange. Als Resultat der Aussprache wurde eine Verfassung angenommen, deren programmatischer Satz lautet: „Der Zeire Misrachi in Deutschland ist die auf dem Prinzip „Tora wa Awoda" aufgebaute Organisation im deutschen Misrachi, deren Menschen entschlossen sind, ihre ganze Persönlichkeit für den Aufbau Palästinas im Geiste der Tradition einzusetzen und sich zu Trägern des gesetzestreuen zionistischen Ideals heranzubilden. Er ist dem Brith Olamith schel Zeire-, Hechaluz- und Hapoel Hamisrachi angeschlossen." Ferner wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die besagt, daß alle Auffassungen über jüdische Fragen im Zeire Misrachi Platz haben, soweit ihre Vertreter die Verfassung des Zeire Misrachi anerkennen, und daß diese, wenn sie Führerqualitäten besitzen, geeignet sind, Führerposten im Zeire Misrachi zu bekleiden. P. S. DELEGIERTENTAGUNG DES VERBANDES DER JÜDISCH. JUGENDVEREINE DEUTSCH LANDS IN DRESDEN, PFINGSTEN 1928 Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands hält zu Pfingsten in Dresden seine Delegiertentagung mit dem Motto: „Unser Weg in die Wirklichkeit", ab. An einzelnen Themen sind festgesetzt: die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit, ferner „unser Weg": a) die Arbeit in den Bünden, b) die Arbeit der Jugend in der Gemeinde; endlich ein Referat über jüdische Jugend im Weltjugendverband. SCHULE DER JUGENDBEWEGUNG Im Anschluß an das Referat von Dr. Joachim Prinz in der Freien jüdischen Volkshochschule Berlin über „Bildungsarbeit in der Jugendbewegung", das in dem Vorschlag der Schaffung einer Schule der Jugendbeweguno gipfelte, ist nunmehr ein Plan für die Durchführung dieses Vorschlages ausgearbeitet worden. Wir geben diesen Plan nachstehend wieder und bemerken dabei, daß es sich hierbei nicht um ein Arbeitsgebiet des Reichsausschusses handelt, da dieser prinzipiell kulturelle Arbeit aus se'nem Aufgabenbereich ausgeschieden hat.