Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 1 (1927-1928). Bestand LBI
- Issue
- 3 (15.2.1928)
- Date
- 1928-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugend verbände ring aussprach. In einer kurzen Rede ging Georg Lubinski auf die Bedeutung des Zusammenschlusses und dessen Aufgaben ein. Daran schloß sich ein Sprechchor der Kameraden und eine Rezitation eines längeren Gedichtes. Hierauf sangen Kadimah und J.J.W.B, hebräische Lieder, danach spielte das Fahrtenorchester der Kameraden, das reichen Beifall erntete. Zum Schluß sangen alle Bünde gemeinsam das Lied: „Wenn wir schreiten Seit an Seit", worauf sich die Züge auf der Straße wieder zum Rückmarsch formierten. Am Abend fand in dem Vorführungsraum der Ausstellung „Das junge Deutschland" die Vorführung des Benschemenfilms in Anwesenheit einiger Vertreter der Ausstellungsleitung statt. Die Gründlingsaktion wurde eingeleitet durch die neue Ausstellung der jüdischen Jugendverbände auf der Ausstellung „Das junge Deutschland". Die Ausstellung ist von Schülern des Bauhauses in Dessau und von dem Leipziger Maler Einschlag völlig neu gemacht worden Der Leipziger Jugendring hat eine Anzahl von Zahlen über die Verhältnisse der Leipziger jüdischen Jugend gesammelt, die, wenn sie auch nur Anfänge in der statistischen Erfassung darstellen, doch interessant sind und daher hier wiedergegeben werden sollen. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Leipzig beträgt 14 000. Die Zahl der Jugendlichen von 14 bis 21 Jahren beträgt 4000, von diesen sind in den einzelnen Verbänden 1277, also 32%, organisiert. Die Zahl der organisierten Knaben ist 911 (70%) und der Mädchen 366 (30%). Jugendliche unter 14 Jahren sind von 1200 in der Gesamtzahl 314 (26%) organisiert. Interessant ist die Verteilung der einzelnen Berufe: Schüler.............49% Studenten............3% Freie Berufe........... 6% Kaufmännische Lehrlinge und Angestellte 35% Handwerker........... 7% Die Vorarbeiten sowohl für die Ausstellung als auch für die Schaffung des Jugendringes wurden in vorbildlicher Weise von Philipp Hojda (Hechaluz) geleistet. HAMBURG Die Vorarbeiten, die schon längere Zeit hindurch zur Gründung eines Hamburger Landesausschusses der jüdischenJugendverbände geführt worden waren, sind nunmehr zu einem Abschlüsse gekommen. Am 8. Januar kamen die Vertreter sämtlicher Hamburger Jugendorganisationen zusammen, um die Gründung des Landesausschusses zu beschließen. Noch auf der Gründungsversammlung war eine erhebliche Reihe von inneren Widerständen zu überwinden. Selten hat sich die Notwendigkeit eines Zusammenkommens so stark gezeigt wie in Hamburg, wo eine besonders starke Atmosphäre von Mißtrauen zwischen den Bünden vorhanden war. In der Gründungsversamlung konnte noch keine Einstimmigkeit über die in Angriff zu nehmenden Arbeiten erreicht werden. Inzwischen hat sich aber auf die Initiative des Hamburger Landesausschusses die Deutsch- Israelitische Gemeinde bereit erklärt, in ihre Kommission für Jugendpflege eine starke Vertretung des Landesausschusses aufzunehmen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Landesausschuß wird durch die Vorsitzende des Landesausschusses Frau Dr. R. Zadik gewährleistet werden. BRESLAU Wir veranstalteten einen Kursus „Einführung in die soziale Arbeit", den Herr Glaser, Direktor des Jüdischen Wohlfahrtsamtes, leitete und an dem etwa 20 Mitglieder verschiedener Jugendverbände teilnahmen. Im einzelnen fanden Vorlesungen über die verschiedenen Gebiete und Fragen der allgemeinen und jüdischen Wohlfahrtspflege statt, an die sich z. T. rege Diskussionen anschlössen. Es ist zu hoffen, daß die Anregungen des Kursus bei einigen Teilnehmern auch zu prakticher sozialer Mitarbeit führen werden, und wir beabsichtigen schon jetzt die Vorbereitung eines neuen Kurses für den kommenden Herbst. Unsere Tätigkeit wirkte sich auch in der auf unseren Vorschlag erfolgten Cooptation einiger Mitglieder von Jugendverbänden in die Ausschüsse des Wohlfahrtsamtes aus, wodurch auch an dieser Stelle eine aktivere Mitarbeit der Jugend angebahnt ist. Als den ersten einer geplanten Reihe von Aussprache- Abenden veranstalteten wir Ende Januar einen Vortrag von Frau Gerda Arlosoroff-Jerusalem über Sozialismus im Occident und Orient". Sie setzte für „Occident" in ihrem Vortrag „Europa" und für „Orient" „Palästina" und stellte als Träger des europäischen Sozialismus den für Hebung seiner Klassenlage kämpfenden Proletarier hin, während der Typ des palästinensisch-jüdischen Sozialisten der „Weltverbesserer" sei, der auf sein persönliches Wohl verzichtet habe, um für Schaffung einerneuen besseren Gesellschaft sein Leben hinzugeben. Aus der anfänglich sehr zögernd einsetzenden Aussprache sind besonders bemerkenwert die Ausführungen von Herrn M. Vogelstein, der die Frage stellte, wie man die Masse der deutschen Juden aus ihrer menschlichen und jüdischen Stumpfheit reißen könne. Der palästinensische Sozialismus, bzw. der Zionismus könne die Frage wohl für einen Teil lösen, was auch er als Nichtzionist anerkenne; was aber geschehe mit dem die Mehrheit bildenden Rest, der durch Orthodoxie ebenso wenig wie durch Reform aus seiner Stumpfheit zu reißen sei? — Man gelangte naturgemäß im Verlaufe der knappen Zeit eines Abends zu keiner völligen Klärung. Wir wollen derartige Veranstaltungen, die die gesamte jüdische Jugend aus allen Lagern zusammenbringen, fortsetzen und werden vielleicht Gelegenheit zur Weiterführung dieser Aussprache haben. T. E. VORLESUNGSREIHE ÜBER JUGENDBEWEGUNG BN DER FREIEN JÜD. VOLKSHOCHSCHULE IN BERLIN Auf die Initiative des Landesausschusses Berlin der jüdischen Jugendverbände veranstaltet die Freie jüdische Volkshochschule Berlin eine Vorlesungsreihe über die jüdische Jugendbewegung. Sowohl die Auswahl der Themen als auch die Auswahl der Referenten geschah unter wesentlicher Einflußnahme des Landesausschusses. Die Vorlesungsreihe besteht aus 6 Vorträgen mit 6 verschiedenen Referenten. Die Beteiligung von Seiten der Jugendbünde ist äußerst rege: man kann mit einer Durchschnittszahl von 100 Hörern rechnen. Da die behandelten Themen von allgemeinem Interesse für die Jugendbewegung sind, sollen hier einige Leit-( gedanken auszugsweise wiedergegeben werden. Am ersten Abend sprach Georg Lubinski über „Die besonderen Erziehungsformen der Jugendbewegung". Er ging von der psychologischen Struktur des Jugendlichen aus. Diese besteht, vom biologischen her gesehen, in seiner Ergänzungsbedürftigkeit. Der Jugendliche, der in das Pubertätsalter hineintritt, ist sich nicht mehr genug, in ihm entsteht eine Unruhe, die sich in dem Suchen nach anderen Menschen manifestiert. Das Zeitalter der Jugend ist aber auch gleichzeitig das Zeitalter der Wertschöpferischkeit. Alle Ideale, die für das spätere Leben des Einzelnen Richtung geben können, werden im Zeitalter der Pubertät konzipiert. Vom Standpunkt der Fortexistenz der jüdischen Gesellschaft kommt es daher darauf an, daß möglichst viele Menschen im Zeitpunkt ihres Jugendalters den Gesamtbezug mit der jüdischen Gesellschaft vollziehen. Die Augenblicke, in denen der Jude sich zur jüdischen Gesamtheit zugehörig fühlt und dieses Gefühl positiv wertet, sind selten: durch das Zusammensein im jüdischen Jugendkreise erlebt der Jugendliche zum ersten Male ein jüdisch wertvolles Verbundenheitsgefühl mit der Gesamtheit. Die Jugendbewegung hat einerseits eine Reihe von Forderungen der modernen Pädagogik bei sich intuitiv verwirklicht: die Gemeinschaftserziehung und die Erlebnispädagogik sind wichtigste Errungenschaften gerade der Erziehung der Jugendbewegung. Andererseits verkennt die Jugendbewegung sehr häufig die psychologische und pädagogische Situation des Einzelnen, Erst diese Lea Qtxe t^ t^ST<HvV<t. L%\Z>€~ - loiööSS^