Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 1 (1927-1928). Bestand LBI
- Issue
- 3 (15.2.1928)
- Date
- 1928-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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giorr MITTEILUNGEN « REICHSAUSSCHUSSES DER JUDISCHEN JUGENDVERBÄNDE HHjgBMlIfiSH^ GESCHÄFTSSTELLE: BERLIN IM NACHDRUCK MIT QUELLENANGABE ERWÜNSCHT 24, ORANIENBURGER STR. 69 UND GESTATTET / VERANTWORTL, FÜR DIE / FERNSPR.: NORDEN 12745-46 SCHRIFTLEITUNG: DR. GEORG LUBINSKI, BERLIN NUMMER 3 BERLIN, 15. FE BRUAR 1928 Es sind jetzt mehr als zwei Monate seit dem Erscheinen der letzten Nummer der „Mitteilungen" vergangen. Es waren Monate, die gerade für die Arbeit des Reichsausschusses voll zu nutzen waren, denn, wie alle Jugendarbeit, hat auch die Arbeit des Reichsausschusses gerade im Winter ihre besten Entfaltungsmöglichkeiten. Aeußerlich ist die Arbeit des Reichsausschusses durch die endgültige Konstituierung der Ortsausschüsse Hamburg und Leipzig weitergekommen, über die an anderer Stelle berichtet wird. Gerade die Arbeit der Ortsausschüsse zeigt, daß es hier nicht möglich ist, die in einer Stadt ausgebildeten Formen ohne weiteres in eine andere zu übertragen. Die jüdische Jugend der einzelnen Großstädte lebt in teilweise von einander abweichenden Bedingungen, die gerade bei dem Versuche des Zusammenschlusses hervortreten und jedesmal voneinander abweichende Organisationsformen entstehen lassen. In Leipzig ist der Zusammenschluß zum ersten Male von Anfang an nicht nur eine Angelegenheit der Vertreter geblieben, sondern an ihm haben sich die Jugendlichen selbst in der schönen Kundgebung am 29. Jan. beteiligt. Die Feststellung, die wir schon in der letzten Nummer der „Mitteilungen" treffen konnten, hat sich bestätigt, daß das Gebiet der sozialen Arbeit der Jugendbewegung immer nur sehr zögernd betreten wird, daß dagegen eine Reihe anderer, anfangs nicht gesehener Gemeinsamkeiten hervortritt, die den Zusammenschluß fest und tragfähig machen. Es soll nicht verschwiegen werden, daß sich gewisse Schwierigkeiten daraus ergeben haben, daß besonders vorwärts drängende Kräfte auch das Gebiet der kulturellen Arbeit in den Arbeitsbereich des Reichsausschusses einbeziehen wollten. Zweifellos liegt in der Gemeinsamkeit einer kulturellen Arbeit, in der Möglichkeit, die grundlegenden Fragen des Judentums gemeinsam zu besprechen, ein wichtiger Grund für den Zusammenschluß der jüdischen Jugend. Andererseits muß aber anerkannt werden, daß es besonders für die religiös orthodoxen Gruppen des R.A. eine unüberwindliche Schwierigkeit bedeuten würde, wollte man auch die kulturelle Arbeit zum Arbeitsgebiet des R.A. erklären. In dieser Frage können wir nur durch eine auf dem Willen zur Gemeinsamkeit beruhende Praxis weiterkommen. Die Begriffe „kulturelle Arbeit" oder „gemeinsame geistige Arbeit" sind so vieldeutig, daß man sie nicht ohne Schaden für die Sache zur Grundlage für Abgrenzungen machen kann. Man wird sich vielmehr bei jedem einzelnen neu zu bearbeitenden Gebiete darüber schlüssig werden müssen, ob dieses Gebiet von der Gesamtheit beschritten werden kann oder ob sich einzelne Glieder des Ganzen vereinigen, um gerade dieses Gebiet im engeren Kreise zu pflegen. Wir haben gewisse Anzeichen dafür, daß der Zusammenschluß, der niemals die prinzipiellen Unterschiede verwischen soll, auch nach außen hin, über den Kreis der Jugend hinaus, zu wirken beginnt. Wir wollen uns dieser Wirkungsmöglichkeit auf die jüdische Gesamtheit nicht begeben. SEESEN __ Zur Leitung des Jugenderholungsheimes in Seesen ist Frl. Anna R o m m gewonnen worden. Das Heim wird schon am 15. April eröffnet werden, jedoch steht es noch nicht fest, ob es auch schon von dieser Zeit ab vom Reichsausschuß belegt werden wird. Fest steht, daß w.r das Heim in den Sommermonaten wahrscheinlich ab Juni benutzen werden. Es empfiehlt sich daher, schon jetzt Anmeldungen an uns zu richten, damit wir einen Ueberblick über das vorhandene Bedürfnis gewinnen. Der Verpflegungspreis wird für Jugendliche, die in der Ausbildung stehen, 2, —Mark, für solche, die berufstätig sind, 2,50 M. voraussichtlich betragen. Es wird jetzt noch eine Köchin gesucht. Hierfür würden wir sehr gern jemanden aus der orthodoxen Jugendbewegung wünschen. Meldungen sind an den Reichsausschuß zu richten. AUS DER ARBEIT DER LANDES- UND QRT5- AUSSCHÜSSE DES REICHSAUSSCHUSSES LEIPZIG Am 28. und 29. Januar wurde der jüdische Jugendring in Leipzig gegründet. Die Gründer wollten schon durch den Namen zum Ausdruck bringen, daß hier nicht nur eine Vertreterversammlung geschaffen werden sollte, sondern daß unter Aufrechterhaltung aller Verschiedenheit die jüdische Jugend Leipzigs auf bestimmten Gebieten zu einem Ring, d. h. zu einem einheitlichen Ganzen vereinigt werden sollte. Dieser Wille kam bei allen Veranstaltungen, die vom Jugendring ausgingen, klar und deutlich zum Ausdruck. Bei allen Kundgebungen waren immer die einzelnen Mitglieder der Bünde beteiligt. Wir glauben, daß diese lebendigere Auffassung vom Zusammenschluß der jüdischen Jugend Leipzigs beispielgebend auch für die Jugend der anderen Städte sein sollte. Die eigentliche Gründung des Jugendringes begann mit einem jüdischen Dichterabend, den am Sonnabend, den 28. Januar, Ludwig Hardt gab. Einladende waren die jüdischen Jugendvereine Leipzigs, die auch als Einberufer auf den Einladungsplakaten an den Anschlagsäulen fungierten. Am Sonntag, vormittag um 'All Uhr trafen sich sämtliche jüdische Jugendbünde Leipzigs in der Nähe des Gemeindehauses in der Keilstraße. Es waren vertreten: Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft, Esra, Jung-Jüdischer Wanderbund, Kadimah und Kameraden. Alle Jugendlichen waren in Kluft, jeder Bund in einer besonderen. Kurz nach 'All Uhr formierten sich die Bünde zu einem langen Zug, der 300 Jugendliche zählte, die dann mit ihren Wimpeln durch die Straßen von Leipzig zum Versammlungshause zogen. An die Vorübergehenden wurden Flugzettel verteilt, die zum Besuch der jüdischen Kundgebung einluden. Um 11 Uhr fand dann die Kundgebung in einem der größten Säle Leipzigs statt. Es waren einschließlich der Jugendlichen etwa 700—800 Menschen anwesend. Die Kundgebung selbst hinterließ einen ausgezeichneten Eindruck. Sie war erfüllt von dem frischen Leben, das durch die 300 Jugendlichen mitgebracht wurde. Die Veranstaltung begann mit dem gemeinsamen Gesang von Liedern, daran schloß sich ein hebräischer Chorgesang. Darauf folgte eine Ansprache von Guggenheim (Kadimah), der die Ziele des Jugendringes darlegte. Sodann begrüßten die Zionistische Vereinigung Leipzigs und der Centraiverein, Es wurden lei ner Begrüßungsschreiben verlesen von den zurzeit von Leipzig abwesenden Gemeinderabbinern Goldmann und Cohn. Für die Orthodoxen sprach recht wirkungsvoll Rabbiner Carlebach, der sich sehr positiv für den Jugend-