Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1927-12-01 · 2 (1.12.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
1 (1927-1928). Bestand LBI
Issue
2 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9215017-9607248-9593178--007-9593181
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände Einrichtung eines Lehrlingsheimes für kaufmännische Lehrlinge und bei der Einrichtung eines Heimes zur Unterbringung erwerbstätiger Jugendlicher in der Nähe von Köln für den nächsten Sommer. Die Verhandlungen in Köln werden fortgesetzt, mit der Konstituierung de« Ortsausschusses ist in Kürze zu rechnen. HAMBURG Die Verhandlungen zwischen der jüdischen Jugend Hamburgs und dem Jugendamt der Gemeinde zur Schaffung eines Ortsausschusses sind aussichtsreich und werden auch schon in der nächsten Zeit einen Abschluß finden. SACHSEIM Die Bildung eines Landesausschusses de:' jüdischen Jugendverbände ist seit längerer Zeit in Vorbereitung. * Auf dem Bundestag des Aelteren Bundes der Kameraden, der vom 26. bis 29. Mai ds. Js. in D e s s a u stattfand, wurde bei der Eiürterung praktischer Arbeitsmöglichkeiten für die Mitglieder des Aelteren Bundes besonderes Gewicht gelegt auf die Mitarbeit auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege. Lubinski hielt darüber ein kurzes Referat, das insbesondere dem Nachweis praktischer Arbeitsmöglichkeiten diente. W E LT KONFERENZ DES ARBEITSKREISES FÜR ERNEUERUNG DER ERZIEHUNG Die Konferenz, die vom 3.—16. August in Locarno stattfand, darf auch das Interesse des R.A. beanspruchen. Aus 40 Staaten waren Männer und Frauen zusammengekommen, um über den Sinn der „Freiheit in der Erziehung" Meinungen und Erfahrung auszutauschen. Das Wertvollste waren wohl nicht die theoretischen Vorträge, wertvoller waren Arbeitsgemeinschaften, in denen die einzelnen Nationen von ihrer Arbeit berichteten (z. B. über Koedukation, Versuchsschulen, künstlerische Erziehung . . .) oder Ausstellungen von Kinderarbeiten (wobei z. B. die Leistungen der jüdisch-polnischen Schulen ganz besonderen Eindruck machten). Das Wertvollste aber war, daß hier nicht nur über die Jugend geredet wurde, sondern daß viel arbeitsfrohe Jugend da war und daß sie mit dem Geiste, der dort herrschte, wohl zufrieden sein konnte. Die Art, wie die Tagung organisiert war, wie man seine Freistunden füllte, ließ den Lebensstil, den die neue Jugend erstrebt, zutage treten. Vielleicht war darum das Größte, was sie brachte, die Aufnahme des Bakule-Chores, eines Kinderchores, der allen Teilnehmern wundervolle Stunden schuf und zugleich lebendes Zeugnis dafür war, wie in seelisch oder körperlich gehemmten Kindern bei wahrer Erziehung Kräfte gehoben werden können, mit denen sie Menschen beglücken. Betty Markus - Berlin. SEESEN__________ Das Jugendheim Seesen ist bekanntlich am 12. Juli eröffnet und am 24. Juli feierlich eingeweiht worden. Ueber die Einweihung braucht nichts mehr gesagt zu werden, nachdem auch hierüber die jüdische Presse sehr ausführlich berichtet hat. Das Heim ist leider nur bis Mitte September in Betrieb gewesen. Das liegt einmal daran, daß es wegen der späten Räumung erst im Juli eröffnet werden konnte, das andere Mal daran, daß die Frage der Heimleitung in diesem Jahr noch nicht befriedigend gelöst gewesen ist. Wir müssen bei aller Kritik gegen uns selbst feststellen, daß die Schwierigkeiten, die wir in diesem Jahre in Seesen gehabt haben, fast ausschließlich Schwierigkeiten in der Leitung gewesen sind. Vom medizinischen Standpunkt aus wurden sehr gute Erfolge beobachtet. Die Gewichtszunahmen, die im Heim erzielt worden sind, waren durchweg sehr günstige, auch die Beziehung der einzelnen Jugendlichen zum Heim und untereinander war eine durchaus schöne. Der in Berlin halb scherzhaft, halb ernsthaft zusammenkommende „Verein der ehemaligen Seesener" ist ein Beweis dafür. Es soll gar nicht geleugnet werden, daß besonders im Anfang Differenzen zwischen den orthodoxen und liberalen Heiminsassen gewesen sind, aber diese Differenzen hatten immer einen Zug ins Weltanschauliche und wurden der Anlaß zu manch einem ernsthaften Gespräch über Fragen, die eben sonst niemals gemeinsam von den Vertretern der beiden Richtungen geführt worden wären. Für die Arbeit des nächsten Jahres und vielleicht schon dieses Winters wird alles darauf ankommen, die richtigen Personen zur wirtschaftlichen Leitung des Heimes zu finden. Besonders schön wäre es, wenn sich diese Personen aus den Kreisen der dem R.A. angeschlossenen Bünde finden würden. Ueber die künftige Benutzung ist folgendes zu sagen: Das Heim wird wahrscheinlich Ende Dezember einem oder mehreren der dem R A. angeschlossenen Bünde auf deren Wunsch zu Tagungen zur Verfügung stehen. Es wird etwa am 15. 4. dann wieder voll in Betrieb genommen werden, wahrscheinlich mit einer Vermehrung der Bettenzahl um etwa 17 auf 50. Der Verpflegungspreis ist einstweilen mit 2,— RM. für die Jugendlichen, die in der Ausbildung stehen, und 2,50 RM. für solche, die ein regelmäßiges Arbeitseinkommen haben, festgesetzt. DAS JUNGE DEUTSCHLAND Die Ausstellungsleitung des jungen Deutschland legt einen Führer durch die Ausstellung vor, der 56 Seiten Text enthält und pro Exemplar 1,— RM., bei Abnahme von mindestens 10 Exemplaren (Bestellung durch uns) 70 Pfg. kostet. Der Führer ist deshalb wertvoll, weil er einmal denjenigen, die die Ausstellung nicht sehen konnten, ein recht gutes Bild von ihr vermittelt, andererseits und vor allem aber das wichtigste statistische Material, das in der Aussellung verwertet wurde, wiedergibt. Wir geben nachstehend einige Zahlen aus diesem Führer: „Die Zahl der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren beträgt in Deutschland etwa 5,24 Millionen, die Zahl der Jugendlichen zwischen 18 und 21 Jahren beträgt etwa 3,86 Millionen. Die Gesamtzahl der Jugendlichen beträgt etwa 9,10 Millionen." Von etwa 9,1 Millionen Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren in Deutschland gehören 3,6 Millionen 40% Jugendverbänden an, die dem Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände nach seiner Erhebung im Frühjahr 1927 angeschlossen sind. Von etwa 4,6 Millionen männlichen Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren gehören rund 2,45 Millionen 54% Jugendverbänden des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände an. Von etwa 4,5 Millionen weiblichen Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren gehören rund 1,15 Millionen — 26% Jugendverbänden an. „Von 107 201 befragten Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren aus Groß-, Mittel- und Kleinstädten aller Länder Deutschlands hatten k e i n en jährlichen Urlaub 23,1%." Deshalb sind die Forderungen, die von allen Gruppen der deutschen Jugendbewegung, ganz gleich, zu welcher politischen Richtung sie gehören, aufgestellt sind, von großer Bedeutung: Freizeit ist not, übermäßige Arbeit Jugendlicher schädigt ihre Gesundheit, gefährdet Deutschlands künftige Volkskraft. Jugend bedarf der Muße, um zu reifen an Leib, Seele und Geist. Gebt der erwerbstätigen Jugend eine ihren Kräften angemessene Arbeitszeit von höchstens 48 Stunden und gewährt ihr einen jährlichen Urlaub von 3 Wochen für 14- bis 16 jährige und von 2 Wochen für 16- bis 18 jährige.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.