Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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und guter Qualität zu rechnen. Für ganz besonders gut gelegene Grundstücke werden auch weit höhere Preise gezahlt. Auch bei Kauf aus Privathand können vom Staate Darlehen und Beihilfen erwirkt werden. Die Optionsverträge sind in solchen Fällen dem Ackerbau- Minister vorher zur Genehmigung vorzulegen. Auch hier kann der Kaufpreis 20 Jahre gestundet werden, bei Ratenzahlungen vom dritten Jahre ab. Als Normalgröße der Farm werden bei gemischter Wirtschaft etwa 2000 acres angesehen, wobei etwa 200—300 acres für Ackerbau geeignet sind. Für reine Viehzuchtbetriebe braucht man 10 000—20 000 acres. Das für eine Farm von 2000 acres nötige Kapital wird in einer neueren Schätzung für einen unverheirateten Mann auf 2100 bis 2200 £, für einen Verheirateten infolge der notwendigen größeren Baulichkeiten und der höheren Lebenshaltungskosten für die Anlaufszeit auf etwa 1000 £ mehr veranschlagt. Von den 2100 bis 2200 £ kommen nach dieser Schätzung etwa 600 auf Grund und Boden, während der Rest im wesentlichen für lebendes und totes Inventar, Arbeitslöhne, Dünger, Saat usw. entfällt; die Ausgaben für diese Anlagen verteilen sich etwa über 2 Jahre. Es wird von allen Seiten empfohlen, daß der künftige Siedler eine Lehrzeit von ein bis zwei Jahren bei einem in Süd- Rhodesien länger ansässigen Farmer durchmacht, um die besonderen Bedingungen des Landes an Ort und Stelle gründlich kennenzulernen. Es besteht eine landwirtschaftliche Sehlde. Die jüdischen Gemeinden in Süd-Rhodesien sind dabei, eine kleine jüdische landwirtschaftliche Siedlung in der Nähe von Bulawayo zu begründen. Wie bereits oben gesagt, sind die Eingeborenen willige und anstellige Arbeiter. Da es in Afrika nicht üblich und aus klimatischen Gründen häufig auch nicht möglich ist, daß Weiße schwere körperliche Arbeiten verrichten, ist man auch in der Landwirtschaft auf die Hilfe der Schwarzen angewiesen. Bisher haben sich keine Schwierigkeiten in der Beschaffung schwarzer Arbeiter ergeben. Die meisten Eingeborenen arbeiten auf Grund zeitlich begrenzter Kontrakte — üblicherweise 1 bis 6 Monate. Es ist auch üblich, Eingeborene auf den Farmen wohnen zu lassen, wobei sie sich verpflichten, gegen Bezahlung die notwendigen Arbeiten zu verrichten. In neuerer Zeit wird versucht, die Eingeborenen an ihre Arbeitsplätze zu fesseln, indem man ihnen 5 acres kultiviertes Land je Kopf zur Verfügung stellt, deren Eigentum sie erarbeiten können. Der Lohn für gewöhnliche Farmarbeiter beträgt zwischen 15 und 22 sh, besonders geschickte Farmarbeiter (Ochsentreiber) erhalten zwischen 2 £ 10 und 3 £ 10 im Monat. Dazu kommt für alle die Verpflegung, die etwa 7 sh 6 d im Monat kostet; die Arbeiter wohnen in Hütten, die sie sich selbst bauen. Die Umgangssprache des Weißen mit seinen schwarzen Arbeitern ist Kitchen Kaffir, ein Gemisch von Englisch und Eingeborenenworten. B. Bergbau und Industrie Der Reichtum Süd-Rhodesiens beruht im wesentlichen in seinen Mineralschätzen. Nahezu zwei Drittel des Wertes der Ausfuhr entfallen auf bergbauliche Erzeugnisse. Unter den geförderten Mineralien (Gold, Kohle, Chrom und Asbest) steht Gold an der ersten Stelle; Süd- Rhodesien nimmt als Goldproduzent die 6. Stelle in der Welt ein. Der Wert der Förderung betrug 1935 über 5 Millionen £. Die Zahl der Betriebe wird für 1936 mit 1756 angegeben, davon waren sehr viele Kleinbetriebe, wie überhaupt die rüd-rhodesische Bergbau-Gesetzgebung den Kleinbetrieb begünstigt. An zweiter Stelle steht, wenn man den Wert der Ausfuhr als Maßstab annimmt, der Asbest- Bergbau, der 1935 42 600 t förderte. Auch hier liegt ein großer Teil der Erzeugung bei Kleinbetrieben. Chromerz nimmt die 3. Stelle, Kohle und Koks (im Wankie-Distrikt) die 4. Stelle in der Ausfuhr mineralischer Erzeugnisse ein. Die Kohlenförderung betrug 1935 776 000 t, wovon etwa die Hälfte ausgeführt wurde. Außer den genannten Mineralien sind noch Lagerstätten vieler anderer Mineralien bekannt; von besonderer Bedeutung können nach sachverständigem Urteil in Zukunft die großen Eisenerzlager werden. Das Bergbauwesen wird auch durch Einrichtung von technischen Schulen, Anlage von Verkehrswegen, Wasserversorgung usw. von Regierungsseite gefördert. Die Industrie Süd-Rhodesiens beschränkt sich vor allem auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und auf die Herstellung einiger anderer Konsumgüter. Maschinen und alle anderen Investitionsgüter, ferner Textilien müssen eingeführt werden. Die älteste Industrie im Lande ist die Mühlenindustrie. An erster Stelle steht Maismehl, an zweiter Weizenmehl. Die Zentren der Mühlenindustrie sind Bulawayo, Salisbury und Gwelo. Die von Eingeborenen und Europäern angebauten Erdnüsse werden zur Gewinnung von Oel und Oelk u c h e n ausgenutzt, ferner zur Erzeugung von Seifen und Kerzen. Die Kerzenproduktion hat ihren besonderen Aufschwung durch den Kerzenbedarf der Minen erhalten. Es bestehen Kühlanlagen in Bulawayo. Kühl- und Gefrierfleisch wird nach der Südafrikanischen Union und dem überseeischen Ausland, insbesondere nach England, exportiert. Die Firma L i e b i g errichtete in West-Nicolson eine Fleischextrakt-Fabrik. Düngemittel werden im Lande produziert, trotzdem ist der Import von Düngemitteln, insbesondere von künstlichem Stickstoff, bedeutend. Fast der gesamte Kalkbedarf Süd-Rhodesiens wird jetzt im Lande produziert. Die größten Kalkwerke liegen in den Midlands. Eine der bestrentierenden Firmen des Landes ist das Zementwerk bei Bulawayo, das direkt an der Bahnlinie liegt. Dieses Werk versorgt den größten Teil der Nachfrage Süd- und Nord-Rhodesiens. Während der letzten Jahre hat sich die Tabakindustrie stark entwickelt. Neben der Bereitstellung von Tabak für den Export trat hauptsächlich die Zigarettenfabrikation für den inneren Bedarf und den Export nach Nord-Rhodesien in den Vordergrund. Teezucht und -Verpackung wird im östlichen Distrikt betrieben. Auch Kaffee wird dort neuerdings angebaut. In der gleichen Gegend wurde eine Marmeladenfabrik eröffnet, da jedoch Marmelade noch in großen Mengen importiert wird, ist genug Raum für Marmeladenfabrikation im Lande. Die allerjüngste der verarbeitenden Industrien Süd - Rhodesiens, die auf der Landwirtschaft basiert, ist die Zuckerraffinerie, die voraussichtlich einmal den gesamten heimischen Markt versorgen wird. Einheimische Hölzer spielen seit einigen Jahren eine bedeutende Rolle in der industriellen Entwicklung Rhodesiens. Erwähnt sei die Herstellung von Schwellen für den Bahnbau in der Südafrikanischen Union und Rhodesien. Möbel von guter Qualität werden aus einheimischem Holz hergestellt. Einige Holzarten werden, jetzt von der Bauindustrie verwendet, insbesondere zur Herstellung von dauerhaften Fußböden. Es bestehen in Süd-Rhodesien verschiedene gutinvestierte Ziegeleien, die Ziegel jeder Art, teilweise von sehr hoher Qualität produzieren. Auch Dachziegel und ähnliche Artikel werden hergestellt. Im Kohlenbezirk von Wankie werden hitzebeständige Ziegel für den Bau von Schmelzöfen in beiden Rhodesien und Kenya hergestellt, in Wankie wird Koks in größeren Mengen produziert, der ein großes Absatzgebiet findet. Im Zuge der Verkehrsentwicklung sind Eisenbahnwerkstätten bei Bulawayo und ausgedehnte Lagerhäuser bei Umtali entstanden. Inhaber Dr. Fritz Israel Silberstein dLitk'mm, sutk'uh - uü4 ifilA-vM-Ltia!