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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 74

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 74 (sequence 74)
Language
German
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Aepfel sind neuerdings eingeführt und scheinen sich gut zu bewähren. Wein gedeiht in den meisten Teilen des Landes gut und braucht zur Reife 6 Monate in der Trocken-Saison. Kaffee, Tee, Bananen und andere Pflanzen und Baumfrüchte gedeihen in einzelnen Teilen des Landes, ohne indessen von wesentlicher Bedeutung zu sein. Die Fortschritte der Landwirtschaft werden dadurch am deutlichsten gekennzeichnet, daß der Wert der Ausfuhr ihrer Erzeugnisse von durchschnittlich 1 Million £ im Durchschnitt der Jahre 1923/25 in den nächsten 3 Jahren auf durchschnittlich 2 Millionen £ stieg. Ungeziefer-Plagen kommen vor. In der Hauptsache sind es Heuschrecken, die der Ernte zuweilen verhängnisvoll werden und in Abständen von einigen Jahren auftreten. Es sind dies die rote, die braune und die tropische Heuschrecke. 2. Viehzucht Neben Ackerbau bildet Viehzucht die bedeutendste Einnahmequelle für den Farmer in Süd-Rhodesien. Die Rinderzucht bildet das Rückgrat. Im Jahre 1933 wurden 2 688 000 Stück Vieh gezählt, wovon 940 000 im Besitz von Europäern waren. Das einheimische Vieh ist durch Kreuzung mit importiertem ausländischen außerordentlich verbessert. Verbreitet sind neben dem einheimischen Vieh in der Hauptsache verschiedene englische Rassen. Vorwiegend wird die Rinderzucht wegen der Fleisch gewinnung betrieben, und die betreffenden Farmen nennt man „R a n c h i n g". Diese werden in extensiver Weise bewirtschaftet. Hierfür ist jedoch ein großes Kapital notwendig, da sie erst bei einer Anzahl von 1500 bis 2000 Stück Vieh rentabel werden. Da für 1 Stück Vieh 10 bis 30 acres anzusetzen sind, muß das Areal dementsprechend sehr groß sein. Hierzu kommt, daß auch Bewässerung in vielen Fällen notwendig ist, um die erforderliche Weide zu sichern. Der Preis für einheimische Kühe beträgt 15 bis 25 £. Für aus der Union importiertes Vieh zahlt man 20 bis 40 £, für Bullen rechnet man mindestens 50 £. Wegen Maul- und Klauenseuche hat die Süd afrikanische Union die Einfuhr lebenden Viehs gesperrt. Infolgedessen hat die Ausfuhr aus PJiodesien in letzter Zeit stark nachgelassen. Die Verluste haben aber durch Export von Frischfleisch und Fleischkonserven stark vermindert werden können. Die Schlachtung erfolgt durch die Liebig Co. Dadurch Export von Häuten und Fellen in nennenswertem Umfang. Die Milchwirtschaft hat in letzter Zeit sehr an Ausdehnung gewonnen. Es befinden sich große Molkereien im Lande. Für diese Wirtschaften aber ist zentrale und gute Verkehrslage notwendig, um die Produkte absetzen zu können. Butter hat guten Markt, und es wird ein guter Preis dafür erzielt.. Sie wird auch in kleinerem Umfange exportiert und erzielt dieselben Preise wie australische Butter. Als Nebenvertrieb wird hauptsächlich auch Käse hergestellt, der auch einen guten Preis bringt. Bei milchwirtschaftlichen Betrieben ist im Winter Fütterung notwendig. Als Trockenfutter werden Mais, Rhaygras, Feldheu, Teffbohnenheu, Velvetbohnen usw. verwandt, und für Kraftfutter Sonnenblumenmehl, Nußmehl usw., das im Lande selbst erzeugt wird. Schweinezucht wird vielfach in Verbindung mit der Milchwirtschaft betrieben und ist besonders in Verbindung mit dieser lukrativ. Als Rassen sind schwarze und weiße Yorkshire am meisten verbreitet, oder Kreuzungen. Die Mast bringt besonders durch den Schinkenverkauf gute Erträgnisse. Neben Magermilch wird Grünfutter, Melonen, Kartoffeln usw. verfüttert. Die Schafzucht ist gering in Süd-Rhodesien, da sich nur wenige Teile des Landes hierfür eignen. Verbreitet sind die „Blackhead Persian" (schwarzköpfige Persianer) und „Mutton Sheep". Pferde und Maultiere sind verhältnismäßig nicht sehr zahlreich, da sie vielfach von Krankheiten befallen sind. Dagegen gibt es viele Esel. Für Gespannzwecke werden vielfach Ochsen benutzt. Die Geflügelzucht hat einen großen Umfang angenommen, da sie rentabel ist. Sie vermittelt schnellen Umsatz des Kapitals. Neben Zucht von Legehühnern werden ebenso auch Fleischrassen gehalten, daneben Puten, Gänse, Enten, Der Verkauf der Eier in Süd-Rhodesien ist in einen Eier- Ring zusammengefaßt, der gut organisiert ist, den Markt beliefert und auch exportiert. In einigen Bezirken des Landes, hauptsächlich im Nordwesten, kommt die Tsetse-Fliege vor. Diese Bezirke eignen sich wegen des dadurch bedingten Viehsterbens nicht zur Besiedelung. 3. Ansiedlungsprobleme Betrachten wir nunmehr die wichtigsten Fragen, die sich bei einer landwirtschaftlichen Ansied- 1 u n g in Süd-Rhodesien ergeben, so ist zunächst für jede Siedlung die Lage von größter Bedeutung. Je bessere Absatzmöglichkeiten vorhanden sind, desto größere Aussichten für den Erfolg. Süd-Rhodesien hat ein sehr gut ausgebautes Straßennetz, mit Autostraßen, die sich auch in Europa sehen lassen können. Das Eisenbahnnetz ist gut ausgebaut. Nach abgelegenen Bezirken betreibt die Eisenbahn-Gesellschaft, die sieh in Rhodesien im Privatbesitz befindet, Autoverkehr. Die Tarife sind billig. Von besonderer Bedeutung für die Auswahl des Siedlungsgeländes ist ferner die Höhe des Grundwasserstandes, da ohne Frischwasser kein Farmbetrieb möglich ist. Ihrer verschiedenen geologischen Beschaffenheit entsprechend, sind die unteren Schichten vielfach wasserdurchlässig, so daß sie das Grundwasser nicht halten und der Grundwasserspiegel absinkt. Die Tiefe der erbohrten Brunnen ist hierfür aufschlußreich. In einigen Teilen des Landes sind Staudämme errichtet. Hierdurch wird, neben industrieller Kraft, eine künstliche Bewässerung großer Flächen während der Trockenheit ermöglicht. Die Qualität des Bodens in Süd-Rhodesien ist außerordentlich verschieden, auch in den Regionen, in denen die Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Ansiedlung gegeben erscheinen. Der Boden wechselt vom leichten bis zum schweren Boden. Es gibt rote und schwarze Erde, die sich für Mais und Tabak eignet, ebenso leichten Boden, der nur dürftige Viehweide gibt. Am empfehlenswertesten ist sandiger Lehm. Dieser eignet sich am besten für gemischte Wirtschaft, bestehend aus Viehzucht und Ackerbau. Daneben gibt es Plantagenwirtschaft und solche, die sich auf Viehzucht aufbaut, sei es Rindvieh oder Schafe. Im allgemeinen sind bisher nur große Wirtschaften in Rhodesien üblich, doch finden sich in neuerer Zeit bereits Ansätze für kleinere intensiver bewirtschaftete Betriebe. Das Schürfrecht für Erze und andere Bodenschätze ist in keinem Falle bei Landerwerb mit erworben, sondern verbleibt den vom Staat konzessionierten Gesellschaften. Was den Landkauf selbst betrifft, so bieten sich in Süd-Rhodesien zwei Möglichkeiten, und zwar Kauf von Kronland vom Staate oder von Privatbesitz. Etwa 17 Millionen acres Kronland sind seitens der Regierung für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Der Preis variiert von 4 bis 15/- per acre, je nach Lage und Qualität. Nur zur Viehzucht geeignetes Land in vom Verkehr abliegenden Landesteilen ist billiger zu haben. Der Kaufpreis des Kronlandes ist in 20 gleichbleibenden Raten zahlbar, in der Regel mit einem Aufschlag von 10 °/o für administrative Kosten. Doch können auch von der Regierung weitgehende Erleichterungen eingeräumt werden, da es das Ziel der Regierung ist, weiße Ansiedler ins Land zu ziehen, xmd ihre Tendenz die ist, das den Siedlern zur Verfügung stehende Kapital voll für die Entwicklung der Farmen zu belassen. Der Besitztitel kann nach 5 Jahren erworben werden. Mit dem Kauf von Kronland sind gewisse Verpflichtungen bezüglich des Tempos der Nutzbarmachung und bezüglich der Höhe der Aufwendungen dafür verbunden. — In einigen Bezirken, z. B. Bulawayo, Salisbury, Mazoe, gibt es kein Kronland mehr. Beim Kauf aus Privathand ist mit Preisen von 5 bis 7/6 per acre für Grundstücke minderer Qualität, von 7/6 bis 21/- per acre für Grundstücke in guter Lage 74

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