Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 73 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Niederschläge genügen in dem größten Teil Süd- Rhodesiens zur Erzielung guter Ernten. Dürren sind selten, gelegentlich werden die Ernten dadurch geschädigt, daß die Regen zu spät einsetzen. Das Klima ist für Europäer noch gut erträglich und gesund. Malaria kommt fast nur in einigen niedrig gelegenen Landstrichen vor, insbesondere in den Tälern des Sambesi und Limpopo. Das Leben in den Höhen von mehr als 1000 m erfordert jedoch volle körperliche Gesundheit, insbesondere ein gesundes Herz und gesunde Lungen. Die Regierung unterhält eine Reihe Hospitäler; in allen größeren Orten gibt es Aerzte. 3. Bevölkerung Die Bevölkerungszahl Süd-Rhodesiens wird auf etwa I1/4 Millionen geschätzt. Davon sind rund 1 150 000 Eingeborene, 55 400 Weiße, der Rest sind Asiaten, vor allem Inder und Mischlinge. Der größte Teil der Schwarzen lebt als Landwirte in den Eingeborenen-Reservaten, jedoch sind etwa 200 000 bei Weißen beschäftigt, teils im Bergbau, teils in der Landwirtschaft, teils auch als Hauspersonal. Die Schwarzen sind bei guter Behandlung anstellig und arbeitsam. Etwa 96 v. H. der Weißen sind britische Staatsangehörige, und zwar je etwa 1/4 geborene Rhodesier, geborene Südafrikaner und geborene Briten. Etwa 4500 Weiße sind als Landwirte tätig, etwa 3000 im Bergbau. Die jüdische Bevölkerung wird zur Zeit auf etwa 2500 geschätzt. Die Einwanderung von Juden begann in den 90er Jahren; schon 1894 wurde die Jüdische Gemeinde in Bulawayo, 1895 die Jüdische Gemeinde in Salisbury gegründet. Kleinere jüdische Bevölkerungsgruppen sind in Gwelo, Selukwe, Umtali, Que Que und Gatooma zu finden. Jüdische Farmer, Minenbesitzer und Ladeninhaber sind über das ganze Land verstreut. Seit kurzem besteht in Bulawayo ein Hilfskomitee, das sich um Beschaffung von Arbeit für die Eingewanderten bemüht, Sprachkurse gibt und den gesellschaftlichen Zusammenhang zwischen eingesessenen und zugewanderten Juden pflegt. Die Einwanderung von Weißen, insbesondere von Farmern, ist der Regierung durchaus erwünscht, jedoch ist man darauf bedacht, den Charakter Süd-Rhodesiens als eines „weißen Landes" aulrecht zu erhalten. In der letzten Zeit haben sich in der Presse wiederholt Stimmen gegen eine stärkere jüdische Einwanderung erhoben — mit der Begründung, daß man die Entstehung von Rassengegensätzen befürchtete. 4. Die Verwaltung 1923 wurden Nord-Rhodesien und Süd-Rhodesien getrennt. In letzter Zeit waren jedoch Bestrebungen im Gange, die beiden Länder wieder zusammenzuschließen. Seit der Teilung ist Süd-Rhodesien eine selbstregierende Kolonie, hat also nahezu den Status eines Dominions. An der Spitze steht der vom englischen König ernannte Gouverneur; ihm zur Seite steht ein Ministerium von 6 Ministern, das jeweils der stärksten Partei der gesetzgebenden Versammlung entnommen wird. Die gesetzgebende Versammlung hat 30 Mitglieder, die von den britischen Staatsbürgern in Süd-Rhodesien gewählt werden, wobei das Wahlrecht von bestimmten Bedingungen hinsichtlich des Vermögens und der Erziehung abhängig gemacht ist. Für die Erziehung der Kinder der Europäer gibt es 68 Regierungsschulen, darunter auch höhere Schulen, die bis zur Universitätsreife gehen. Es bestehen auch einige Privatschulen. Daneben gibt es das System der Farmschulen; wo die Zahl der schulpflichtigen Kinder zur Begründung einer Schule nicht ausreicht, kann die Regierung auch Zuschüsse für Hauslehrer und Hauslehrerinnen an die Farmer zahlen. Gesetzliche Währung ist die englische, daneben laufen süd-rhodesische Münzen mit englischen Münzbezeichnungen um. Ferner kursieren Banknoten der Standard Bank of South Africa und von Barclays Bank. Der Staatshaushalt beläuft sich in Einnahme und Ausgabe auf je etwa 3 Millionen Pfund. Fast ein Viertel der Einnahmen bringen die Zölle ein, weitere wichtige Quellen sind die Einkommensteuer, die Eingeborenen-Steuer und die Bergbauabgaben. Bei der Einkommensteuer bleiben für die Einzelperson 360 £ im Jahre, bei Verheirateten 800 £ frei. Der überschießende Betrag wird, mit 6 d je Pfund beginnend, progressiv besteuert. An sozialen Einrichtungen ist bisher erst eine gesetzliche Alterspension geschaffen worden, in deren Genuß über 60 Jahre alte Personen kommen, die wenigstens 20 Jahre lang ihren Wohnsitz in Süd-Rhodesien gehabt haben. III. Die Wirtschaft A. Die Landwirtschaft 1. Der Ackerbau Die Vegetation in Süd-Rhodesien ist dem tropischen Klima und der im allgemeinen ausreichenden Niederschlagsmenge entsprechend recht mannigfaltig, infolgedessen werden in" den verschiedenen Zonen des Landes mit Erfolg verschiedene Kulturpflanzen angebaut. Mais ist das Hauptprodukt des ackerbautreibenden Farmers und wird in großer Menge angebaut. Er dient der menschlichen Ernährung und als Viehfutter. Die Qualität in Süd-Rhodesien gilt als besonders gut, und es werden im allgemeinen auch große Ernten erzielt. Verschiedene Sorten sind eingeführt und haben sich gut bewährt. Die Ernte beginnt Mitte Mai. Der Ernteertrag ist sehr verschieden. Man rechnet mit einem Ertrag von etwa 10 Sack pro acre. Baumwolle hatte sich gut eingeführt und gehört in Verbindung mit anderen Ernten zum System der gemischten Wirtschaft. Die Voraussetzungen für Baumwolle sind denkbar günstig. Baumwolle hat in den letzten Jahren infolge der Gestaltung der Weltmarktpreise keinen Nutzen gelassen, vielmehr große Verluste verursacht. Weizen wird für Winterfrucht gebaut, die Erzeugung im Lande beträgt jedoch nur etwa 50 °/o des lokalen Bedarfs. Durch Marktordnung sind jedoch neuerdings auskömmliche Preise festgesetzt. Die aufkaufenden Mühlen erhalten von der Regierung Rückvergütung aus den Einfuhrzöllen für ausländischen Weizen. Tabak ist in den letzten Jahren das wichtigste landwirtschaftliche Ausfuhrerzeugnis. Es wird hauptsächlich Virginia- und türkischer Tabak angebaut. Die Regierung unterstützt den Tabakbau durch Lagerhäuser und Prüfstationen. Der Anbau dieser Pflanze erfordert jedoch große Umsicht und Erfahrung. Unerfahrene Siedler werden deshalb gewarnt, sich mit Tabakbau in größerem Stil zu befassen. Erdnüsse werden in nennenswertem Umfange angebaut. Sie dienen der Nahrung, für Futterzwecke und auch der Oelfabrikation. Sonnenblumen werden im Wechsel mit Mais angebaut. Die Sonnenblumenkerne dienen sowohl als Futter als auch zur Oelfabrikation. Es wird mit einem Ertrage von 125 lbs. pro acre gerechnet (1 lb. 454 Gramm). Bohnen gedeihen in Rhodesien in verschiedenen Arten, wie Futtererbsen und Eßbohnen, Madagaskar-Butterbohnen, für die bewässertes Land notwendig ist, Sonnenhanf, Velvet-Bohnen und Linsen. Kartoffeln werden in nennenswertem Umfange angebaut und dienen der Ernährung. Es wird mit einem durchschnittlichen Ertrage von 25 bis 30 Sack pro acre gerechnet. Auch süße Kartoffeln werden angebaut. Heuernte : Die Heuernte spielt eine große Rolle für die Ernährung des Viehs als Winterfutter. Die hauptsächlichsten Gräser sind „Sudangras" und „Teff-Gras". Luzerne: Ein weiterer wichtiger Futterstoff auf gut bewässertem Lande ist Luzerne. Man rechnet mit sechs- bis siebenmaligem Schnitt, wobei der Ertrag pro acre auf eine Tonne Heu oder drei Tonnen Grünfutter veranschlagt ist. Die gebräuchlichsten Sorten sind „Provence", „Hunter's River" und „Chinese". Die Citruskultur nimmt eine hervorragende Stellung ein, da die Früchte von bester Beschaffenheit sind. Sie können, ohne zu verderben, Transporte von zweimonatiger Dauer vertragen, was auf das dortige Klima zurückzuführen ist. Sie erfordern allerdings einen gut bewässerten Boden. Im Jahre 1936 wurden 120 000 Kisten Orangen und Grape-Fruit exportiert. Ein 5 Jahre alter Baum bringt in der Regel 1 Kiste, ein 15 Jahre alter Baum 3 bis 6 Kisten. Da die Citrus-Kultur höhere Gewinne abwirft, ist der Wert des hierfür geeigneten Bodens entsprechend höher. Er wird mit 10 bis 25 £ pro acre angegeben. 73