Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 72 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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Süd-Rhodesien Die britische Kolonie Süd-Rhodesien ist wirtschaftlich weiter entwickelt als Nord-Rhodesien, mit dem es in seiner wirtschaftlichen Grundstruktur viel Aehnlichkeit hat. Wie Nord-Rhodesien kommt Süd-Rhodesien vor allem für Farmer mit etwas Kapital in Frage, die in Süd-Rhodesien einen besseren Absatzmarkt vorfinden. Ferner bestehen dort Möglichkeiten für alle akademischen und handwerklichen Berufe, sofern sie in dem sich gut entwickelnden Bergbau eingesetzt werden können, d. h. also nicht nur für Techniker, Chemiker und ähnliche, sondern auch für Mechaniker, gewisse Bauhandwerker und dergleichen. Alle anderen Berufe haben keine Aussicht auf wirtschaftliche Eingliederung. Die Einreisebestimmungen für Süd-Rhodesien werden sehr streng gehandhabt, um nur eine Auswahl guter Leute ins Land kommen zu lassen. I. Einwanderungsbedingungen Zur Einwanderung nach Süd-Rhodesien ist die vorherige Einwanderungsgenehmigung der südrhodesischen Regierung erforderlieh. Die Erteilung dieser Genehmigung steht im Belieben der Regierung; sie wird in der Regel nur Angehörigen von Berufen erteilt, die für den Aufbau des Landes nützlich sind, wenn sie einen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen in Süd-Rhodesien oder eigenes Geld oder — nach Ermessen der Regierung — sowohl das eine wie das andere besitzen. Staatenlosen und Personen, denen die Rückkehr in das Herkunftsland nicht möglich ist, wird die Einreise nicht genehmigt; ebenso sind Personen ausgeschlossen, die nicht gesund sind, sich politisch in mißliebiger Weise betätigt haben, vorbestraft sind oder der Oeffentlichkeit zur Last fallen können. Das zur Einreise notwendige Visum wird von dem für den Wohnsitz des Reisenden zuständigen britischen Konsulat erst erteilt, wenn die Einreisegenehmigung vorliegt. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung nach Süd-Rhodesien wird jedoch erst nach der Ankunft im Lande selbst durch die Regierung auf Grund des Berichtes des Einwanderungsbeamten der Grenzstationen gefällt. (Bis zum Eintreffen der Entscheidung muß der Einwanderer in dem Grenzort verbleiben.) Dem Einwanderungsbeamten sind folgende Papiere vorzulegen: ein 5 Jahre gültiger Paß; — ein polizeiliches Führungszeugnis; — ein Gesundheitszeugnis; — die notwendigen standesamtlichen Papiere (Geburtsschein, Trauschein); — gegebenenfalls der Arbeitsvertrag; — möglichst auch Schul-, Fachschul- und Arbeitszeugnisse; — Bescheinigung über Freiheit von Militärdienst (alles in beglaubigter englischer Uebersetzung). Als Einreiseweg wird der Weg über Beira in Portugiesiseh-Ostafrika empfohlen, da das Durchreisevisum hierfür am leichtesten erhältlich ist. II. Das Land 1. Geographische Grundzüge Süd-Rhodesien liegt in Südafrika zwischen dem Sambesi-Strom und dem Limpopo-Strom, zwischen 15° 30' und 22° 30' südlicher Breite. Im Süden und Südwesten wird es von der Afrikanischen Union und vom Betschuana- Land begrenzt, im Norden von Nord-Rhodesien, im Osten von Mocambique. Der Flächeninhalt des Landes beträgt 389 370 qkm. Das Gebiet ist ein Hochland, das im allgemeinen 1200 bis 1600 m über dem Meere liegt, überragt von einigen Bergen und Höhenzügen, die im Osten des Landes in der Inyanga-Bergkette eine Höhe bis zu 2400 m erreichen. Der größere Teil des Landes ist eine wellige Hochfläche, hier und da von den sogenannten Kopjes (steinigen Hügeln) unterbrochen. Das Land ist gut bewässert. Die Flüsse fließen nach Norden zum Sambesi, nach Süden zum Limpopo-Strom ab; es sind dauernd fließende Gewässer. Verwaltungsmäßig ist das Gebiet in das Maschona- Land und das Matabele-Land eingeteilt; diese Einteilung entspricht ungefähr dem Nordosten und dem Südwesten des genannten Gebietes. Besonders dicht ist die Besiedlung um Salisbury im Maschona-Land und um Bulawayo im Matabele-Land herum. Im übrigen folgt die Besiedlung im großen und ganzen den Eisenbahnstrecken. Diese wiederum sind wesentlich im Hinblick auf die Verteilung der Goldfelder angelegt. Infolge der geologischen Eigenart der goldführenden Erd- und Gesteinsschichten decken sich Goldgebiete und landwirtschaftliche Siedlungsgebiete in weitem Maße. Außer den beiden genannten größten Orten Salisbury (mit 11400 Weißen) und Bulawayo (mit 12 300 Weißen) sind noch folgende wichtigere Orte zu nennen: im Matabele-Land die Grenzstation Plumtree im Westen, Gwelo (14 300 Weiße) (Gold- und Asbest-Minen), West Nicholson, Selukwe (Goldminen), Gwenda und schließlich Wankie (Kohlenbergbau); — im Maschona-Land die Grenzstation Umtali (2100 Weiße) (Goldminen), Gatooma (740 Weiße) (Goldminen), Fort Victoria (Gold- und Asbest-Minen), Sinoia, Shamva und Que Que (740 Weiße) (Goldminen). Etwa 40 v. H. der weißen Bevölkerung wohnen in den Bezirken Bulawayo und Salisbury. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Das Klima Süd-Rhodesiens ist ausgesprochen tropisch, in den höheren Lagen subtropisch. Die Jahresdurchschnittstemperatur in den Höhen über 900 m beträgt 66° Fahrenheit 19° C bei einem Maximum von 25° C und einem Minimum von 12V20 C. Nachts kühlt sich die Luft stark ab. Nachstehend geben wir eine kurze Uebersicht der klimatischen Verhältnisse in Bulawayo und Salisbury (im Durchschnitt von 26 Jahren): Höhe über Durchschniüs- Ahsnluhps Jährlicher N.N. temperaturen Regenfall m höchste! niedriysle ^faximum Minimum mm °C °C OC °c Bulawayo 1340 25 13 40 -2 600 Salisbury 1480 25 12 37 —1 810 Die kältesten Monate sind der Juni und der Juli; in diesen Monaten ist die nächtliche Abkühlung so stark, daß in einzelnen höheren Regionen das Thermometer bis nahe an den Gefrierpunkt sinkt. Die heißesten Monate dagegen sind September und Oktober, also die Monate kurz vor Beginn der Regenzeit. Die Regenzeit dauert von Oktober bis März, in dieser Zeit fällt weitaus der größte Teil der Niederschläge. Innerhalb der Regenzeit sind zwei Perioden zu unterscheiden: von Oktober bis Dezember sind kurze Regenschauer und Gewitterregen die Regel, während von Dezember bis März lang anhaltende, wenn auch nicht so heftige Regen vorherrschen. In der Trockenzeit, die von April bis September dauert, fällt nur an wenigen Tagen Regen. Wie nachstehende Uebersicht zeigt, steigt im großen und ganzen gesehen die jährliche Regenmenge von Südwest nach Nordost an: West-Matabele-Land Südost-Matabele-Land West-Maschona-Land Nordost-Masehona-Land Südost-Maschona-Land OesÜ. Grenzgebirge 660 mm im Jahre 545 mm „ „ 800 mm „ „ 860 mm „ „ 810 mm „ „ 1360 mm „ „ 72