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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 71 (sequence 71)
Language
German
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Zur Absiedlung als Farmer ist ein Kapital von nicht weniger als 2000 £ notwendig. Der Preis des Regierungslands liegt je nach Lage zwischen 1 sh und 15 sh je Acre; aus privater Hand kann man häufiger schon weiter entwickelte Farmen zu einem Preise von 20 sh je Acre kaufen. — Es empfiehlt sich, daß der Siedler ein bis zwei Jahre bei einem nord-rhodesischen Landwirt arbeitet, um die Bedingungen der nord-rhodesischen Landwirtschaft an Ort und Stelle kennenzulernen. Im Kupfergürtel werden die Farmen an die Siedler verkauft, während in den übrigen Gebieten Pachtverträge bis zu 99 Jahren abgeschlossen werden. In jedem Falle wird ein vorläufiger Pachtvertrag für 5 Jahre geschlossen; während dieser Zeit muß der Siedler durch seine Wirtschaft beweisen, daß er den Betrieb wirklich führen kann. Wie weit eine körperliche Arbeit weißer Siedler bei der immerhin nicht unbeträchtlichen Höhenlage des Nordostgebietes überhaupt möglich ist, und wie weit sich körperliche Mitarbeit der Weißen bei dem großen Umfange der Farmen durchführen läßt, entzieht sich noch unserer Kenntnis. Im allgemeinen arbeitet man mit eingeborenen schwarzen Arbeitern. Es bestehen keine Schwierigkeiten, die Schwarzen, die bei guter Behandlung willige Arbeiter sind, in genügender Zahl heranzuziehen; etwa 50 000 Sehwarze im Jahre gehen sogar nach den angrenzenden Gebieten, um dort Arbeit zu suchen. Den schwarzen Farmarbeitern werden 7!/2 bis 12 sh im Monat bezahlt, dazu kommt noch Wohnung und Nahrung. 2. Der Bergbau und die Industrie Das Zentralgebiet Nord-Rhodesiens ist außerordentlich reich an Mineralschätzen. Erst seit 1923 ist der Bergbau im größeren Stile aufgenommen worden; bereits im Jahre 1936 aber machte der Wert der Ausfuhr der hauptsächlichsten Erzeugnisse wie Kupfer, Zink, Kobald, Vanadium 92 v. H. der gesamten Ausfuhr Nord-Rhodesiens aus. Außer den genannten Mineralien werden Gold, Silber, Manganerz und Glimmer abgebaut. Auch Kohle ist gefunden worden, und die Eisenerzlager sollen sehr groß sein. Das Kupfer findet sich in der Nähe von Ndola im Zentralgebiet, ziemlich dicht an der Grenze des Belgisch-Kongo- Gebietes, wo auch die weltbekannten Kupferlager von Katanga liegen. Das Kupfererz wird zu einem größeren Teil im Lande verhüttet und raffiniert. Der Zinkerzbergbau konzentriert sich um den Ort Brokenhill. Im Bergbau sind insgesamt etwa 180 000 Eingeborene beschäftigt. Das Schürf- und Ausbeutungsrecht für die Mineralschätze ist für einen Teil des Landes der Britisch-Südafrika-Comp. übertragen; für selbständige Bergbauunternehmungen ist jedoch in anderen Teilen noch Platz. Außer der Kupferraffinerie gibt es in Nord-Rhodesien praktisch keine Industrie. Die Einfuhr umfaßt daher sämtliche Produktions- und ähnliche Verbrauchsgüter. Etwa 3/<i der Einfuhr stammt aus dem Britischen Empire. 3. Verkehrsverhältnisse Bereits bei der Besprechung der landwirtschaftlichen Verhältnisse wurde darauf hingewiesen, daß Nord-Rhodesien verhältnismäßig im großen und ganzen noch unerschlossen ist. Es gibt eine einzige Eisenbahnlinie, die von Kapstadt kommend in der Nähe von Livingstone im Süden eintritt, in nordöstlicher Richtung das Land durchzieht und kurz hinter Ndola im Bergbaugebiet in das Belgisch-Kongo-Gebiet übergeht. Diese Bahnstrecke setzt sich dann nach Lobitobay in Portugiesisch- Westafrika (Angola) fort. Die Zufahrt nach Lusaka, der Hauptstadt von Nord-Rhodesien, dauert 3 Tage; man kann diesen Ort von Durban oder Kapstadt in der südafrikanischen Union, von Beira in Portugiesisch-Ostafrika oder von Lobitobay in Portugiesisch-Westafrika mit der Eisenbahn erreichen. Siedlern kann freie Fahrt und billigere Fracht gewährt werden, wenn sie eine entsprechende Bescheinigung von der nord-rhodesischen Regierung vorlegen. Das Land überzieht ein verhältnismäßig dichtes Straßennetz; jedoch ist nur ein kleiner Teil dieser Straßen gebessert, und es gibt überhaupt keine Straßen, die während der Hauptregenzeit befahrbar sind. Der Postdienst ist in den hauptsächlichsten Siedlungs- und Bergbaugebieten gut und regelmäßig. IV. Lebenshaltung und Lebenshaltungskosten Das Leben der weißen Einwanderer wird durch die englischen Sitten und Gebräuche bestimmt, da über 9/10 der weißen Bevölkerung Engländer sind. Für die Erziehung der europäischen Kinder bestehen zur Zeit 11 Regierungsschulen mit 49 Lehrkräften und 926 Kindern und einige Privatschulen. Einige der Schulen sind mit Landpensionaten verbunden. Moderne Wohnungen mit allem Komfort gibt es in den Städten der Bergbauzone. Möblierte Zimmer kosten nur 2—4 £ im Monat. Unterkunft im Hotel ist für $ 6.5.— bis £ 10.10.— im Monat zu haben. Die Höhe der Lebenshaltungskosten hängt von den Transportkosten ab. Daher sind europäische Lebensmittel nicht billig; die Kleidung kostet etwa 30 bis 50 v. H. mehr als in Europa. V. Aussichten für Einwanderer Die Aussichten für die landwirtschaftliche Siedlung sind in dem Abschnitt „Probleme der Siedlung" ausführlich erörtert worden. Wir können uns daher an dieser Stelle darauf beschränken, festzustellen, daß zur Zeit für einige tatkräftige und gesunde Leute mit dem erforderlichen Kapital in Nord-Rhodesien sicher Platz ist. Die weiteren Siedlungsmöglichkeiten hängen, wie auch bereits ausgeführt, von der Erweiterung des Absatzmarktes ab. Bisher richtete sich die Einwanderung im wesentlichen in die Bergbaugebiete Wie weit sie für Angehörige; entsprechender Berufe, also für bestimmte Handwerker, für Ingenieure, Chemiker u. dgl. noch aufnahmefähig sind, hängt im wesentlichen von der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung ab; jedoch scheint es nicht ausgeschlossen, daß auch hier noch eine Anzahl Menschen untergebracht werden kann. Dagegen dürfte für die Angehörigen aller anderen Berufe kaum eine Möglichkeit zur Eingliederung bestehen. 71

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