Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 70 (sequence 70)
- Language
- German
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3. Bevölkerung In Nord-Rhodesien leben etwa 1,4 Millionen Eingeborene, die meist Bantustämmen angehören, und 10 500 Weiße. Die Zahl der Juden wird auf etwa 500 geschätzt; in Livingstone gibt es eine Synagoge. Weitaus der größte Teil der europäischen Bevölkerung hat sich im Zentralgebiet und im Süden angesiedelt, während im Osten und Norden weit weniger Weiße wohnen. Die Einwanderung setzt sich bisher zu etwa 9/10 aus britischen Untertanen zusammen; sie richtete sich in den letzten Jahren fast ausschließlich in das Bergbaugebiet und zeigt einen engen Zusammenhang mit dem konjunkturellen Verhältnis des Bergbaus. So stieg die jährliche Zahl der Einwanderer bis ins Hochkonjunktur jähr 1930 auf 3600, fiel dann scharf ab auf 615 im Jahre 1932 und stieg danach wieder scharf an. Im Jahre 1936 sind 1212 weiße Einwanderer ins. Land gekommen. Ueber die Auswanderung gibt es keine Zahlen, jedoch dürfte sie im Verhältnis zur Einwanderung nicht unbeträchtlich sein. 4. Die Verwaltung Nord-Rhodesien ist seit 1923 von Süd-Rhodesien abgetrennt und wurde 1924 britische Kronkolonie. An der Spitze der Kolonie steht der vom englischen König ernannte Gouverneur; ihm zur Seite stehen der ausführende Rat von 5 Mitgliedern und der gesetzgebende Rat von 16 Mitgliedern. Von den 16 Mitgliedern sind 7 von der britischen weißen Bevölkerung gewählt; das Wahlrecht hängt von gewissen Bedingungen hinsichtlich des Vermögens und der Erziehung ab. Die restlichen 9 Mitglieder des gesetzgebenden Rates gehören ihm teils durch besondere Ernennung, teils kraft ihrer sonstigen Aemter in der Verwaltung an. Die Rechtsprechung für die weißen Einwohner richtet sich nach englischem Recht. Der Haushalt der Kolonie umfaßte 1936 863 000 £ Einnahmen und 836 000 $ Ausgaben. Die Einnahmequellen sind Zölle, Verbrauchssteuern, die Eingeborenensteuer und die Einkommensteuer. Ein Betrag von 300 £ im Jahre ist für die Einzelperson steuerfrei; die Freigrenze erhöht sich für Familien ganz beträchtlich. Das darüber hinausgehende Einkommen wird je nach seiner Höhe wenigstens mit 6 d je Pfund versteuert. Die öffentliche Schuld der Kolonie betrug im Jahre 1936 2,3 Millionen £, die hauptsächlich zum Ausbau der öffentlichen Dienste (Bahnen, Gesundheitswesen usw.) verwandt wurden. Gesetzliche Währung ist die englische; daneben laufen süd-rhodesische Silbermünzen und Banknoten der Standard Bank of South Africa und von Barcley's Bank um. III. Die Wirtschaft 1. Landwirtschaft a) Erzeugnisse und Absatz Vom weltwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus gesehen, ist die Bedeutung der Landwirtschaft Nord-Rhodesiens nicht wesentlich. Die Landwirtschaft ist bisher erst so weit entwickelt worden, daß sie zur Sicherung des eigenen Bedarfs der Kolonie ausreicht, — von kleineren Mengen Tabak und ähnlichem abgesehen, die ihren Absatzmarkt in den angrenzenden Gebieten und Südafrika finden. Großzügiger Anbau für die Ausfuhr scheiterte bisher daran, daß das Gebiet verhältnismäßig noch nicht ausreichend erschlossen ist. Aus diesem Grunde wird die Lage der europäischen Farmen von sachverständiger Seite auch nicht als sehr günstig angesehen. So ist die Landwirtschaft der Europäer hauptsächlich auf die Erzeugung für den inneren BedarC, insbesondere für den Bedarf des Bergbaugebietes ausgerichtet. Von der Gesamtfläche Nord-Rhodesiens sind etwa 41/2 v. H. 33 000 qkm an weiße Siedler vergeben worden. Von diesen 3,3 Millionen ha wird weitaus der größte Teil als Weideland benützt; erst etwa 3200 ha werden von den europäischen Pflanzern ackerbaulich genutzt. Etwa die Hälfte dieser Fläche ist mit Mais bestellt, der fast ganz in der Kolonie verbraucht wird. Die Ernteergebnisse schwanken außerordentlich stark; z. B. betrug die Ernte im Jahre 1933: 122 000 Sack, 1936: 329 000 Sack. Der Tabakanbau, der hauptsächlich im Fort Jameson- (Süden des Nordostgebietes-) Distrikt gepflegt wird, ist in den letzten Jahren wegen der Schwierigkeiten des Absatzes zurückgegangen. Wahrend die Ausfuhr früher im Jahre 150 000 bis 200 000 £ ausmachte, betrug sie in den letzten Jahren 35 000 bis 40 000 £. Die Erntemengen der letzten Jahre liegen um 1,2 Millionen englische Pfund. W e i z e n wird hauptsächlich im Lusaka-Distrikt im Zentralgebiet als Winterfrucht und unter Bewässerung angebaut und fast ganz im Lande verbraucht. Die Ernte betrug in den letzten Jahren zwischen 11000 und 18 000 Sack (zu 200 englische Pfund). Im Abercorn-Distrikt im Norden sind in dem letzten Jahre Kaffeebäume gepflanzt worden, die jetzt erst beginnen, Ertrag zu bringen. Das Hauptproblem ist hier die Bewässerung. Auch der Anbau von Baumwolle ist vor einigen Jahren begonnen worden, jedoch von den Europäern wegen schlechter Ernte und schlechter Preise im großen und ganzen wieder eingestellt worden. Man versucht jetzt, Baumwolle von den Eingeborenen in ihren eigenen Betrieben anbauen zu lassen. Für Obst pflanzungen ist der Boden Nord-Rhodesiens wenig geeignet; man muß daher fast alles Obst aus Süd- Rhodesien und der südafrikanischen Union einführen. Nur Citrusfrüchte, insbesondere Orangen, gedeihen gut, so daß sogar ein kleiner Export nach dem Kongogebiet möglich ist. Die Orangenbäume tragen dort im fünften Jahre; man pflanzt 75 Bäume je Acre. Die wachsende Nachfrage im Bergbaugebiet hat den Gemüsegartenbau in den letzten Jahren sich stärker entwickeln lassen. Ueber Schädigungen der Ernte durch Unregelmäßigkeit des Regenfalles ist nichts bekannt, dagegen wird angegeben, daß von Zeit zu Zeit Heuschreckenplage auftritt. Die Viehzucht hat sich in den letzten Jahren — offenbar auch unter dem Einfluß des Bedarfs des Minengebietes — stark vergrößert. Ein größerer Teil des Landes ist allerdings von der Tsetsefliege verseucht, doch liegen die Verhältnisse im Hochlande günstiger. Im Jahre 1935 wurden 195 000 Rinder bei Europäern und 490 000 Rinder bei den Eingeborenen gezählt. Die Butter- und Milchwirtschaft könnte noch weiter entwickelt werden. Die Zahl der Schweine ist nicht bekannt; nach amtlichen Angaben hat die Schweinezucht jedoch guten Erfolg, leidet jedoch unter Schwierigkeiten im Absatz. Dagegen müssen Fleischschafe noch eingeführt werden. Vieh und Fleisch werden zur Zeit nicht ausgeführt, dagegen Häute und Felle (1936 im Jahre von 16 500 £). Wie schon erwähnt, ist Nord-Rhodesien dünn bewaldet. Die mit Bäumen bestandene Fläche umfaßt etwa 460 000 qkm, wovon jedoch nur 57 000 qkm verkehrsmäßig zugänglich sind und handelsfähiges Holz enthalten. Der Bedarf des Bergbaus an Grubenholz wird noch eingeführt; die Ausfuhr beschränkt sich im wesentlichen auf Teakholz (Wert der gesamten Holzausfuhr 1936 142 600 £). b) Probleme der Siedlung Das Hauptproblem der Siedlung in Nord-Rhodesien, nämlich die Frage des Absatzes, haben wir bereits mehrfach gestreift. Solange die Möglichkeiten des Absatzes der Erzeugnisse der Landwirtschaft nicht verbessert werden, indem entweder das Verkehrsnetz soweit ausgebaut wird, daß eine Ausfuhr zu lohnendem Preise ermöglicht wird, oder indem der innere Bedarf noch wesentlich steigt — was wiederum von der Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes für die bergbaulichen Erzeugnisse Nord-Rhodesiens abhängt, — solange wird nach unserer Meinung Nord-Rhodesien nur eine kleine Anzahl neuer Siedler aufnehmen können. Zu dieser Schwierigkeit tritt noch hinzu, daß der Boden und die Wasserverhältnisse für den Ackerbau im großen und ganzen nicht besonders günstig zu sein scheinen. Nach amtlichen Angaben ist „infolge des Fehlens von Wasser und der Ungeeignetheit des Bodens nur ein kleiner Teil der bisher besiedelten Fläche ackerbaufähig gemacht". Daher liegt die Größe der Farmen im allgemeinen zwischen 2000 und 3000 Acres, wovon „nur ein kleiner Teil für Ackerbau geeignet ist". Kleinere Betriebe von 10 bis 100 Acres finden sich nur in der Nähe der größeren Ansiedlungen, da hier ein gewisser Absatz für die Erzeugnisse intensiverer Wirtschaft besteht. Die landwirtschaftliche Siedlung beschränkt sich hauptsächlich auf die Nachbarschaft der Eisenbahnlinie im Nordwesten (Kupfergürtel), auf die Gebiete um Abercorn im Norden und auf die Umgebung von Fort Jameson im Süden des Nordostens. 70