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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 69

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 69 (sequence 69)
Language
German
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Nord- Rhodesien Die britische Kolonie Nord-Rhodesien in Südostafrika ist erst in der letzten Zeit des öfteren als Einwanderungsland für Juden aus Deutschland genannt worden. Bei sorgsamer Betrachtung der Verhältnisse haben wir nicht den Eindruck, daß „zehntausende, ja hunderttausende Juden" dort innerhalb kurzer Zeit Arbeit und Brot finden könnten. Jedoch scheint es wohl möglich, mit entsprechendem Kapitalaufwand eine größere Zahl landwirtschaftlicher Siedler anzusetzen, und bei weiterer Entwicklung des bedeutenden Bergbaugebietes könnten wohl auch Angehörige entsprechender technischer Berufe (Facharbeiter, Handwerker und Akademiker) dort ein Unterkommen finden. Für andere Berufsgruppen scheinen kaum Möglichkeiten gegeben zu sein. Die Einwanderungsbestimmungen machen zur Zeit die Einwanderung fast unmöglich. I. Einwanderungsbedingungen A. Einreisebestimmungen Einwanderer brauchen zur Einreise nach Nord-Rhodesien die Genehmigung der Regierung, die dort durch Verwandte, Bekannte oder den künftigen Arbeitgeber zu beantragen ist. Mit der Genehmigung können Angehörige solcher Berufe (als Arbeitnehmer und als Selbständige) rechnen, die dem Aufbau des Landes nach Meinung der Regierung dienlich sein können. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung fällt jedoch erst nach der Prüfung des Einwanderers durch den Einwanderungsbeamten im Lande selbst. Diesem Beamten sind der Paß, Gesundheitszeugnis, polizeiliches Führungszeugnis und sämtliche Unterlagen vorzulegen, aus denen hervorgeht, daß der Einwanderer der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen wird (Arbeitsvertrag usw.). Ferner müssen bei der Schiffahrtslinie, bei der die Passage gebucht wird, 100 £ zur Sicherung der Rückreise hinterlegt werden; das Geld wird bei Zulassung im Lande nach 6 Monaten zurückgezahlt. Die Einwanderung wird nur genehmigt, wenn der Einwanderer jederzeit in das Herkunftsland zurückkehren kann. II. Das Land 1. Allgemeine geographische Uebersicht, die größeren Ansiedlungen Die britische Kronkolonie Nord-Rhodesien, ein Gebiet im Umfange von 745 760 qkm, also etwas größer als das neue Deutsche Reich, liegt in Südostafrika zwischen 8 Grad und 18 Grad südlicher Breite. Seine Grenzen bilden im Norden das Belgische Kongogebiet, im Westen Angola (portugiesisch), im Süden Südwestafrika (Mandatsgebiet) und Süd-Rhodesien, im Osten Portugiesisch- Ostafrika (Mocambique) und Njassa-Land (englisches Protektorat) und im Nordosten Tanganjika (Mandatsgebiet). Mit Ausnahme der südlichen Flußtäler ist das Gebiet ein Hochplateau; im Süden steigt die Höhe bis zwischen 900 und 1350 m, im Nordosten bis gegen 1500 m. Die Bewässerungsverhältnisse sind gut. Die Südgrenze bildet der große Sambesistrom, von dem zwei Nebenflüsse, der Kafue und der Luangwa, mit vielen Nebenflüssen im Gebiet von Nord- Rhodesien liegen. Die Hauptflüsse des Nordens sind der Chambesi und der Luafula mit ihren Nebenflußsystemen. Das ganze Gebiet ist verhältnismäßig dünn bewaldet; nur im Nordosten ist der Baumbestand dichter. Der Südwesten Nord-Rhodesiens ist fast ganz den Eingeborenen vorbehalten; unsere weiteren Schilderungen werden sich daher im wesentlichen mit dem für die landwirtschaftliche Siedlung Weißer geeigneten Nordostgebiet und mit dem zentral gelegenen Bergbaugebiet, das ebenfalls Möglichkeiten für landwirtschaftliche Siedlung bietet, befassen. Die meisten Ansiedlungen mit einer größeren Zahl von Europäern liegen im Zentralgebiet, da hier auf den reichen Erzfeldern ein bedeutender Kupfer- und Zinkbergbau entstanden ist. Eine solche größere Ansiedlung umfaßt gewöhnlich 1—2 Hotels, eine Bankfiliale, das Postgebäude, ein Hospital, eine oder mehrere Kirchen, eine öffentliche Bibliothek, ein Kino und eine Anzahl Läden von Weißen oder Indern. Im Zentralgebiet liegt auch der Regierungssitz Lusaka mit 1350 weißen Einwohnern. An wichtigeren Orten sind noch folgende zu nennen (in Klammern die Zahlen der europäischen Einwohner) : Im Zentralgebiet: Bröken Hill (Zinkerzbergbau) (1400), im Kupfergürtel: Luanshya (1500), Mufulira (800), Nkana (2000), Ndola (1000). Im Süden liegt der ehemalige Regierungssitz Livings t o n e (1000), im Osten Fort Jameson, Zentrum des Tabakanbaugebietes (320) und im Norden Abercorn, Hauptplatz des Kaffeeanbaugebietes (80). 2. Klimatische und Gesundheitsverhältnisse Infolge der Höhe des Landes und infolge des Fehlens dichter Wälder ist das Klima Nord-Rhodesiens eher subtropisch als tropisch. Tropisch heiß sind nur die Täler des Sambesi und des Luangwa in seinem Unterlauf. Der Nordosten ist kühler, weil er höher liegt; das Klima des wärmeren Südwestens wirkt leicht erschlaffend. Der heißeste Monat ist der Oktober, in dem Temperaturen im Norden bis zu etwa 37 Grad, im Süden bis über 43 Grad vorkommen; jedoch kühlen sich auch im heißesten Monat die Temperaturen nachts stark ab. Der kühlste Monat ist der Juli. Der Regenfall ist ausreichend; er drängt sich in den Monaten November bis März zusammen, in welcher Zeit etwa 9/io der jährlichen Regenmengen fallen. April bis Juni kennt kaum Regen; im Nordostgebiet setzen im August die ersten leichten Schauer ein. Die folgende Uebersicht über die Temperatur- und Regenverhältnisse je eines Ortes im Norden, im Zentralgebiet und im Süden geben eine gute Vorstellung der klimatischen Verhältnisse : Klimatische Verhältnisse in N or d - R h o d e s i e n Durchschnitt der Jahre 1929/32 Ort Höhe über N.N. m Durchschnittstemperaturen in Celsiusgraden Jährl. Regenfall mm Jahres mittel Oktober Juli nöchst niedrigst höchst niedrigst höchst niedrigst Abercorn 1640 26 14 30 16 25 10,5 1200 Lusaka 1270 27 10 32 17 23 8 730 Livingstone 900 30 16 35 20 25 8 . 739 Die Gesundheitsverhältnisse des Nordost- Gebietes sind im ganzen recht gut. Malaria und Schwarzwasserfieber treten noch öfter auf; die Erkrankungsfälle und die Todesfälle gehen jedoch seit Jahren dauernd zurück. Im allgemeinen dürfte es genügen, wie in allen anderen Tropenländern, vorsorglich Chinin einzunehmen, unter Moskitonetzen zu schlafen, in der näheren Umgebung des Wohnhauses kein Buschwerk stehen zu lassen und keine Wasseransammlungen zu dulden. Die Regierung hat in den größeren Orten Hospitale; die Eisenbahn und die Missionsgesellschaften unterhalten einen ärztlichen Dienst fast über das ganze Land hin. 69

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