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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 65

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 65 (sequence 65)
Language
German
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Da* Küdkgrat der Wirtschaft Kenyas ist die Landwirtschaft. Der Bergbau beschränkt sich zur Zeit hauptsächlich auf die Ausbeutung der Goldfelder bei Kakamega im Nyanza-Distrikt; dort befinden sich etwa zehn größere und eine größere Anzahl kleinerer Abbaubetriebe mit vielleicht 11000 eingeborenen Arbeitern. Das Gold nimmt etwa die vierte Stelle im Wert der Gesamtausfuhr Kenyas ein. Man hat auch Eisen, Blei, Zink, Silber und Kupfererze gefunden; davon werden zur Zeit jedoch nur die Eisenerze in geringem Umfange von den Eingeborenen für ihre Zwecke ausgebeutet. Bemerkenswert ist die Gewinnung von Sodakarbonat aus dem in der Nähe der Grenze des Tanganjika-Gebietes gelegenen Magadi- See. Das Sodakarbonat wird an Ort und Stelle getrocknet und teilweise in kaustische Soda verarbeitet; mit 211 000 £ nahm es 1936 dem Wert nach die 5. Stelle in der Ausfuhr Kenyas ein. Die Industrie beschränkt sich im großen und ganzen auf die Verarbeitung der im Lande vorhandenen Rohstoffe. In größerer Zahl sind Sägemühlen, Seifen- und Konservenfabriken vorhanden; Zucker und Tee werden ebenfalls in der Kolonie verarbeitet. Es existieren auch eine Brauerei, eine Fleischmehlfabrik, Gerbereien, Schuhfabriken, Zementfabriken und Ziegeleien. Die Anlage einer Fleischextraktfabrik ist geplant, ebenso die Anlage einer Fabrik zur Verarbeitung der Sisalfasern. Seit einigen Jahren werden auch Aluminiumgeschirre für den örtlichen Bedarf in Kenya heigestellt. Die Einfuhr ist regelmäßig etwas höher als die Ausfuhr; der Wert der Einfuhr betrug im Jahre 1936 4,66 Millionen £, der Wert der Ausfuhr 3,89 Millionen £. Die Ausfuhr setzt sich, von den oben erwähnten mineralischen Erzeugnissen abgesehen, im wesentlichen aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen zusammen, auf die später noch eingegangen werden soll. Am Wert der Einfuhr sind einfache Baumwollstoffe für den Bedarf der Eingeborenen mit rund einem Viertel des Wertes beteiligt; fast ein weiteres Viertel entfällt auf Nahrungsmittel, Getränke und Tabak. Der Rest der Einfuhr setzt sich hauptsächlich aus Kraftwagen, Maschinen, Metallwaren, Brennstoffen und so weiter zusammen. Unter den Lieferanten Kenyas steht Großbritannien mit fast 45 v.H. des Wertes der Einfuhr an erster Stelle; es folgen Japan mit etwa 15 v.H., Tanganjika mit etwa 10 v.H., die Vereinigten Staaten mit 8 v.H. und Deutschland mit 6 v.H. In den letzten Jahren hat sich der Außenhandel, und zwar sowohl die Einfuhr wie die Ausfuhr, stark vergrößert; es läßt sich dies dahin deuten, daß sich hierin die günstige wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie zeigt. B. Die Landwirtschaft 1. Der Acker- und Plantagenbau Infolge der klimatischen Bedingungen umfaßt die Landwirtschaft in Kenya Gewächse sowohl der tropischen wie der gemäßigten Zone. Die klimatischen und Bodenverhältnisse ergeben unter landwirtschaftlichem Gesichtspunkt drei völlig verschiedene Gebiete: Die Küstenzone und die Randgebiete des Victoria-Sees, die tropisch feucht-warm sind und in denen die typischen Tropenpflanzen gedeihen, und andererseits das Hochland, das für den Anbau von Pflanzen der gemäßigten Zone, ferner Kaffee, Tee usw. geeignet ist. Die dritte Zone bildet der trockene, stellenweise sogar wüste Streifen zwischen der Küste und dem Hochland. Wenn auch die Regenfälle im allgemeinen jahreszeitlich gut verteilt sind, so leidet die Landwirtschaft doch von Zeit zu Zeit darunter, daß die Regenfälle nicht rechtzeitig eintreffen; auch Heuschrecken treten von Zeit zu Zeit in sehr großen Massen auf, so daß die Ernten zerstört werden. Die letzte bedeutende Heuschreckenplage war im Jahre 1929 zu verzeichnen. Von den wichtigeren Erzeugnissen werden Sisal, Tee, Weizen, Pyrethrum und ätherische Oele ausschließlich von Europäern angebaut. Kaffee, Mais, Zuckerrohr, Wattie- Akazien, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Obst werden von Europäern, Afrikanern und Indern angepflanzt. Baumwolle, Hirse und einige andere Gewächse sind typische Erzeugnisse der Wirtschaft der Eingeborenen. Im einzelnen ist zu den Anbauverhältnissen noch folgendes zu sagen: Mais spielt in Kenya eine große Rolle und wird allgemein im Zusammenhang mit Viehwirtschaft angebaut. Weizen ist eine der ältesten Kulturen, leidet aber unter der zeitweiligen Trockenheit, da er längere regenlose Zeit nicht verträgt. Die Produktion reicht für den örtlichen Bedarf nicht aus. Kaffee ist eines der wichtigsten Produkte der Kolonie und ist unter dem Namen Nairobi- oder Kenya-Kaffee als gute Qualität im Welthandel bekannt. In der Hauptsache gedeiht er in der Höhenlage zwischen 1600 und 2000 m; er bringt erst vom dritten Jahr ab nennenswerte Erträge. Kaffeeland kostete in letzter Zeit £ 4—15 je Acre; die Pflanzung soll etwa 150 Acres groß sein. Als erforderliches Kapital sieht man etwa £ 3000 an. Im Jahre 1936 wurden 20 000 Tonnen Kaffee für die Ausfuhr bereitgestellt. Tee: Der Anbau hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Erzeugung deckt zur Zeit nicht nur den örtlichen Bedarf, sondern es wird bereits exportiert. Die Ausfuhr hat so stark zugenommen, daß die Erweiterung der Teepflanzungen gesetzlich eingeschränkt worden ist. In der Tee- Saison 1930 wurde für £ 8192 Tee ausgeführt, während 1936 bereits für £ 200 000 ausgeführt wurde. Die Anpflanzung von Sisal ist nur auf großkapitalistischer Grundlage möglich. Die Pflanzen tragen vom dritten oder vierten Jahre ab und liefern dann einen Faserertrag von 3Va Tonnen pro Acre. Plantagenbetrieb ist notwendig, weil die Sisalblätter unmittelbar nach der Ernte wegen der bestehenden Fäulnisgefahr verwandt werden müssen. Zur Aufarbeitung ist eine kostspielige Maschinenanlage Voraussetzung. Der Preis für Sisalland wird mit 2 Sh. je Acre angegeben. Als notwendiges Kapital werden bei einer Pflanzungsgröße von 2000 Acres einschließlich der Maschinenanlagen usw. £ 20000 bezeichnet. Die Sisalausfuhr ist bedeutend. Rohrzucker spielt in der Landwirtschaft eine große Rolle. Kokosnüsse, Erdnüsse, tropische Früchte, Pyrethrum (ein Vertilgungsmittel gegen schädliche Insekten), Baumwolle, Kopra, Sesam werden seit Jahren vorzugsweise von den Eingeborenen angebaut, neuerdings auch von Europäern. Pyrethrum ist besonders lohnend, da es einen höheren Gehalt des Giftstoffes aufweist als das japanische Pyrethrum und mit wenig Mühe angebaut wird. Europäisches Obst: Die neuesten Versuche des Anbaues sind aussichtsreich. Wa ttl e-Akazien: Die Rinde wird zur Gewinnung von Gerbstoffen verwendet. Einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes, der im Export eine wichtige Rolle spielt. Bohnen wachsen in den verschiedensten Sorten, ebenso auch Erbsen. Kartoffeln werden in erheblichem Umfange angebaut und ergeben große Ernten. Bemerkenswert ist noch der große Waldreichtum des Landes. Das gesamte Waldgebiet wird auf rund 2,6 Millionen Acres angegeben, wovon 1,2 Millionen nutzbares Holz enthalten. 2. Viehzucht Kenya hat viele zur Viehzucht geeignete Flächen; jedoch sind diese in den letzten Jahren durch zu starke Besetzung mit Vieh vielfach verdorben worden. Nach der letzten Zählung waren im Besitz von Europäern 256 000 Stück Rindvieh, die Eingeborenen besaßen dagegen 5 Millionen Stück. Das einheimische Vieh ist durch Kreuzung mit importiertem wesentlich verbessert. Das Vieh wird hauptsächlich für Milch- und Butterproduktion gehalten. Die besten Bedingungen für derartige Vieh- Herbert Israel Liebenthal Spedition Mitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin SW 68 Dresdner Straße 76 Umzngstransporte nach allen Erdteilen Telefon: 67 5» 46 65

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