Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 64 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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Tropenkrankheiten wie Dysenterie, Typhus und Schwarzwasserfieber kommen selten vor, ebenso tritt Malaria nur vereinzelt und in leichter Form auf. Tuberkulose ist selten und heilt im Hochlandklima rasch aus. Wenn also die gesundheitlichen Verhältnisse an sich günstig sind, so ist andererseits Schutz gegen die starke Sonnenstrahlung notwendig. Das Leben in den Höhen von über 1000 m erfordert auch vollständig gesunde Menschen; Personen mit schwachem oder kranken Herzen sind ungeeignet. Die Kinder wachsen in diesem günstigen Klima gut heran; Schwierigkeiten in der Entwicklung sollen allerdings zur Pubertätszeit — etwa zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr — auftreten, indem die körperliche Reife sich schneller vollzieht als die geistige Entwicklung. In einigen Städten und großen Plätzen befinden sich Krankenhäuser und Kliniken für Weiße, die zum Teil von der Regierung geleitet werden. Auch in den Eingeborenengebieten kann man bei den Missions- und Regierungsstationen ärztliche Hilfe haben. 3. Bevölkerung und Kulturverhältnisse Die Bevölkerung Kenyas belief sich Anfang 1938 auf insgesamt 3 253 000 Köpfe. Davon entfielen nur rund 80 000 auf andere als Eingeborene, nämlich ungefähr 20 000 Weiße, 45 000 Inder, 15 000 Araber und andere. Die Eingeborenen wohnen hauptsächlich in den ihnen vorbehaltenen „Reservats"-Gebieten und beschäftigen sich in der Hauptsache mit Viehzucht, neuerdings auch mit Ackerbau. Sie nehmen zwar Dienst bei den Farmern an, doch mangelt es zuweilen während der Erntezeit an Arbeitern. Die Küstenbevölkerung besteht hauptsächlich aus Suaheli; die übrige Eingeborenenbevölkerung sind hauptsächlich Bantu. Im Süden sitzen Massai, ein Viehzüchterstamm. Die 20 000 Weißen wohnen hauptsächlich im Hochland. Von ihnen sind etwa 2000 in der Landwirtschaft, etwa 1000 in der Industrie tätig, und etwa 2000 im Handel, der Rest entfällt im wesentlichen auf die Verwaltung und die freien Berufe und auf pensionierte englische Offiziere u. dergl. Inder und Araber haben sich hauptsächlich an der Küste niedergelassen; sie sind überwiegend als Handwerker und im Kleinhandel tätig, ein Teil der Inder treibt auch Großhandel. Wie für alle Kolonialgebiete ist auch für Kenya ein Mangel an Frauen unter den Nichteingeborenen kennzeichnend; es ist deshalb bevölkerungspolitisch wichtig, die Einwanderung weißer Frauen zu fördern, zumal sie verhältnismäßig leicht Beschäftigung finden. Die Bevölkerungsdichte des Landes ist mit etwa fünf Einwohnern je Quadratkilometer verhältnismäßig dünn, die Verhältnisse liegen in den einzelnen Gebieten jedoch durchaus verschieden. Während der wüste Nordosten nahezu unbewohnt ist, sind die Hochlandssiedlungsgebiete schon recht dicht bevölkert. Die wichtigsten Orte sind der Hafen Mombasa mit etwa 50 000 Einwohnern (davon rund 1000 Europäer), und der Verwaltungssitz und die Hauptstadt Nairobi mit 50 000 Einwohnern, wovon etwa 5600 Europäer. Nairobi hat Krankenhäuser, Grundschulen und Höhere Schulen, deren Schüler zum Teil auch Hochschulreife erlangen können. Als weitere größere oder wichtige Plätze sind etwa folgende noch zu nennen: Nakuru, 1800 m hoch gelegen, mit 1200 Weißen, ist sie die drittgrößte europäische Siedlung; sie hat eine europäische Schule und ein Krankenhaus, — Eldoret, 2097 m hoch gelegen, mit 1000 Weißen und guten Schulen; in der Nähe der Goldfelder von Kakamega, — L i m u r u (Kaffee-, Tee-, Sisalplantagen), — Naivasha (Vieh- und Pferdefarmen), — L u m b w a, eine der ältesten Siedlungen, mit Viehfarmen. Die Eingeborenenbevölkerung ist größtenteils heidnisch; in den Küstengebieten ist der mohammedanische Glaube vorherrschend. Die wichtigste Sprache neben dem Englischen ist Suaheli, das im ganzen Lande gesprochen wird und von jedem Europäer beherrscht werden sollte. Die gesamte Zahl der Juden in Kenya beträgt etwa 300. Der größte Teil von ihnen wohnt in Nairobi, wo sich die Gemeinde auch organisiert hat und wo sich eine Synagoge und ähnliche Einrichtungen befinden. Eine größere Anzahl von Juden lebt auch in Mombasa; einzelne Juden sind über das ganze weiße Siedlungsgebiet verstreut. Die Juden in Kenya sind meist östlicher Herkunft. Da die Arbeits- und Lebensbedingungen der Tropen mancherlei Hindernisse bilden, ist das religiöse Leben zur Zeit noch recht schlecht ausgebildet; dagegen sind die kulturellen Einrichtungen weiter fortgeschritten. Das allgemeine Kultur- und gesellschaftliche Niveau im weißen Siedlungsgebiet hat vollkommen englische Prägung. Insbesondere wird von Weißen vorbildliche Haltung in jeder Beziehung gefordert. Die Einwanderungspolitik der Regierung richtet sich daher auch darauf, nur ausgewähltes Menschenmaterial hereinzulassen. Eine starke weiße Besiedlung wird durchaus gewünscht, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Einwanderer kulturell hochstehende Menschen sind. Vor allem wird auch Wert darauf gelegt, daß sie Landwirtschaft betreiben und fähig sind, landwirtschaftliche Betriebe gut zu leiten. Damit nach üirer Berufsausbildung und auch sonst nicht geeignete Personen nicht das Land überschwemmen, wird die Auswahl sehr streng gehandhabt und immer nur eine beschränkte Anzahl von Einwanderern zugelassen. Erst wenn die bereits zugewanderten Einwanderer sich bewährt haben, kann man damit rechnen, daß die Nachwanderung sich in schnellerem Zeitmaß vollziehen darf. '. Verwaltung Staatsrechtlich ist Kenya seit 1920 englische Kronkolonie. Nur ein schmaler Streifen an der Küste ist das sogenannte Protektorat; es handelt sich um Gebiete des Sultans von Zanzibar, die seit 1895 an England verpachtet sind. An der Spitze der Verwaltung steht der vom englischen König als Stellvertreter ernannte Gouverneur. Ihm stehen ein Verwaltungsrat von 12 Mitgliedern und ein gesetzgebender Rat von 32—40 Mitgliedern zur Seite. Während die Mitglieder des Verwaltungsrats durchweg von der Regierung ernannt werden, werden 16 Mitglieder des gesetzgebenden Rates gewählt (11 Europäer, 5 Inder und 1 Araber). Zur Verteidigung der Interessen der Eingeborenen werden 2 Mitglieder ernannt. Von den übrigen Mitgliedern gehört der größere Teil kraft seiner sonstigen Aemter dem gesetzgebenden Rat an. Die Gesetzgebung erfolgt durch Verordnung des Gouverneurs unter Anhörung und Zustimmung des gesetzgebenden Rates; die Rechtsprechung für Weiße richtet sich im wesentlichen nach englisch-indischem Recht. Das Budget der Kolonie betrug im Jahre 1936 rund 3,5 Millionen £ Einnahmen und rund 3,35 Millionen £ Ausgaben; in den letzten Jahren ergab sich fast stets ein Einnahmeüberschuß. Etwa ein Viertel der Einnahmen entstehen aus Zöllen; nahezu ein Drittel aus Steuern, Abgaben usw. Eine Einkommensteuer wird nicht erhoben, dagegen eine Kopfsteuer, eine Erziehungssteuer, eine Erbschaftssteuer und von den Eingeborenen auch eine Hüttensteuer. Die Staatsschuld betrug Ende 1936 rund 1?,6 Millionen £. Sie ist aus Darlehen von England entstanden, die hauptsächlich zum Eisenbahnbau verwendet wurden. III. Die Wirtschaft A. Allgemeines Die Entwicklung der Kolonie Kenya begann erst vor etwa 35 Jahren nach Abschluß des Baues der Uganda-Bahn; ein früherer Gouverneur sagte: „Die Uganda-Bahn hat das Land nicht etwa erst erschlossen, sondern überhaupt erst ein Land geschaffen." Heut ist das siedlungspolitisch wertvolle Hochland. durch ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz erschlossen und mit dem Hafen Mombasa verbunden. Auf der anderen Seite setzt sich das Eisenbahnnetz in das Uganda-Protektorat fort; im Süden geht das Bahnnetz in das Tanganjika-Gebiet über. Das Eisenbahnnetz wird durch ein Netz von Autostraßen ergänzt, von dem allerdings ein großer Teil nur bei trockenem Wetter befahrbar ist. 64