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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 56

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 56 (sequence 56)
Language
German
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ländische Industrie nur geringen Zollschutz gegen die englische Konkurrenz, während sie — und dies ist wichtig — mit recht erheblichen Zöllen gegen die Einfuhr aus Nicht-Empire-Ländern geschützt ist. Nun bietet freilich die kolossale Entfernung Neu-Seelands von England — man hat gesagt, die nächste Verbindung zwischen den beiden Inselgruppen sei ein Tunnel mitten durch die Erde! — der neuseeländischen Industrie einen gewissen Schutz, doch darf dieser nicht überschätzt werden. Denn während innerhalb Neu-Seelands die hohen Gebirge den Landtransport außerordentlich erschweren und verteuern, bietet die hafenreiche Küste dem neuseeländischen Importeur die Möglichkeit, englische oder australische Waren in den wichtigsten Städten — die ja fast alle am Meer liegen — verhältnismäßig billig anzubieten. Die Bedeutung dieses Faktors wird klar, wenn man sich folgende Zahlen vergegenwärtigt: In Wellington, der zentral gelegenen Stadt, beträgt die Fracht nach anderen Städten der Nordinsel: nach Auckland 24 sh 6 d., nach New Plymouth 25 sh, nach Gisborne 29 sh 6 d. Währenddessen kann man von England die gleichen Waren nach jedem beliebigen Hafen Neu-Seelands für 65 sh verfrachten, und von Australien sogar für nur 36 sh. Allerdings halten die Ueberseedampfer nicht in allen Häfen, so daß häufig zu den Dampferfrachten noch weitere Transportkosten hinzukommen würden. Aber in den großen Städten, die von Ueberseedampfern angelaufen werden, macht sich die englische und australische Konkurrenz überaus fühlbar, so daß als einigermaßen geschützter Markt für den neuseeländischen Fabrikanten mehr das schwer zugängliche Hinterland in Frage kommt. Nimmt man hinzu, daß die Bevölkerung von etwa I1/2 Millionen Menschen für alle Artikel der modernen Massenproduktion überhaupt nur ein sehr geringes Absatzfeld bietet (wenn auch die Kaufkraft dieser kleinen Bevölkerung hoch ist), so werden die Haupthemmnisse der neuseeländischen Industrie schon deutlich. Endlich spielen in dieser Hinsicht die hohen Löhne und sozialen Lasten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vergegenwärtigt man sich diese Schwierigkeiten, so ist die Mannigfaltigkeit der in Neu-Seeland erzeugten Industrieartikel bewundernswert. Freilich, gewisse Produkte der modernen Industrie werden in Neu-Seeland noch nicht hergestellt. Betrachtet man die Industrie des Landes im ganzen, so sind zwei Hauptzweige zu unterscheiden. Einmal handelt es sich um diejenigen Industrien, die wir fast überall finden, wo eine starke Erzeugung bestimmter landwirtschaftlicher Export-Artikel stattfindet (zum Beispiel auch in dem mit Neu-Seeland vielfach konkurrierenden Argentinien); so schließt sich an die Viehzucht die Herstellung von Gefrierfleisch, von Fleischkonserven, von Kühlfleisch, von Bacon usw. an, ebenso die Butter- und Käseproduktion, die Wollwäscherei und die Kürschnerei. In diesen Zusammenhang gehören wegen ihrer engen Verbindung mit der Urproduktion auch die Düngemittelindustrie und die Sägemühlenindustrie. Alle diese Zweige sind in Neu-Seeland zu einer recht erhebliche» Entwicklung gediehen. Den andern Hauptzweig der neuseeländischen Industrie bildet die mit der Urproduktion nicht unmittelbar verbundene Herstellung von Gebrauchsartikeln oder Produktionsmitteln. Von diesen werden in Neu-Seeland u. a. folgende erzeugt: Eisenbahnlokomotiven, Beton-Mischer, Nägel, Radioapparate, Musikinstrumente, Aluminiumwaren, Grammophone, Tonfilm-Apparate, Gasöfen, elektrische Oefen, Feuerlöscher, Kühlapparate, Mähmaschinen, Waschmaschinen, Drahtmatratzen usw.* Ferner folgende Konsumartikel: Kammgarnstoffe, Decken, Seidenstrümpfe, Korsetts, Lederwaren, Handschuhe, Schirme, Filzhüte, Zigaretten, Zahnbürsten, Gesichtscreme, Spiegel, Papier, Schokolade, Margarine, Mineralwasser usw. Folgende Uebersicht zeigt die Bewegung der neuseeländischen Industrieproduktion dem Werte nach und die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte in den letzten Jahren. Die Zahlen umfassen weder die sogenannten Public Utilities, d. h. im wesentlichen die öffentlichen Verkehrsunternehmungen und solche Betriebe wie Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, noch die früher erwähnte Aufbereitung landwirtschaftlicher Artikel. Jahr, endend Zahl der beschäftigten Wert der Produktion am 31. März Arbeitskräfte inI000N.Z.£ 1930 66 000 43 250 1931 62 000 39 200 1932 53 000 31000 1933 53 000 30 000 1934 55 000 31750 1935 62 000 36 000 1936 66 000 (Schätzung) 38 000 (Schätzg.) Die Zahl der Industriebetriebe nahm während der schlimmsten Jahre der Wirtschaftskrise ab, um in letzter Zeit — wohl besonders infolge der stärkeren Entwertung der neuseeländischen Währung gegenüber der englischen, die auf die neuseeländische Industrie wie ein starker Zollschutz wirkt — wieder zuzunehmen. So betrug die Gesamtzahl der Industriebetriebe 1929/30 5168, 1931/32 nur noch 4969, aber 1935/36 wieder 5536. Der größte Teil der neuseeländischen Industriebetriebe gehört dem Typus des Mittel- oder Kleinbetriebes an. Im Gesamtdurchschnitt der neuseeländischen Industrie sind etwa 15 Personen in jedem Betrieb beschäftigt. Auch heute noch ist also Neu-Seeland ein Land der Klein- und Mittelbetriebe; die Konkurrenz ist nicht übermäßig scharf; es herrscht mehr ein Geist des „leben und leben lassen". 5. Außenhandel Ueber die ausschlaggebende Rolle des neuseeländischen Außenhandels innerhalb der Gesamtwirtschaft ist schon oben das wichtigste gesagt worden; ebenso über das Vorherrschen einiger weniger Produkte innerhalb der neuseeländischen Ausfuhr. Betrachten wir jetzt die Zusammensetzung der Einfuhr, so ergibt sich, daß es sich hier ganz überwiegend um industrielle Fertigwaren handelt. In dem Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 1936 bis 30. Juni 1937 betrug die neuseeländische Einfuhr insgesamt 50.195.410 Pfund. Die folgende Tabelle zeigt die Hauptposten der neuseeländis chen Einfuhr £N. Z. v. H. Textilwaren 5 692 000 11,9 Kraftfahrzeuge 5 034 000 10,6 Brennstoffe, Schmieröle, Autoreifen und -teile 2 981 000 6,3 Papier, Papierwaren und Bücher 1 207 000 2,5 Eisen und Stahl 1 441 000 3,0 Elektrische Waren 1 986 000 4,2 Tee 697 000 1,5 Zucker 728 000 1,5 Eisenkurzwaren und Stahlwaren 863 000 1,8 Tabak und Zigaretten 857 000 1,8 Düngemittel 647 000 1,4 Ton-, Porzellan- und Glaswaren 696 000 1,4 Teppiche und Linoleum 780 000 1,6 Stiefel und Schuhe 595 000 1,2 Holz 457 000 1,0 Landwirtschaftliche und Molkereimaschinen 493 000 1,0 Whisky 413 000 0,9 Radioapparate 506 000 1,1 Säcke und Tüten 340 000 0,7 Strumpf-, Trikot- und Wirkwaren 274 000 0,6 Dem aufmerksamen Betrachter bietet dieses Bild der Einfuhr mit den charakteristisch hohen Posten für solche Luxus-Artikel, wie Autos und Autoteile, Radio-Apparate, Whisky usw., zugleich einen Einblick in den erstaunlich hohen Lebensstandard des Landes, an dem fast alle Volksschichten teilhaben. Die Richtung des neuseeländischen Außenhandels, insbesondere die überragende Stellung Englands als Abnehmer, aber auch als Lieferant für Neu- Seeland, geht aus folgenden Zahlen hervor: Abnehmer und Lieferanten Neu-Seelands 1936 Export Import v.H. v. H. Vereinigtes Königreich (England) 80,16 49,51 Vereinigte Staaten 5,07 12,52 Australien 3,25 11,20 Canada 1,95 7,53 Uebrige Länder 9,57 19,24 100,00 100,00 56

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