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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 50

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 50 (sequence 50)
Language
German
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Regenmengen auf der Westseite bewirken gleichzeitig niedrigere Sommer- und höhere Wintertemperaturen, das heißt ein gleichmäßigeres Klima, während für die Ostseite größere Extreme bezeichnend sind. Infolge seiner Gestalt und Lage — zwei schmale Inseln in der Weite des Ozeans — müßte das Klima Neu-Seelands ganz maritimen Charakter tragen; tatsächlich bringen aber die hohen Gebirge, besonders auf der Südinsel, erhebliche Abweichungen hervor; auf der letzteren hat das Klima verhältnismäßig kontinentale Züge. Da die hohen Gebirge den vorherrschenden Winden Widerstand entgegensetzen und eine Mischung der verschiedenen Luftschichten hervorrufen, so wird auch verhindert, daß sich die Luft in Schichten von verschiedener Dichtigkeit ablagert; infolgedessen gibt es auch selten sehr ausgedehnte und anhaltende Bewölkung, und Neuseeland genießt verhältnismäßig sehr viel Sonnenschein. Dies ist um so wichtiger, als das Land einen so starken Regenfall aufweist. 3. Bevölkerung Neu-Seeland ist zum größten Teil erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Weißen besiedelt, also noch viel später als selbst Australien erschlossen worden. Vor einem Jahrhundert, 1840, dürften nicht mehr als 2000 Weiße in Neu-Seeland gewesen sein; aber während der folgenden 20 Jahre brachten Goldfunde, die Entwicklung der Landwirtschaft und die Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten viele Tausende ins Land, und um 1880 zählte Neu-Seeland etwa V2 Million Weiße. Doch wurde danach der Zustrom schwächer; im Jahre 1901 zählte man 373 000 Einwohner, 1911 etwas über eine Million, 1921 etwa 1,2 Millionen, und 1926 1,344 Millionen. Bei der Zählung im März 1936 betrug die Bevölkerung 1573 810 Personen, einschließlich der 82 300 Maoris. Die Bevölkerungsdichte betrug 5 Personen auf den Quadratkilometer (gegen 140 in Deutschland). Auf Neu-Seeland besteht, wie in den meisten Einwanderungsländern, ein Männerüberschuß, der 1936 etwa 20 000 betrug; d. h. auf 1000 Männer kamen ungefähr 980 Frauen. Obwohl die Geburtenzahl (auf je 1000 Einwohner berechnet) auch auf Neu-Seeland sehr stark gefallen ist und im Jahre 1936 nur noch 16,6 betrug, bleibt infolge der äußerst niedrigen Sterblichkeit (1936 nur 8,75) noch ein nicht unbeträchtlicher Geburtenüberschuß (1936 rund 8,0). Die Bevölkerung lebt zum größten Teil auf der Nordinsel (etwa 62 0/0, abgesehen von den Maoris). Nach der Zählung von 1936 lebte über die Hälfte der Bevölkerung (rund 59 v. H.) in den Städten, was bei der außerordentlichen Bedeutung der neu-seeländischen Landwirtschaft und Viehzucht gegenüber den anderen Erwerbszweigen erstaunlich erscheinen könnte. Der Herkunft nach ist die weiße Bevölkerung fast rein britisch; im Jahre 1921 waren 98,43% aller weißen Einwohner im Britischen Weltreich geboren, und zwar 74,39 °/o in Neu-Seeland, 19,54 °/o im Vereinigten Königreich (England) und 3,94 °/o in Australien; und selbst von den im nichtbritischen Ausland Geborenen stammte ein erheblicher Teil von englischen Eltern ab oder besaß die britische Staatsangehörigkeit, so daß der Anteil der nichtbritischen Bevölkerung verschwindend gering war. Dieser Herkunft der Neu-Seeländer entsprechend liegen ihre Religionsverhältnisse folgendermaßen: im Jahre 1926 waren rund 41 v. H. Mitglieder der anglikanischen Kirche, während 25 v. H. Presbyterianer, nicht ganz 13 v. H. Katholiken und 9 v. H. Methodisten waren. Die Zahl der Juden betrug 1926 etwa 2591, wovon 2121 auf der Nordinsel und 470 auf der Südinsel lebten. Von den Juden der Nordinsel entfielen fast alle auf die beiden volkreichsten Bezirke Auckland und Wellington; in der Hauptstadt Wellington wohnten an 900 Juden, in Auckland (Stadt) etwa 850. Auf der Südinsel zählte Dunedin etwa 190 Juden, Christchurch etwa 180. Neben den Weißen spielen nur die Maoris in Neu- Seeland eine nennenswerte Rolle — eine besonders begabte und in vieler Hinsicht einzigartige Eingeborenenrasse, die erst nach langen, blutigen Kämpfen, in denen sie außerordentliche Tapferkeit an den Tag legte, unterworfen wurde. — Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist heute die Zahl der Maoris unbeträchtlich. Es ist aber bemerkenswert, daß die Maoris wohl im gesamten britischen Weltreich die einzige Eingeborenenrasse sind, die vollkommene Gleichberechtigung — auch in gesellschaftlicher Hinsicht — genießen. Die Regierung sorgt dafür, daß sie ihre eigenartige Kultur und ihre Traditionen erhalten können, und daß ihnen auch wirtschaftlich eine gewisse Existenzbasis verbleibt; Landverkäufe von Maoris an Weiße werden von dem „Native Land Court" streng überwacht. Die Maoris haben heute eigene Vertreter im Parlament. Etwa 130 eigene Schulen mit fast 6000 Schülern sorgen dafür, daß die Maoris unter Aufrechterhaltung ihrer kulturellen Werte am modernen Fortschritt teilnehmen können. 4. Staatsform, Innen- und Außenpolitik Neu-Seeland, das von den Holländern im 17. Jahrhundert entdeckt und benannt worden war, wurde im Jahre 1840 — also noch bevor eine nennenswerte Besiedlung durch Weiße stattgefunden hatte — von England annektiert. Schon im Jahre 1852 erhielt es vom Mutterland das Recht der Selbstverwaltung (seif-government); die Kolonie wurde in sechs verschiedene Provinzen aufgeteilt, von denen jede ihre beratende Versammlung wählte; alle unterstanden aber der gleichen Kolonialgesetzgebung. Diese Einteilung hing damit zusammen, daß die Besiedlung Neu-Seelands im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, nicht von einem einzigen Punkt ausging, sondern daß schon frühzeitig sechs verschiedene Siedlungen bestanden, zwischen denen nur ein unregelmäßiger und seltener Verkehr stattfand: Auckland, Wellington, Nelson, New Plymouth, Canterbury und Otago. 1876 wurde dieses Provinzialsystem abgeschafft und die Befugnisse, die früher durch Provinzialbeamte ausgeübt worden waren, gingen nun zum Teil auf den Gouverneur über (dieser trägt seit 1917 den Titel Generalgouverneur), zum anderen Teil auf Ortsbehörden. Heute ruht die gesetzgebende Gewalt beim Generalgouverneur und der „Generalversammlung". Diese besteht aus zwei Kammern: dem Gesetzgebenden Rat und dem Repräsentantenhaus. Der Generalgouverneur, der als Vertreter der englischen Krone gilt, aber beim heutigen Stande der Entwicklung niemals ohne vorherige Zustimmung, wenn nicht sogar auf direkten Vorschlag des Dominions, ernannt wird, hat sehr weitgehende Befugnisse — er kann Gesetzesentwürfen seine Zustimmung erteilen oder verweigern, und ihm obliegt es, das Parlament einzuberufen, zu vertagen oder aufzulösen. Auch kann er Gesetzesentwürfe nach Belieben zuerst der einen oder anderen Kammer zuleiten usw. Der Gesetzgebende Rat besteht zur Zeit aus 39 besoldeten Mitgliedern, die auf sieben Jahre bestellt sind. Dagegen zählt das Repräsentantenhaus 80 Mitglieder, die nach allgemeinem Wahlrecht — seit 1924 besteht sogar gesetzlicher Wahlzwang! — gewählt werden; von den 80 Abgeordneten müssen vier Maoris sein. Jeder Wähler muß mindestens ein Jahr im Dominion und wenigstens drei Monate in seinem Wahlbezirk gelebt haben. Die Exekutive wird nach englischem parlamentarischem System gebildet, das heißt der Führer der jeweiligen Mehrheitspartei oder Parteien - Koalition wird Premierminister und bildet die Regierung. Die örtliche Verwaltung geht von den örtlichen Wahlkörperschaften aus, die auch das Recht der Besteuerung haben. Das Parteiensystem Neu-Seelands ist dadurch gekennzeichnet, daß die konservative und die liberale Partei sich angesichts der Weltwirtschaftskrise, die auch die neu-seeländische Volkswirtschaft überaus schwer traf, im September 1931 zur Koalitionspartei zusammenschlössen und die Regierung bildeten. Aber obwohl sich die Wirtschaftslage des Landes in den nächsten Jahren wesentlich hob, unterlag diese Koalitionspartei bei den letzten Wahlen, und zum ersten Male in der Geschichte Neu-Seelands regiert jetzt die Arbeiterpartei, als deren Führer der Premierminister S a v a g e und der radikale Finanzminister Nash gelten können. Nachdem Neu-Seeland schon seit Jahrzehnten als eines der sozial fortgeschrittensten Länder — als „Arbeiterparadies" in gleicher Weise wie Australien — gegolten hat, versucht jetzt die Arbeiterpartei noch weitere Erleichterungen für die Arbeiterschaft einzuführen und vor allem die immer noch in gewissem Umfang bestehende 50

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