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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 49

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 49 (sequence 49)
Language
German
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von Wohl enttäuscht werden. Im ganzen handelt es sich um moderne Städte, die einen durchaus englischen Charakter aufweisen; in besonderem Maße gilt dies allerdings für Christchurch. Drei der Städte liegen am Meer und auch die vierte, Christchurch, liegt nicht weit ab von der See und wächst ihr immer mehr entgegen. Ueberhaupt gehört der Zusammenhang mit dem Meer durchaus zum Leben der Neu-Seeländer, die verhältnismäßig schmale Inseln in der ungeheuren Weite des südlichen Pazifik bewohnen; ihr Bewußtsein ist hierdurch stark beeinflußt. Auckland besitzt eine ausgezeichnete Lage zwischen zwei Häfen. Von hier aus gehen die häufigsten Verbindungen nach Australien und nach der Westküste Amerikas. Wirtschaftlich beruht der Wohlstand von Auckland zum großen Teil auf dem Export von Butter, die in der fruchtbaren Umgebung erzeugt wird. Blaue bewaldete Hügel geben der Stadt einen malerischen Hintergrund. Die Stadt erstreckt sich über eine hügelige Landenge und zahlreiche Krater erloschener Vulkane in der Umgebung sind voll landschaftlicher Schönheit. Hafen und Golf von Auckland bieten einen idealen Tummelplatz für Yachten, und im Sommer spielt der Wassersport jeglicher Art im Leben der Stadt eine große Rolle. Auckland ist eine Gartenstadt, — fast jedes Haus hat hier seinen Garten. Es gibt auch arme Viertel, aber sie sind nicht zu vergleichen mit den „Slums", den Elendsvierteln der meisten europäischen oder gar nordamerikanischen Städte. Auckland besitzt ein verhältnismäßig warmes, feuchtes Klima und eine üppige Vegetation; der subtropische Einschlag ist hier viel stärker als in den anderen drei wichtigsten Städten. Die Hauptstadt Wellington liegt sehr schön an der Meerenge, die die beiden Hauptinseln Neu-Seelands voneinander trennt. Wellington ist berüchtigt wegen seiner außerordentlich windigen Lage; sein Klima ist überhaupt frischer und rauher als das Aucklands, obwohl Wellington mehr Sonnentage zählt als die größere Schwesterstadt. Wellington gilt als eine Stadt harter Arbeit; und der Horizont seiner Bewohner ist weiter und weniger provinziell als der der anderen Städte. Da Wellington die Hauptstadt des Dominiums ist, besitzt es eine ziemlich große Beamtenbevölkerung, und das intellektuelle Leben wird durch die Anwesenheit der Regierungsmitglieder angeregt. Besondere Anziehungspunkte in Wellington sind die Turnbull-Bücherei und das Dominion-Museum. — Auf einem Hügel oberhalb des Geschäftsviertels steht das Victoria University College. Wellington hat nämlich ebenso wie Christchurch und Auckland ein eigenes Universitäts-College; diese bilden zusammen die eigentliche Universität von Neu-Seeland. Auch Dunedin besitzt eigene Colleges, die aber einen eigenen Namen (Universität von Otago) führen. Zwischen Wellington und Christchurch, die miteinander durch den sogenannten steamer-expreß (einen Eisenbahnzug, der auf einer Fähre übergesetzt wird) verbunden sind, dehnen sich die berühmten Canterbury- P1 a i n s aus, riesige fruchtbare Ebenen, die den Mittelpunkt der neu-seeländischen Schafzucht^ wie auch des Getreidebaus bilden. Diese landwirtschaftlichen Produktionsgebiete haben der Stadt Christchurch selbst auf das stärkste ihren Stempel aufgedrückt. Christchurch steht in viel engerer Verbindung mit dem flachen Lande als irgendeine der anderen großen Städte Neu-Seelands. Hier finden die großen landwirtschaftlichen Ausstellungen statt, die jeder Einwohner von Christchurch besucht, und hier ist das Interesse an der Preisentwicklung für Wolle, Hammelfleisch, Weizen und die anderen wichtigsten Exportprodukte Neu-Seelands am stärksten entwickelt. In kultureller Hinsicht ist Christchurch eine durch und durch englische Stadt, und soll besondere Aehnlichkeit mit der berühmten Universitätsstadt Cambridge haben. Wenn aber Christchurch in vieler Hinsicht das getreue Abbild einer beschaulichen englischen Mittelstadt bildet, so hat es doch andererseits eine nicht unwichtige Industrie entwickelt und weist auch politisch gewisse radikale Tendenzen auf. In klimatischer Hinsicht ist hervorzuheben, daß der Sommer hier heiß und trocken zu sein pflegt; im Winter fällt gelegentlich Schnee, aber die Tage sind oft hell und klar, und die Luft ist so durchsichtig, daß zuweilen wunderbare Fernsichten auf das Alpenvorland möglich sind. Dunedin ist die kleinste der genannten vier Städte; doch liegt dies nicht an einem Mangel an Unternehmungsgeist seiner Bewohner, sondern an der Tatsache, daß das Hinterland dieser Stadt, d.h. die Provinz von Otago und die Teilprovinz von Southland, nur beschränkte Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Ein Teil des Gebiets ist zwar erstklassiges Ackerland, das auch gründlich ausgenutzt wird; weite Strecken aber werden von hochragenden Bergen, von Alpenseen oder Fjorden bedeckt. Dunedin trägt einen ausgesprochen schottischen Charakter. Von Schotten gegründet, zeigt es auch heute einen strengen und ernsten Geist, der besonders Erziehungsfragen zugewandt ist. Sieht man von den genannten vier Städten ab, so bleiben noch ungefähr zehn kleinere Städte mit Bevölkerungen, die meist zwischen 10 000 und 20 000 liegen. So ist Invercargill die Hauptstadt des reichen landwirtschaftlichen Distriktes von Southland und eine der südlichsten Städte der Welt; N a p i e r, von einem furchtbaren Erdbeben zerstört, ist schöner wieder aufgebaut worden; Timaru ist nicht weit von Mount Cook gelegen; und Nelson, eine durch ihre Kathedrale bekannte Stadt, liegt inmitten von Hügeln, die im Frühling von Apfelblüten übersät sind; hier ist das Klima am sonnigsten von ganz Neu-Seeland und das Leben gilt als besonders sorglos und angenehm. Hamilton, an den Ufern des Waikato gelegen, ist besonders als Mittelpunkt der größten milchwirtschaftlichen Genossenschaft zu nennen. 2. Das Klima Neu-Seeland liegt ganz in der gemäßigten Zone. Sein Klima gilt im allgemeinen als außerordentlich gesund. Es ist regenreich-ozeanisch, der heißen Sonne zwar entrückt, aber doch noch warm genug, einen üppigen Pflanzenwuchs hervorzurufen. Für Neu- Seelands Breitenlage — die der des Mittelmeers entsprechen würde — sind die Sommer etwas zu kühl, aber angenehm. Der Winter ist so mild, daß er dem Wachstum der Pflanzen kaum Einhalt tut. Viele Blumen blühen den ganzen Winter hindurch. Die Gebirgsregionen haben im Winter starken Schneefall, etwa bis zu 1500 m herab; die höchsten Teile sind vergletschert. Der Breitenunterschied zwischen Nord und Süd macht sich stark geltend; die mittlere Jahrestemperatur verringert sich, je weiter man nach Süden kommt, von 17 bis auf 10 Grad, die absoluten Schwankungen von 30 auf 40 Grad. Während der Norden der französischen Riviera im Klima ähnelt, ist der Süden den Küsten Norwegens oder Schottlands zu vergleichen. Die Lage südlich des 40. Breitengrades versetzt diese Gebiete bereits in den Bereich der Westwinde, welche die Regenspender sind; infolgedessen hat der Westen Neu-Seelands viel mehr Regen als die Ostseite; ja die Ostseite hat im allgemeinen nur 1/4 bis 1/3 des Regenfalles der Westseite. So erhält Auckland jährlich 109 cm Regen, Wellington dagegen 128 cm; Christchurch im Osten hat sogar nur 65 cm. Die großen SILBERSTEIN x. C 0 Inhaber Dr. Fritz Israel Silberste BERLIN S036 REICHENBERGER STRASSE 154 49

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