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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 48

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 48 (sequence 48)
Language
German
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Neu-Seeland besteht im wesentlichen aus zwei langgestreckten Inseln, die vorwiegend nordsüdlich gelagert sind. Die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung Neu-Seelands beträgt nicht weniger als 1400 km, was etwa der Entfernung Kopenhagen—Rom entspricht; die gesamte Längserstreckung ist 1600 km. Während das um ein Vielfaches größere Australien nur eine schlecht gegliederte Landmasse darstellt und im Innern ungeheuer große wirtschaftlich wertlose Gebiete aufweist, ist das kleinere, aber 5—7mal so dicht besiedelte Neu-Seeland von der Natur weit mehr begünstigt. Es weist eine gute Küstengliederung auf — beträgt doch die Küstenlinie 4800 km! — und besitzt trotz hoher Gebirgszüge nicht allzu viel unbrauchbares Land; auch klimatisch hat es vor Australien große Vorzüge. Von gewissen kleineren Inselgruppen, die politisch zum Dominion Neuseeland gehören, sind allein die Chatham-Insel, die Auckland-Insel und die Insel Campbell von einigem Wert. Die erstgenannten werden hauptsächlich von schafzuchttreibenden Farmern bewohnt; die Auckland-Insel zeichnet sich durch zwei vorzügliche Häfen aus. Eine Anzahl bewohnter polynesischer Inseln wurde im Jahre 1901 unter neuseeländische Herrschaft gebracht. Von diesen ist Rarotonga wegen seiner Größe, Fruchtbarkeit und ungewöhnlichen landschaftlichen Schönheit hervorzuheben. Als Völkerbundsmandat untersteht auch die frühere deutsche Besitzung West-Samoa neuseeländischer Herrschaft, während die wegen ihrer Phosphate wichtige Insel Nauru als Völkerbundsmandat dem britischen Empire als solchem zuerteilt wurde und praktisch von Australien, Neuseeland und Großbritannien gemeinsam bzw. abwechselnd verwaltet wird. Von diesen zum politischen Herrschaftsbereich Neuseelands gehörigen Gebieten abgesehen, umfaßt das eigentliche Neu-Seeland eine Fläche von r d. 267 000 qkm. Von dieser Fläche entfallen auf die beiden Hauptinseln — die Nord- und die Süd-Insel genannt — 114 295 bzw. 150 525 qkm; während die noch südlicher gelegene, gebirgige und dichtbewaldete Steward- Insel 1714 qkm umfaßt. Diese drei Inseln bilden eine unterbrochene Kette; die Nord- und Süd-Insel werden durch die Cook-Straße — einen Kanal, der an der engsten Stelle 85 km breit ist — getrennt, während wiederum die Süd-Insel von der Steward-Insel durch die Foveaux-Straße geschieden wird. Die Nordinsel ist 820 km lang. Ihre Breite schwankt zwischen 10 und 320 km. Die engste Stelle liegt dort, wo der Meerbusen von Hauraki tief ins Land einschneidet; von dieser Stelle aus erstreckt sich nach Norden eine enge, sehr unregelmäßige, lange Halbinsel, die feucht und halb tropisch ist und mehr wegen ihrer landschaftlichen Schönheit als wegen gleichmäßiger Fruchtbarkeit berühmt ist. Südlich des erwähnten Golfes von Hauraki wird die Nordinsel viel breiter. Ihr Hauptkennzeichen besteht in einer Reihe ununterbrochener Gebirgsketten, die sich in nordöstlicher Richtung von der Cook-Straße zur „Bucht des Ueberflusses" (Bay of Plenty) und dem Ost-Kap erstrecken; ihre Höhe beträgt selten weniger als 900 m, aber nie mehr als 1800 m. Westlich von diesen Gebirgszügen liegen einzelne isolierte vulkanische Kegel, die in landschaftlicher Hinsicht ungemein eindrucksvoll wirken. Der Ruapehu ist 2800 m hoch und ist mit Unterbrechungen tätig, der Ngauruhoe strömt ununterbrochen Dampf und Rauch aus; am schönsten ist der Egmont-Berg (über 2500 m hoch), wegen seiner symmetrischen Form und seiner dichten Bewaldung weit berühmt. Im Norden der beiden erstgenannten Vulkane liegt der große Taupo-See, der sich über eine Fläche von 626 qkm erstreckt, inmitten eines von Bimsstein bedeckten Plateaus, das zwischen 330 und 700 m über dem Meeresspiegel liegt. Die weiteste Umgebung dieses Sees ist voll heißer Quellen. Die ungewöhnliche landschaftliche Schönheit dieser Gegenden, mit ihren zahlreichen Seen und Wasserfällen, warmen und kalten Quellen, Fumarolen, Geysirn usw., übt eine starke Anziehungskraft auf Touristen aus; außerdem ist ein Teil der Quellen auch wegen ihrer hei'kräftigen Wirkung, besonders gegen Gicht, Rheuma und Hautkrankheiten, bekannt; die Regierung unterhält u. a. in Rotorua ein Sanatorium. Die Fruchtbarkeit dieser Gegend um den Taupo- See wird durch die aufliegende Schicht von porösem Bimsstein vermindert, doch läßt sich dieser Nachteil durch Bearbeitung des Bodens beseitigen; andererseits genießt das Land den großen Vorteil ausreichender Bewässerung durch nie versiegende Flüsse und ausreichende Regenfälle. Nach Norden fließen der Waikato und Waihou, nach Nordosten der Rangitaiki, nach Westen und Südwesten drei andere Flüsse. Der Waikato, dessen Länge 350 km beträgt, ist weit hinauf schiffbar. Andere Flüsse, wie der Mokau, strömen durch dichtbewaldete Gebirgsgegenden und zeigen Wasserfälle von einzigartiger Schönheit. Oestlich der Hochebene von Taupo und südlich von Opotiki an der Bucht des Ueberflusses befinden sich bewaldete Gebirgszüge, in deren Süden der wegen seiner Schönheit berühmte See Waikare Moana liegt. Von der Mündung des Waikato südlich bis ungefähr 40 km vom Kap Therawhiti an der Cook-Straße und in einer Breite von 32—64 km landeinwärts liegt an der Westküste fruchtbares, für Schafzucht und Milchwirtschaft geeignetes Land. Die gleiche Fruchtbarkeit weist die Ostküste auf, doch ist an der Hawkes-Bucht der Sommer trockener und heißer. Die mehr im Inland gelegene Hochebene von Wairarapa besitzt ein Klima, das sowohl für Getreidebau wie für Weidewirtschaft geeignet ist. Das stumpfe Ende der Nordinsel wird von ziemlich armem, rauhem, von starkem Wind umbraustem Hügelland gebildet, das jedoch den ausgezeichneten und wirtschaftlich sehr bedeutenden Hafen Port Nicholson umschließt. Auf der ganzen Nordinsel kann der Siedler auf ausreichende Regenfälle rechnen und, ausgenommen im Gebirge und auf den Hochebenen, auch auf milde Winter und angenehme Sommer. Ueberquert man die Cook-Straße, welche die Nord- und die Südinsel voneinander scheidet, und landet man mitten in der Südinsel, so „ist es, als käme man plötzlich von Portugal nach der Schweiz", freilich nach einer Schweiz, die ausgedehnte, ungemein fruchtbare Ebenen besitzt, die sich besonders zum Getreidebau eignen. Im allgemeinen sind die Küsten der Südinsel hoch und steil. Sie hat nicht viele Häfen, außer an der Cook-Straße, auf der Halbinsel Banks und an den großartigen, aber wirtschaftlich nutzlosen Fjorden des Südwestens. Das beherrschende Kennzeichen der Südinsel sind nicht von Farnen bestände Ebenen oder vulkanische Kegel, sondern düstere Gebirgszüge. Kamm hinter Kamm erheben sich diese Südalpen und füllen die ganze Mitte bis fast an die Westküste der Insel, sich vom Norden bis zum Süden der Insel erstreckend. Der Westabhang ist bewaldet, der Osten weist eine steinige Wildnis auf, die nur etwas durch Unterholz und Graswuchs gemildert wird. Die zahlreichen Flüsse, die das Land durchziehen, sind eben wegen der hohen Gebirge zu reißend und zu unregelmäßig, um viel wirtschaftliche Bedeutung zu besitzen. Im Westen sind zwei Flüsse von einiger Bedeutung, der Buller und der Grey. Die wichtigsten Seen der Südinsel sind: Te-Anau und Wakatipu; ersterer ist 360, letzterer fast 300 km lang. Der höchste Berg, Mount Cook, ist 3770 m hoch. Im Nordosten der Insel soll der doppelte Gebirgszug der Kaikouras an Höhe und Schönheit den südlichen Alpen vergleichbar sein. Der offene und leicht zugängliche Teil der Südinsel erstreckt sich im großen ganzen vom Kaikoura-Gebirge nach Osten und Südosten bis zum Flusse Waiau. Die wichtigsten Bodenschätze der Südinsel aber, Kohle und Gold, werden gerade in den unzugänglicheren und unwirtlicheren Teilen und in der Mitte der Insel gefunden. B. Die wichtigsten Städte des Landes Neu-Seeland hat vier wichtige Städte, von denen keiner eine wirklich überragende Stellung zukommt. Auckland hat 214 000 Einwohner, Wellington etwa 152 000, Christchurch 133 000 und Dunedin 82 000. Zusammen haben diese vier Städte also knapp 600 000 Einwohner, was bei einer Gesamtbevölkerung Neu-Seelands von etwa I1/2 Millionen anzeigt, daß die „Verstädterung" auch hier in nahezu so ungesundem Maße vorgeschritten ist wie in dem großen Schwesterdominium Australien, wo sich etwa die Hälfte der Bevölkerung in wenigen Millionenstädten zusammenballt. Die genannten vier neu-seeländischen Städte haben alle schöne, wenn auch kaum großartige Bauten; gut gepflasterte Straßen, Hotels mit modernem Komfort, gute . Büchereien und sogar Kunstgalerien. Wer freilich dort so etwas wie „Nachtleben" suchen sollte, oder wer sehr hohe Ansprüche an Theater und Konzerte stellt, dürfte 48

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