Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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X die damit zusammenhängende starke zeitliche Inanspruchnahme selbst sehr begüterter Kreise durch die Sorgen und Arbeiten des Haushalts. Die Zeit, die Mann und Frau dem Haushalt opfern müssen, ist um so größer, als die Mechanisierung auf diesem Gebiet in Australien nicht so weit vorgeschritten ist wie etwa in den Vereinigten Staaten, wo die Dienstbotenfrage ähnlich liegt; und auch die Tatsache, daß es Mietskasernen im europäischen Stil nur ausnahmsweise gibt, und daß fast jede Familie ihr eigenes Haus hat, vermehrt natürlich die Hausarbeit. Aus dem Fehlen der Dienstboten erklären sich übrigens auch manche Sitten, die den Europäer merkwürdig anmuten, so z. B. daß man in der Küche ißt, und daß die Speisen in der Regel direkt vom Kochtopf auf den Teller kommen. Unter diesen Umständen wird selbstverständlich die Möglichkeit, Zeit und Kraft in den Mußestunden der Beschäftigung mit kulturellen Dingen zu widmen, sehr stark beeinträchtigt. Die australische Frau wird aber von den Sorgen des Haushalts nicht nur äußerlich stärker beansprucht als etwa die Amerikanerin, sondern sie ist auch innerlich viel mehr auf Familie und Haushalt eingestellt als jene; ja der größte Teil der australischen Frauen hat geistig überhaupt kein anderes Interesse als die Fragen ihres engsten weiblichen Wirkungskreises. Auf der andern Seite genießt die Frau in Australien eine viel stärker bevorzugte Stellung als in den meisten Ländern Europas. Obwohl in den großen Städten Australiens heute der Frauenmangel der frühen Kolonialzeit längst überwunden ist, ja die Zahl der Frauen hier sogar etwas größer ist als die der Männer, hat sich die bevorrechtigte Stellung der Frau noch erhalten und drückt sich in dem außerordentlichen Maß von Höflichkeit und Entgegenkommen der Männerwelt ihr gegenüber aus. Selbstverständlich sind diese Verhältnisse weiter im Innern, wo die Frau auch heute noch stark in der Minderzahl ist, noch viel ausgeprägter. Die Frau nimmt dort als gute Kameradin alle Schwierigkeiten mit auf sich, aber sie ist sich dessen wohl bewußt, daß ihr dieses Opfer überall hoch angerechnet wird. So ist Australien im ganzen ein Land selbstbewußter, freier, gleichberechtigter und in hohem Maße glücklicher Menschen — es ist in vieler Hinsicht ein Land des gesunden Mittelmaßes, ohne leidenschaftliche geistige Interessen, ohne hitzige Kämpfe um Ideale, aber ein Land der Lebensfreude, des nahezu allgemeinen Wohlstandes und eines unbekümmerten Optimismus. 2. Bildungswesen und religiöse Verhältnisse Wenn wir oben, bei der Schilderung der allgemeinen sozialen Grundlagen der australischen Kultur, feststellten, daß sozusagen, das soziale Klima Australiens mehr den materiellen Genuß als geistige Höchstleistungen begünstigt, so bedeutet dies nicht, daß das Bildungsniveau Australiens nicht hoch sei. Im Gegenteil — für ein noch halb koloniales Land besitzt Australien ein erstaunlich gut ausgebildetes Erziehungswesen und dementsprechend auch ein sehr beachtenswertes Niveau der Allgemeinbildung in allen Schichten. Ein Analphabetentum gibt es praktisch nicht. Das staatliche Bildungswesen, besonders aber der Volksschulunterricht, steht auf beachtlicher Höhe. Selbst in den abgelegensten Siedlungen bestehen, sofern nur sechs schulpflichtige Kinder vorhanden sind, staatliche Volksschulen; ist die Anzahl der Kinder auf den „Stationen" geringer, so werden diese in regelmäßigem Turnus von Bezirkslehrern besucht oder durch die Methode der „Correspondence School" unterrichtet. Die Volksschulen werden zumeist vom Staate eingerichtet und finanziert. Neben den Volksschulen gibt es eine große Anzahl höherer Schulen und Gymnasien, in denen die Naturwissenschaften besonders gepflegt werden. Etwa 980 000 Schüler besuchten 1935 staatliche Schulen, deren man 10 400 zählte; an ihnen waren 32000 Lehrer angestellt. Außer den Staatsschulen, in denen der Unterricht frei ist, gibt es noch eine ganze Reihe von Volks- und höheren Privatschulen, die meist von katholischen Kirchenkreisen unterhalten werden. Die privaten höheren Schulen sind ziemlich teuer (4 Guinees 4 £ 4 sh je „term", also 12 Guinees im Jahre). Solche Privatschulen, von denen es 1850 gab, wurden von rund 225 000 Schülern besucht. 10 300 Lehrer waren an ihnen angestellt. Jüdische Schulen gibt es in Australien nicht. Schulpflicht besteht für alle Kinder vom 7. (in einigen Staaten vom 6.) bis zum 14. Lebensjahre. Bis zum Alter von 14 Jahren ist der Unterricht völlig kostenlos. Wird danach noch weiter die Schule besucht, so müssen die Eltern ein nach der Einkommenshöhe gestaffeltes Schulgeld zahlen. Nach Absolvierung der Schulen können die Zöglinge Prüfungen ablegen, die zum Besuch eines College oder einer Universität berechtigen. Die Schüler mit den besten Abschlußexamen erhalten dann die vorhandenen Freistellen auf den Universitäten. Die Colleges bereiten den jungen Menschen zumeist auf ausgesprochen praktische Berufe vor; sie sind mit Fachschulen in unserem Sinne oder mit technischen Lehranstalten zu vergleichen. Die U.niversitäten sind nach englischem Vorbild organisiert. Auch bei ihnen stehen die Realwissenschaften im Vordergrund; besonders in den Einzelfächern der Naturwissenschaften, wie Chemie, Physik, Geologie, Meteorologie und Biologie, wird Vorzügliches geleistet. Auch die medizinischen und staatswissenschaftlichen Fakultäten genießen einen sehr guten Ruf. Die größte Universität des Kontinents ist die von Sydney. 1935 waren an ihr 3029 Studenten immatrikuliert; ihr Dozentenstab bestand aus 312 Professoren, Lektoren und Assistenten. Daneben weist Sydney noch eine technische Hochschule auf, deren Kurse im gleichen Jahre von 19 959 Studenten gehört wurden. Auch Melbourne hat eine große Universität mit (1933) 2890 Studenten und 177 Dozenten. Die Universitäten Adelaide und Brisbane sind dagegen wesentlich geringer besucht, während die Universitäten von Perth und Hobart noch im Aufbau begriffen sind. In der letztgenannten Universität waren 1933 nur 218 Studenten immatrikuliert, die von 27 Dozenten unterrichtet wurden. Zur Zeit bemüht man sich, das Staatscollege in Canberra zu einer Universität umzuwandeln. Auf religiösem Gebiet liegen die Verhältnisse so, daß zwar ein sehr großer Teil der städtischen Arbeiterschaft der Religion gleichgültig oder ablehnend gegenübersteht, daß aber die Kirchen, besonders auf dem Lande, eine sehr große Rolle spielen — auch als Vermittler geistiger Werte. Der größte Teil der Australier, deren religiöses Bekenntnis statistisch registriert wird, gehört der anglikanischen Hochkirche an. Nach der Volkszählung von 1933 bekannten sich über 2y2 Millionen Menschen zu ihr. Die zweitwichtigste kirchliche Gemeinschaft ist die römisch-katholische Kirche; sie zählte damals 1 160 000 Mitglieder. Neben diesen beiden wichtigsten religiösen Gruppen gibt es noch eine Fülle von anderen christlichen Religionsgemeinschaften und Sekten, die zum Teil hunderttausende Mitglieder zählen. So gab es 1936 713 000 Presbyterianer, 684 000 Methodisten und 105 000 Baptisten. Von Lutherischen Protestanten wurden nur 61 000 gezählt. Die nicht-christlichen Gemeinschaften spielen gegenüber diesen Ziffern nur eine geringe Rolle. Die einzige Inhaber Dr. Fritz Israel Silbersteia , SieA'am, smA' uh - uU4 tfitß-vio+tut! 41