Mannheim
Compact Memory

Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 38 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492429-9991069-9588267--939-9588305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rind-, Lamm- und Hammelfleisch, Schaffelle, Talg, Silber-, Blei- und Zinkbarren. Die Butterausfuhr ist dagegen um fast ein Viertel zurückgegangen. 7. Währung und Staatsfinanzen Die Währungsgrundlage ist das australische Pfund (abgekürzt £A), dessen Parität im Verhältnis 125 £A 100 £-Sterling eng an das englische Pfund geknüpft ist. Legt man für das englische Pfund einen Kurs von 1 ^Sterling 12,34 Reichsmark zugrunde, so ergibt sich folgendes Verhältnis des australischen Pfundes zur Reichsmark: 1 £A 9,88 Reichsmark. Der Devisenverkehr unterliegt in Australien keiner Beschränkung. Der australische Bundeshaushalt wies im Finanzjahr 1937/38 rund £ 89,5 Millionen Einnahmen und £ 86 Millionen Ausgaben auf. Der Ueberschuß von £ 3,5 Millionen wird zu Rüstungszwecken verwendet. Der Voranschlag für 1938/39 sieht £ 93,1 Millionen Ausgaben und rund £ 90 Millionen Einnahmen vor; der Fehlbetrag soll durch Erhöhung der Steuern aufgebracht werden. Im Laufe der letzten 3 bis 4 Jahre hat sich der Bundeshaushalt um nahezu 50 v. H. vergrößert — teils infolge verstärkter Rüstungen, teils durch vermehrte Anforderungen an die soziale Versorgung. Zum Bundeshaushalt treten noch die Haushalte der Einzelstaaten hinzu. Die Höhe ihrer Beträge ist wegen der Ueberschneidung in Einnahmen und Ausgaben zwischen Bundes- und Einzelhaushalten nur mit vieler Mühe festzustellen; es dürfte sich jedoch um einen Gesamtbetrag handeln, der den Bundeshaushalt übersteigt. Das Volkseinkommen wird für 1937/38 auf 814 Millionen £A geschätzt, wovon etwa 16 v. H. für die öffentlichen Haushalte beansprucht werden. Der ordentliche Etat wird hauptsächlich durch Steuern und Zölle bestritten. Die Steuerlast — mehr als 14 £-Sterling pro Kopf der Bevölkerung im Jahre — läßt Australien als eines der am höchsten besteuerten Länder der Welt erscheinen. Allerdings muß man bei internationalen Vergleichen dieser Art immer in Betracht ziehen, daß Australien ein Land außergewöhnlichen Wohlstandes ist, und daß die Höhe der Einkommen den Steuerdruck dort weniger fühlbar macht als in anderen Ländern mit niedrigerem Einkommensniveau. Die Mittel des außerordentlichen Etats werden hauptsächlich durch Anleihen aufgebracht. Für den Einklang der Bundesschulden mit den Schulden der Einzelstaaten sorgt eine besondere Körperschaft, der Anleihe- Rat (Loan Council). Kritiker der australischen Wirtschaftspolitik bemängeln die außerordentliche Höhe der inneren und äußeren Verschuldung, die Mitte 1936 insgesamt 1,25 Milliarden £A betrugen. Während der letzten Jahre gelang es freilich, die äußere Verschuldung nicht unbeträchtlich — auf etwa 590 Millionen £A — zu" ermäßigen, während die innere Verschuldung noch weiter auf 665 Millionen £A zugenommen hat. Die durch Anleihen aufgebrachten Mittel dienen u. a. der Arbeitslosenunterstützung sowie Arbeitsbeschaffungs- und Rüstungszwecken. 8. Wirtschaftliche Entwicklung Während die australische Wirtschaft verhältnismäßig früh die volle Wucht der Krise spüren mußte und besonders durch den Sturz der Woll- und Weizenpreise auf dem Weltmarkt schwer getroffen wurde, machten sich nach 1933 allmählich immer mehr Zeichen der Besserung bemerkbar; 1937 war die Hochkonjunktur erreicht. Seitdem begannen sich jedoch gewisse Erscheinungen zu zeigen, die auf einen Rückgang deuten. Ende 1938 kann die Lage etwa folgendermaßen gekennzeichnet werden: Die Erzeugunskosten sind noch im Ansteigen begriffen, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, die Steuern werden erhöht und der Kredit eingeschränkt als Folgen der übermäßigen Wareneinfuhr, der niedrigen Preise für Wolle - und Weizen und der durch die Dürre verursachten Mindererträge. Während der Ausfuhrertrag für Wolle 1936/37 noch über 60 Millionen £A betrug, ist er 1937/38 auf 44 Millionen gesunken und dürfte im laufenden Jahr weniger als 40 Millionen ausmachen. Weizen und Metalle werden infolge niedriger Weltmarktpreise auch bedeutend weniger einbringen als in den letzten Jahren. Allerdings hat die Entwicklung der heimischen Industrie Australien soweit selbständig gemacht, daß es von einer Ausfuhrkrise nicht mehr so schwer betroffen wird wie früher; doch macht sich auch auf dem inneren Markte bereits ein Abflauen bemerkbar. Ein weiteres Sinken der Kaufkraft der Bevölkerung und eine Verminderung der Beschäftigungsmöglichkeiten ist zu erwarten. Immerhin war die Zahl der in der Industrie Beschäftigten 1938 noch etwas höher als 1936/37. Diese gute Beschäftigungslage ist die Folge des noch immer auffällig günstigen Standes der Produktionsmittelindustrien oder mit anderen Worten der großen teilweise ausländischen Kapitalinvestitionen, wobei in der Textil- und Schuhbranche von einer offenbaren Ueberinvestierung gesprochen werden kann. Auch erhielt die Industrie im allgemeinen einen starken Ansporn durch die Aufrüstung. Am deutlichsten zeigt sich die krisenhafte Entwicklung des Jahres 1938 einmal im Sinken der Preise für die wichtigsten Ausfuhrerzeugnisse Australiens, zum andern darin, daß die günstige Zahlungsbilanz, die noch für 1936/37 einen Ueberschuß von 6,6 Millionen £ Engl, zeigte, 1937/38 umgeschlagen ist und — im wesentlichen infolge außerordentlich starken Steigens der Einfuhr bei rückgängiger Ausfuhr — einen Fehlbetrag von 20,3 Millionen engl. £ aufweist. Dennoch liegt wahrscheinlich kein Anlaß zum Pessimismus vor. Der Weltmarkt zeigt nur noch ein geringes Maß an sichtbaren Rohstoff-Vorräten, und der wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten Staaten muß der gesamten Weltwirtschaft, nicht zuletzt auch Australien, zugute kommen. IV. Lebenshaltung und Lebenshaltungskosten 1. Haushalt und Lebenshaltung Die Lebenshaltung des Australiers ist im allgemeinen der englischen angepaßt. Doch genießt in Australien auch die Arbeiterschaft zum großen Teil einen Lebensstandard, den sich in England nur Angehörige des gehobenen Mittelstandes leisten können. Dieser verhältnismäßig hohe Lebensstandard zeigt sich schon in der Wohnweise. Die Wohngegenden liegen außerhalb der City; einstöckige Einfamilienhäuser mit Gärten herrschen vor, worauf die weite Ausdehnung der Städte zurückzuführen ist. In den letzten Jahren sind allerdings in den größten Städten auch große Bauten mit Mietswohnungen — sogenannten Fiats — entstanden, wo man Wohnungen mit Höchstkomfort zu sehr hohen Preisen mieten kann. Die Bauweise der südaustralischen Häuser ist im allgemeinen nicht auf kühle Winter eingerichtet; nur wenige Häuser haben Zentralheizung, die meisten haben jedoch offene Kamine. Es empfiehlt sich deshalb, bei Einwanderung nach den südlichen Städten elektrische Heizgeräte mitzunehmen. Sonst wird im allgemeinen mit Holz geheizt. In den tropischen Gegenden sind die Häuser kühl und luftig gebaut. Auf dem Lande und in den Vorstädten herrscht das Holzhaus mit Holz- oder Wellblechdach und von außen angebauten Kaminen vor. Fast alle Einfamilienhäuser haben Veranden, die nötigenfalls durch feine Drahtgitter gegen Fliegen geschützt sind. In vielen Landesteilen, vor allem in Westaustralien (Perth), ist es üblich, auf den Veranden zu schlafen. Die Haushaltführung in den Eigenheimen macht den Hausfrauen große Schwierigkeiten, da in Australien großer Mangel an Dienstboten herrscht und die vorhandenen es häufig für unter ihrer Würde halten, gröbere Arbeiten, wie Fenster- oder gar Schuheputzen, zu verrichten. Deshalb versucht die australische Hausfrau, im allgemeinen ohne Haushalthilfe auszukommen. So ist es nichts Außergewöhnliches, daß der Ehemann in seiner Freizeit mit Hand anlegt (vor allem bei schwereren Arbeiten, aber auch beim Abwaschen usw.). Andererseits wird die Haushaltführung dadurch erleichtert, daß man durch Stadtküchen oder Delikateßgeschäfte mit bereits vorgerichteten oder halbfertigen Speisen versorgt wird, und daß die australische Küche stark auf den Verbrauch von Konserven aller Art, z. B. auch für Saucen und Beikost, eingerichtet ist. Die Hausfrau sucht sich ihre Arbeit auch durch Haushaltmaschinen aller Art zu erleichtern. Zudem weisen die mo- 38

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.