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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 33

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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Jahren einfach verdursten könnten, wie es früher der Fall war, gebannt. Sehr viel schwieriger aber liegt die andere Seite des Problems. Denn wenn der Regen ausbleibt, so wächst auch kein Futter für die Herden, und wenn die artesischen Brunnen die Gefahr des Verdurstens bannen können, so bleibt nichtsdestoweniger die Gefahr des Verhungerns der Tiere in Jahren der Dürre. Diese Gefahr bekämpft man heute teilweise dadurch, daß man die Schafe nach Gegenden bringt, wo Futter vorhanden ist; soweit dies möglich ist, treibt man die Herden aus den Dürregebieten fort; zu diesem Zweck sieht die australische Schafzucht sogar auf die Erzielung von langen Beinen durch Züchtung. Besonders wertvolle Zuchtherden und Tiere transportiert man sogar heute mitunter auch mit dem Lastwagen. ' Außerdem aber versucht man in den Gegenden, wo die Niederschlagsverhältnisse günstiger sind, Wiesen anzulegen, welche regelmäßig gemäht werden, so daß große Heuvorräte oder auch der grün am Boden geschnittene Mais als Reserven für den Notfall vorhanden sind. Vor allem verwendet man auch Kraftfutter: Ölkuchen und Getreide. Trotz alledem bleibt aber das Risiko, das die Unsicherheit der Niederschlagsverhältnisse für die australische Viehzucht mit sich bringt, außerordentlich groß. Von der überragenden Bedeutung der Schafzucht im Rahmen der australischen Wirtschaft ist schon mehrfach die Rede gewesen. Die Schafe gehören sehr verschiedenen Rassen an; je wasserreicher das Land, auf dem das Schaf gehalten wird, um so mehr dient dieses neben der Wollproduktion auch der Fleischerzeugung; je trockener das Land, um so mehr überwiegt das Merino-Schaf, also der Typus des reinen Wollschafes. Neben der Art des Landes spielen aber auch die Marktbedürfnisse für die Züchtung eine entscheidende Rolle. So hat die starke Konkurrenz Südamerikas bei der Belieferung der europäischen Märkte mit Hammelfleisch dazu geführt, daß bei der australischen Schafzucht die Wollproduktion mehr in den Vordergrund trat. Es bestehen auch zwischen den Besitzgrößen und den verschiedenen Schaf arten gewisse Beziehungen; das Merino-Schaf ist mehr das Schaf des Großbetriebes, während die Kreuzungstypen zwischen Woll- und Fleisch-Schaf mehr dem mittleren Betriebe gehören. Aber für den weitaus größten Teil der Schafzucht Australiens spielt die Fleischgewinnung nur eine Nebenrolle. Die Herdengröße hat sich während der letzten 30 Jahre sehr vermindert. Trotzdem überwiegt auch heute noch vorwiegend der Großbetrieb; nach Angaben von Hermann Lufft besaßen (um 1930) 3500 Eigentümer über die Hälfte des australischen Schafbestandes, nämlich 58 bis 60 Millionen Schafe, d. h. ein Eigentümer hatte durchschnittlich etwa 17 000 Schafe. Die übrigen 45 Millionen Schafe entfielen auf 75 000 Eigentümer, d. h. hier betrug der Durchschnitt etwa 600 Schafe. Im eigentlichen Schafzuchtgebiet ist das Land durch Drahtgitter parzelliert, schon um die zeitweise verheerende Kaninchenplage zu bekämpfen, die sich vor allem darin äußert, daß die Kaninchen den Schafen das Futter wegfressen. Die Durchschnittsgröße eines solchen umzäunten Gebiets beträgt etwa 400 Hektar. Die gesamte Wollproduktion ist in bemerkenswerter Weise auf den Export hin organisiert. Zwischen den Produzenten und den Ausfuhrhändler schiebt sich der Stand der Wollmakler; diese sind besondere Experten, deren Verdienste sehr hoch sind. Diese Makler bringen die Wolle im allgemeinen auf Versteigerungen zum Verkauf; die bei der Versteigerung erzielbaren Preise sollen meistens höher liegen als bei freiem Verkauf. Der Versteigerung geht selbstverständlich eine sorgfältige Sortierung voraus, bei der man nicht weniger als 800 verschiedene Sorten unterscheidet, von denen allerdings praktisch nur etwa der zehnte Teil eine Rolle spielt. Die großen Wollmaklerfirmen haben eine ungemein starke Stellung durch ihre Sachkenntnis und durch ihre Kapitalkraft; in beträchtlichem Umfange finanzieren sie die Rohproduktion an Wolle. Die Maklerhäuser vermitteln sogar die großen in Jahren der Dürre notwendigen Kapitalien, wenn die Herden selbst — also die Sicherheit der aufgenommenen Anlagen — in Gefahr sind und die Durchhaltung der Tiere hohe Auslagen für die Beschaffung von Futtermitteln usw. verursacht. Die Wollmakler sind in dem National Council of Woolselling Brokers vereinigt, dem eine Organisation der Produzenten und eine Organisation der Wollkäufer gegenüberstehen. Neben der Schafzucht besitzt die Rinderzucht eine erhebliche Bedeutung. Bei dieser ist zu unterscheiden zwischen der Züchtung auf Fleisch und der auf Milch. In letzter Zeit gewinnt die Milchwirtschaft gegenüber der Züchtung auf Fleisch allmählich an Bedeutung; besonders in Queensland, das sich wegen seiner reichlichen und regelmäßigen Niederschläge für intensive Rinderzucht besonders eignet, nimmt die Milchwirtschaft zu. Die Regierung fördert diese Bewegung durch billige Hergabe von Land, das für Milchwirtschaft geeignet ist, zur Gründung von Bauernwirtschaften. Andererseits hat die Fleischproduktion dadurch an Bedeutung gewonnen, daß das Tiefkühlverfahren, das wegen der schwierigen Transportverhältnisse von Australien nach England vor besonderen Problemen stand, neuerdings so weit entwickelt werden konnte, daß das Fleisch den englischen Markt — der etwa neun Zehntel des gesamten Kühl- und Gefrierfleischexportes aufnimmt — in befriedigendem Zustand erreicht. Die Produktion dieses Kühlfleisches (chilled beef) ist sehr viel lohnender als die des Gefrierfleisches, da das Fleisch durch den Gefrierprozeß stark an Qualität verliert. In den Jahren 1934/35 und 1935/36 wurde für je 2,5 Millionen £ Kühl- und Gefrierrindfleisch ausgeführt. Von den milchwirtschaftlichen Produkten bietet der Butterexport den Vorteil, daß er den europäischen Markt im Winter erreicht, also zu einer Zeit, wo die Absatzmöglichkeiten besonders gut sind. Die Milchwirtschaft leidet aber unter der Unregelmäßigkeit der Niederschlagsverhältnisse sowohl in Neu-Südwales wie in Victoria, die zu starken Schwankungen im Ausfuhrüberschuß führt. Im ganzen aber zeigen die Ausfuhrmengen eine steigende Tendenz. In mancher Hinsicht liegen die Verhältnisse bei der Geflügelzucht zur Eierproduktion ähnlich wie bei der Milchwirtschaft. Auch hier haben wir es mit einer Uberschußproduktion zu tun, welche ihrerseits weitgehend von den schwankenden Erträgen der Getreideernten abhängt; gerade der sehr wechselnde Überschuß aber soll auf dem Weltmarkt abgesetzt werden. Auch hier kann Australien die günstigen Preise der Wintermonate der nördlichen Halbkugel ausnutzen, was allerdings die Lieferung sorgfältig ausgesuchter Ware, die auch nach dem langen Transport den Markt in relativ frischem Zustande erreichen muß, voraussetzt. Doch sind die großen Schwankungen der Ausfuhr von Jahr zu Jahr dem Aufbau eines regelmäßigen Geschäftes und der Gewinnung eines sicheren Kundenkreises natürlich nicht förderlich. D. Eigentums- und Betriebs Verhältnisse Der größte Teil des australischen Kontinents befindet sich, sofern überhaupt Eigentumsrechte an ihm bestehen, in Staatseigentum. Der Staat seinerseits gibt große Teile seines Grundbesitzes an Farmer ab, und zwar durch verschiedene Pachtsysteme (Pacht auf Zeit, Erbpacht usw.). Heute unterliegt mehr als die Hälfte des australischen Grund und Bodens verschiedenen Pachtsystea CO BERLIN S036 REICHENBERGER STRASSE 154 33

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