Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
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men, während noch fast 40<y0 Staatseigentum (Kronland) und eigentumsfreies Gebiet sind. Nur ein geringer Teil der riesigen Flächen ging tatsächlich in Privateigentum über; nur 7 o/0 der Fläche des australischen Bodens dürften zur Zeit Privateigentum sein, während 3 o/o sich im Prozeß des Ubergangs vom Pacht- bzw. Kronland in Privateigentum befinden. Diese Prozentsätze gelten für das gesamte australische Bundesgebiet. In den Einzelstaaten ist das Verhältnis zwischen Kronland und Privateigentum ganz verschieden. Beispielsweise sind 48 o/0 des Bodens von Victoria und 22 o/0 des Bodens von Neu-Südwales Privateigentum, während der Boden Westaustraliens sich nur zu 3 o/o im Privateigentum befindet. Dagegen sind über 60 o/o der Fläche Westaustraliens überhaupt ohne Eigentümer, während die entsprechenden Zahlen für Neu- Südwales 11 o/o Und für Victoria 30 o/0 betragen. Der Einzelstaat mit dem verhältnismäßig größten Anteil von Pachtland ist Queensland (74 o/0). Victoria dagegen, das eine so große Anzahl von Siedlern auf eigenem Grund und Boden aufweist, verpachtet nur 10 o/0 seiner Fläche. In den letzten Jahren macht sich eine starke Tendenz zum Eigenbesitz bemerkbar. Die Regierung ist jetzt leichter geneigt als in früheren Jahrzehnten, ihr Land in das volle Eigentum des Siedlers übergehen zu lassen, um weiße Einwanderer in größerer Zahl nach Australien zu locken oder den australischen Städter wieder auf das Land zu bringen. Aus dem gleichen Grunde hat in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Pächter mit besonders langfristigen Verträgen zugenommen. Der landwirtschaftliche Betrieb arbeitet, wie wir sahen, zumeist extensiv; der australische Farmer kann und muß mit riesigen Flächen rechnen. Doch macht sich im letzten Jahrzehnt fast in ganz Australien eine Tendenz zur Intensivierung bemerkbar; besonders in der nahen Umgebung der Großstädte findet man intensive landwirtschaftliche Betriebe, die zum großen Teil auf Gartenbau und Gemüsezucht spezialisiert und mit Privateigentum am Boden verbunden sind. Die am dichtesten besiedelten Staaten weisen deshalb auch die verhältnismäßig größte Anzahl privater Klein- und Mittelbetriebe auf. So gibt es in Neu-Südwales über 12 000 private Kleinbetriebe unter 50 acres (1 acre 0,4 ha). Die meisten in Privateigentum stehenden Betriebe von Neu-Südwales, Victoria und Queensland weisen jedoch Durchschnittsgrößen von 100 bis 500 acres auf. Ausgesprochene Riesengüter (über 50 000 acres; die höchste Kategorie der australischen Statistik) sind sehr selten; in ganz Australien zählt man 72, wovon allein 55 in Neu-Südwales liegen. Die im Pachtsystem bewirtschafteten Einzelfarmen weisen im Durchschnitt 260 acres Fläche auf. Wo die Böden schlechter sind, beträgt die durchschnittliche Größe dieser Farmen etwa 520 acres. Die australischen Anbau-Methoden sind in erster Linie von den klimatischen Bedingungen und erst in zweiter vom Boden und von den Eigentumsverhältnissen abhängig. In der Tropenzone wird Landwirtschaft in großem Stil nur in Queensland betrieben. Hier wird Rohrzucker, wie erwähnt, im Plantagenbau gewonnen; merkwürdigerweise verbindet sich dieser aber hier mit Kleinbesitz. Die einzelnen Farmer schließen sich allerdings genossenschaftlich zusammen und betreiben gemeinsam größere Zuckerfabriken. In letzter Zeit hat sich auch hier die Tendenz zum Großbetrieb bemerkbar gemacht. In der gemäßigten Zone des australischen Südwestens und Südostens herrscht die Einzelfarm vor, die von der Siedlerfamilie selbst und wenigen fremden Arbeitskräften bewirtschaftet wird. Der Anbau erfolgt insofern auf gemischtwirtschaftlicher Basis, als ein Teil der Farm mit Weizen bebaut wird, während der größere Teil als Weideland für das Vieh, vor allem für Schafe, dient. So ist man in der Lage, in Dürrezeiten die Felder notfalls als Weideland in Anspruch zu nehmen. 3. Bergbau Wenn auch Australien in erster Linie ein Agrarland ist, so sind doch seine Bodenschätze und damit sein Bergbau von großer Bedeutung. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bildeten die Goldfelder Westaustraliens sogar den Hauptanreiz zur Einwanderung, wodurch die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents erst ihren entscheidenden Anstoß erhielt. Machte aber früher hauptsächlich Gold den mineralischen Reichtum Australiens aus, so sind heute an dessen- Stelle Kohle und Eisen getreten. 34 So kam es, daß die Ziffern des Wertes der gesamten Förderung von Bodenschätzen während der letzten Jahrzehnte annähernd gleichgeblieben sind; es trat lediglich eine Umschichtung in ihrer Zusammensetzung ein. Die australische Goldproduktion spielt heute nur noch eine geringe Rolle für den Goldbedarf der Welt. Während um die Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 40 % der gesamten Weltproduktion des gelben Metalls aus Australien kamen, dürften es heute kaum mehr als 4 % sein. Der Tiefpunkt der Goldproduktion war im Jahre 1929 erreicht, als Australiens Goldproduktion nur etwa 2 o/0 der Weltproduktion ausmachte. Inzwischen ist die Goldproduktion wieder beträchtlich gestiegen; infolge der Goldhausse des letzten Jahres wird wahrscheinlich im laufenden Jahr ein Höhepunkt der Nachkriegs-Goldproduktion erreicht werden. Der Wert der Goldproduktion des Jahres 1937/38 belief sich auf etwa £A 12,8 Millionen. Auch in der australischen Handelsbilanz spielte Gold eine gewichtige Rolle: 1936/37 war es — neben Wolle und Weizen — das wichtigste Exportprodukt. In dieser Zeit wurde Gold im Wert von £A 13 724 000 exportiert, was 8 v. H. des gesamten Ausfuhrwertes ausmachte. Die wichtigsten Goldlager befinden sich in Westaustralien, wo nahezu 70 o/o der Gesamtmenge gefördert werden. Der Kalgoorlie Boulder, heute die wichtigste Goldgrube, gilt auch für die Zukunft als das bedeutendste Lager des Kontinents. Verhältnismäßig große Goldmengen werden außer in Westaustralien noch in Queensland gefördert. Die ehemals wichtigen Goldfelder in Victoria und Neu-Südwales, die Ende der 20er Jahre zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken waren, haben sich in den letzten Jahren wieder als recht ergiebige Fundstätten erwiesen. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist auch die Kupfer gewinnung, die mit der Goldgewinnung häufig eng verbunden ist. Die Hauptfundstätten des Kupfers lagen früher in Südaustralien und in Neu-Südwales. In jüngster Zeit ist Tasmanien immer stärker als Kupferproduzent hervorgetreten. Die Gesamt-Kupferproduktion des Jahres 1936 hatte einen Wert von £A 797 000; wertmäßig fast ein Drittel mehr als im Vorjahre. Die 1936 erzeugte Kupfermenge betrug 18 561 t. Mit der Kupferproduktion ist wiederum die Zinnproduktion eng verbunden. Die Produktion von Zinn ist seit Jahren, ebenso wie die von Kupfer, großen Schwankungen unterworfen. Seit 1935 ist Tasmanien der wichtigste Zinnproduzent unter den Einzelstaaten des Commonwealth; ihm folgten Neu-Südwales und Queensland. Insgesamt wurden in Australien 1936 3881 t Zinn im Werte von £A 659 000 gefördert, und im Wirtschaftsjahr 1936/37 wurden Zinnbarren im Werte von über £A 184 000 ausgeführt. Einen wichtigen Aktivposten in Australiens Handelsbilanz bildet der Zinkexport (Exportwert 1936/37 £A 1314 000). Erst in den letzten Jahren ist die Zinkproduktion zu dieser Bedeutung gelangt. Nach den Vereinigten Staaten ist Australien der wichtigste B1 e i produzent der Welt. Da die Verwendung dieses Metalls im Bau- und Elektrizitätsgewerbe in den letzten Jahren stark zugenommen hat, waren die Weltlagervorräte bald erschöpft; Australiens Bleiproduktion floriert deshalb zur Zeit. Die wichtigsten Bleiminen befinden sich in Bröken Hill im Staate Neu-Südwales, wo sich auch die wichtigsten Silber- und Zinkminen befinden. Der Export an Rohblei betrug 1936/37 £A 5 073 000. Wenn auch die bisher aufgezählten Bodenschätze von großer Bedeutung für die australische Wirtschaft sind, so bildet die wichtigste Grundlage der Industrialisierung des Landes sein außerordentlicher Reichtum an Kohle. Die australischen Kohlenlager sollen zu den bedeutendsten der südlichen Halbkugel gehören. Steinkohle wird vor allem in Neusüdwales gefunden; etwa neun Zehntel der australischen Steinkohlenförderung kamen aus diesem Staat. 1936 betrug die Steinkohlenförderung 11,4 Millionen Tonnen, die einen Wert von £A 6,4 Millionen aufwiesen. Der Kohle- Export Australiens hatte 1936/37 einen Wert von £A 301000. Auch in Queensland befinden sich weite Kohlengebiete, die aber noch nicht in großem Maßstabe ausgenützt werden. In den übrigen Staaten konnte das Vorhandensein weiterer Kohlenlager durch Mutungen festgestellt werden.