Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492429-9991069-9588267--933-9588299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
hier durch Zollschutz verteuerten Preisen des Getreides, andererseits an den niedrigeren Arbeitslöhnen; in Australien dagegen genießt der Weizen keinerlei Zollschutz, so daß sein Preis durch den Weltmarktpreis bestimmt wird und unter Umständen sehr leicht unter die Rentabilitäts-Grenze sinken kann. In weiten Gegenden Australiens wird der Weizenbau wegen der Unsicherheit der Niederschläge mit einem ungeheuren Risiko-Faktor betrieben; der Ertrag guter Jahre muß ausreichen, die Jahre der Dürre zu überstehen. Neben der Dürre leidet aber der Weizenbau, wie die australische Landwirtschaft überhaupt, periodisch auch noch unter mancherlei anderen Plagen in einem Umfang, wie er in anderen Ländern kaum bekannt ist, so etwa unter Heuschrecken-, Mäuse- oder Kaninchen-Plagen. Alles dies erhöht das spekulative Moment in der australischen Landwirtschaft. Von den übrigen Produkten des australischen Ackerbaus sind vor allem folgende zu erwähnen: Gerste und Hafer werden überwiegend als Futtermittel angebaut, und zwar für Grünfutter, also für Heugewinnung. Die mit Hafer bepflanzte Fläche schwankte in den letzten Jahren zwischen 1 und 1,5 Millionen acres, die mit Gerste bestellte Fläche betrug meistens etwa 400 000 acres. — Ein nennenswerter Export findet nur in Gerste statt. Doch hat die starke Zunahme des Gerstenanbaues in den letzten Jahren, die vor allem in Süd-Australien erfolgte, zu Zweifeln geführt, ob für die wachsenden Mengen der Absatz gesichert werden kann. Zur Zeit geht der Export vorwiegend nach Belgien, und die Regierung bemüht sich, diesen Markt durch Handelsverträge zu sichern. Mais wird besonders in Queensland angebaut, entsprechend dem wärmeren Klima, den reichlicheren und regelmäßigeren Niederschlägen in diesem Staat. Auch hier verbindet sich der Anbau zur Korngewinnung mit dem Anbau als Grünfutterpflanze zur Heugewinnung, was ja bei Mais schon der Natur der Sache nach mehr zusammengehört. Reis wird in letzter Zeit in Neu-Südwales in steigendem Maße angebaut. Der Reisbau kann den schweren Lehmboden nutzbar machen und rentiert sich besser als Weizen. Die Reisproduktion wird durch Schutzzölle entwickelt. Von besonderem Interesse ist aus verschiedenen Gründen der Anbau von Zuckerrohr. Noch vor 30 Jahren in Australien ziemlich unbekannt, ist er heute der Hauptzweig der Feldwirtschaft in Queensland; daneben wird auch in Neu-Südwales etwas angebaut. Die australische Zuckerproduktion, der in den letzten Jahren ungefähr 350 000 acres dienten, könnte aber nicht bestehen, wenn nicht die Regierung die Einfuhr von Zucker verboten und den Inlandspreis außerordentlich hoch festgesetzt hätte. Hierdurch wird die Rentabilität der Zuckerproduktion ermöglicht, obwohl ein großer Teil des Zuckers exportiert werden muß und der Weltmarktpreis die Produktionskosten nicht decken würde. 1936/37 betrug die Erzeugung insgesamt etwa 780 000 tons, gegenüber etwa 600 000 tons in den Vorjahren. Dies ist sehr viel mehr, als der Inlandsmarkt aufnehmen kann; fast die Hälfte wird exportiert. Während aber der Inlandspreis per ton nicht weniger als £ 24/0/0 betrug, stand der Exportpreis auf weniger als der Hälfte dieses Preises. Ein nicht ganz einfaches System schafft für den Produzenten einen Ausgleich zwischen diesen beiden Preisen. Die notwendige Voraussetzung für die weitgehende Staatshilfe für den Zuckerbau besteht darin, daß er, auch im tropischen Queensland, fast ausschließlich mit weißen Arbeitskräften betrieben wird, während früher billige Farbige verwendet wurden. Wenn aber auch unter den heutigen Umständen — d. h. bei den hohen Löhnen für weiße 'Arbeitskräfte — die Rentabilität des Zuckeranbaues nur durch die geschilderten Staatsmaßnahmen gesichert werden kann, so sind die natürlichen Voraussetzungen sogar für eine weit größere Zuckerproduktion gegeben; und zwar zum Teil in Queensland, zum Teil aber auch in Neu-Südwales und nicht zuletzt in bisher allerdings fast unerschlossenen und von weißen Siedlern vielleicht nicht bewohnbaren Landstrichen Nordaustraliens. Neben dem Ackerbau spielt in den letzten Jahren die Obstkultur eine wachsende Rolle und entwickelt sich zu einer der großen Ausfuhrproduktionen des Landes. In den verschiedenen Teilen von Australien wachsen fast alle Obstsorten der Welt. Im tropischen Queensland vor allem ist die Bananenkultur zu Haus, die von hiei auch nach Neu-Südwales herüberreicht. In Neu-Südwales selbst nehmen Orangen und Zitronen eine hervorragende Stellung ein; diese Obstarten werden in geringerem Maße auch in Queensland angebaut. Die Weinrebe ist im ganzen Osten und Süden eingebürgert; sie in Australien heimisch gemacht zu haben, ist ein unbestrittenes Verdienst deutscher Siedler. Die Weintraube wird teils roh gegessen bzw. zum Versand gebracht, teils zu Rosinen getrocknet, überwiegend aber zu Wein verarbeitet. Im britischen Empire spielt der südaustralische Wein eine wachsende Rolle. 1935 wurden über 72 Millionen Liter Wein hergestellt; 1935/36 wurden fast 17 Millionen Liter exportiert. Die Ausfuhr von Wein ist vorübergehend durch Prämien unterstützt worden. Ananas und Kürbis werden vorwiegend in Queensland angebaut. Aepfel wachsen überall, vor allem auch in Südaustralien und Tasmanien. Die australischen Aepfel sind zum großen Teil von hervorragender Qualität; ihr Absatz wird im englischen Mutterland eifrig propagiert. Trotzdem ist die Lage der Apfelproduzenten schon seit einigen Jahren wegen des niedrigen Preisstandes schlecht; die Rentabilität der Erzeugung von Aepfeln — wie auch anderer Obstsorten — konnte nur durch hohe Exportsubsidien gesichert werden. Da nämlich der Eigenbedarf an Aepfeln naturgemäß beschränkt ist, stellt die Aepfelausfuhr im besonderen Maße Ueberschußausfuhr dar. Während der Obstsaison 1935 wurden über 4 Millionen Kisten Aepfel ausgeführt. In Südaustralien, einem der wichtigsten obstbauenden Staaten Australiens, werden, neben Aepfeln, Aprikosen, Zitronen, Orangen, Oliven und Pflaumen, vor allem auch verschiedene Arten von Beeren, so Erdbeeren und Johannisbeeren und auch Kirschen' angebaut. Der mannigfache Obstbau hat im Verein mit der Oueensländer Zuckerproduktion besonders die Herstellung von Marmelade, Dörrobst und Obstkonserven begünstigt. Es findet ein sehr erheblicher Export an diesen Waren statt. Im Jahre 1934/35 wurden etwa 67 000 Tonnen getrocknete Weintrauben (Sultaninen, Korinthen u. a.) erzeugt. Da der durchschnittliche Jahresverbrauch der australischen Wirtschaft aber nur 12000 bis 14 000 Tonnen beträgt, so wird der Rest exportiert, und zwar vorwiegend nach England, Kanada und Neu-Seeland. Australien ist in diesen Rosinensorten der wichtigste Lieferant der genannten Länder. Solange die australische Produktion nicht wesentlich über ihren jetzigen Umfang hinausgeht, kann der Absatz als gesichert gelten. Eine wichtige Exporthandelsware sind auch die Obstkonserven, vor allem von Aprikosen, Pfirsichen und Birnen; 1935 und 1936 brachten reiche Ernten an diesen Früchten. Eine einzige große Konservenfabrik in Goulburn-Tal im Staate Victoria erzeugte 1936 nicht weniger als 12 Millionen Büchsen, nachdem schon das Jahr vorher Rekordumsätze und eine Erhöhung des Kapitals gebracht hatte. C. Die Viehzucht Wie wir sahen, besitzt die australische Viehzucht noch eine weit größere Bedeutung als der Ackerbau. Die beiden Hauptzweige der australischen Viehzucht sind Schafzucht und Rinderzucht. Beide Produktionen werden im allgemeinen raumextensiv betrieben, hätten aber ihre gegenwärtigen Erfolge nicht erreichen können ohne Zuchtintensivierung. Zur raumextensiven Wirtschaft wird im allgemeinen die an die Randzone des Kontinents, das Küstengebiet, anschließende Zone verwendet. Diese weidewirtschaftliche Zone schließt sich im allgemeinen in sehr breitem Streifen an die Randzone an, vor allem im Osten, und umfaßt zum Teil Land, das genügend Regen empfängt, um bei rationeller Wasserwirtschaft auch zu intensiver Kultur gebraucht werden zu können; zum größeren Teil allerdings könnte das heute zur Weidewirtschaft benutzte Land kaum für intensive Kultur nutzbar gemacht werden, da es für Getreidebau oder reguläre Wiesenkultur zu wenig Wasser erhält. Die Wasserverhältnisse sind im doppelten Sinne das Hauptproblem der australischen Viehzucht. Denn einmal muß das Vieh getränkt werden; in dieser Hinsicht hat man durch die Bohrung von Tausenden von artesischen Brunnen, zum Teil mit einer Tiefe von über 1000 Metern, sich von der Unsicherheit der Niederschlagsverhältnisse weitgehend unabhängig gemacht und für große Teile des Landes die Gefahr, daß Millionen von Tieren in regenarmen 32