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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 27

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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taat 23000 Mischlinge vorhanden gewesen sein, wobei die Zahl der letzteren im Zunehmen, die der reinen Australschwarzen dagegen in der Abnahme begriffen sei. Doch veranschlagen manche Fachleute die Zahl der Eingeborenen aus den angegebenen Gründen sehr viel höher — auf 150000—200 000 Köpfe. Im ganzen gesehen ist also sowohl die Eingeborenenbevölkerung wie der von farbigen Einwanderern abstammende Bevölkerungsteil unbeträchtlich. Die ganz überwiegende Mehrheit ist weißer Abstammung, und von der weißen Bevölkerung sind angeblich 98 %, jedenfalls aber die überwältigende Mehrheit, wiederum britischer Herkunft. Hier nun liegt eines der Hauptprobleme der australischen Zukunft. Heute sind die Australier ein nahezu einheitliches Volk — trotz eines nicht unerheblichen Einschlages deutscher Einwanderer, der sich, wie schon früher erwähnt, besonders in Süd-Australien geltend macht. Und das Ideal der australischen Bevölkerung ist auch für die Zukunft: ein Kontinent, eine Sprache, ein Volk. Der Nationalismus ist in Australien ungemein stark entwickelt, und wenn man selbst den einwandernden Engländer als recht fremd empfindet, so sieht man den Einwanderer anderer Abstammung mit einem außerordentlichen Mißtrauen an, besonders wenn er Süd- oder Ost-Europäer ist. Diese Abneigung gegen die Fremden hat mancherlei Wurzeln — einmal wirtschaftliche, indem man von dem Einwanderer aus Ländern mit niedrigem Lebensstandard befürchtet, daß er sich selbst mit einem niedrigen Lohn zufrieden gibt und so das hohe Lohnniveau der australischen Arbeiter gefährdet. Da das Lohnniveau in Nord- und Westeuropa im allgemeinen weit höher ist als in solchen Ländern wie Italien, Jugoslawien, Polen usw., so ist schon aus diesem Grunde ein Engländer oder auch ein Schwede oder Deutscher weniger mißliebig als ein Süd- oder Osteuropäer. Es kommt aber andererseits hinzu, daß die Völker Süd- und Osteuropas den Australiern auch rassisch und kulturell sehr viel, ferner stehen als Nord- oder Westeuropäer; zweifellos können sich Italiener oder Jugoslawen an die angelsächsische Kultur im allgemeinen nicht so schnell assimilieren, wie Deutsche oder Holländer. Besonders gegen die Italiener, die sich doch, infolge ihrer Herkunft aus einem warmen Klima, besonders gut für die Besiedlung der subtropischen und vielleicht selbst der tropischen Teile eignen würden, herrscht in Australien ein tiefes Mißtrauen; teilweise faßt man sie sogar, wie Colin Ross berichtet, als eine Art Zwischenrasse zwischen Weißen und Farbigen auf. Infolge dieser Einstellung hat man Jahrzehnte hindurch die Einwanderung aus den Ländern Süd- und Ost- Europas mit besonderem Mißtrauen betrachtet und behindert, während man die Einwanderung aus England in gewissen Grenzen förderte, — wobei freilich die finanzielle Last ganz überwiegend vom Mutterland getragen wurde. Doch zeigt sich in letzter Zeit immer deutlicher, daß die Hoffnung auf eine einigermaßen den wirtschaftlichen Kraftquellen Australiens entsprechende Bevölkerungsdichte sich in absehbarer Zeit nicht erfüllen wird, wenn man nur auf englische Einwanderer zählen will. Diese Erkenntnis beruht einmal darauf, daß in England selbst der Geburtenrückgang einen solchen Umfang angenommen hat, daß von einem Bevölkerungsüberschuß nicht mehr die Rede sein kann und infolgedessen auch die natürliche Quelle der Auswanderung versiegt. Außerdem aber ist der englische Arbeiter, soziologisch betrachtet, heute ganz überwiegend Städter, und hat keinerlei Neigung, in die Einsamkeit des australischen Busches hinauszuziehen, um sich dort, ohne Achtstundentag und ohne großstädtische Zerstreuungen, eine unabhängige, aber schwere Existenz zu gründen; vielmehr besteht unter solchen Einwanderern die Tendenz, die ohnehin übermäßige Verstädterung Australiens noch zu vergrößern, das Land aber unbesiedelt zu lassen. Aus diesen Gründen sehen die nüchtern denkenden Australier allmählich ein, daß auf eine englische Einwanderung größeren Stils nie Ii t mehr zu rechnen sein wird, und daß man, um die politisch gefährliche Untervölkerung Australiens zu beseitigen, auf Einwanderer anderer Nationalität wird zurückgreifen müssen. Ein solcher Entschluß wäre um so dringender, als die natürliche Vermehrung der australischen Bevölkerung sehr gering ist; betrug doch im Jahre 1936 die Geburtenziffer nur noch 17,1 pro 1000 der Bevölkerung. Infolge der äußerst niedrigen Sterblichkeit von 9,4 — die nur infolge einer normalen Altersgliederung möglich ist und später einmal steigen muß — betrug der statistische Geburtenüberschuß zwar 7,7 pro 1000. Aber selbst wenn sich das Verhältnis der Geburtenziffer zur Sterbeziffer nicht verschlechtern sollte, wäre ein Geburtenüberschuß in der genannten Höhe völlig unzureichend, um in absehbarer Zeit das Mißverhältnis zwischen der Größe Australiens und seiner geringen Bevölkerung auch nur einigermaßen zu mildern. Aber wenn auch die Notwendigkeit, die Tore Australiens der Einwanderung weit zu öffnen, schon vielfach erkannt wird — freilich im englischen Mutterland noch weit mehr als in Australien — so ist der Weg von der Erkenntnis zur Tat noch lang. Denn während der australische Nationalismus vor allem fürchtet, daß der angelsächsische Charakter des Landes angetastet werden und ein buntes Gemisch aller möglichen nicht-assimilierten, ja vielleicht sogar geschlossene Blöcke bildenden Nationalitäten entstehen könnte, — bildet die Angst vor einer Senkung des Lebensstandards das Hauptmotiv für die Einwanderungsfeindlichkeit der Gewerkschaften. Infolge dieser beiden mächtigen Einflüsse ist zur Zeit die australische Einwanderungspolitik darauf gerichtet, jede Masseneinwanderung zu verhindern, Einzeleinwanderung aber jetzt — nachdem die Wirtschaftskrise so gut wie völlig überwunden ist — zuzulassen, sofern die Gewähr dafür gegeben ist, daß sich der Einwanderer schnell assimilieren wird — wofür die Beherrschung der englischen Sprache ein Hauptkennzeichen ist —, und daß er außerdem durch seinen Beruf dem L-ande Nutzen bringt: d. h. weder zur Senkung der Löhne noch zur Vergrößerung der Arbeitslosigkeit irgendwie beiträgt, sondern ein wirtschaftliches Bedürfnis des Landes befriedigt. An dieser grundsätzlichen Einstellung ist auch im Dezember 1938 bei der Erklärung der Bereitwilligkeit, im Laufe der nächsten 3 Jahre 15 000 sogenannte Refugies zuzulassen, festgehalten worden. So ist auch die Frage der jüdischen Einwanderung unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten; größte Vorsicht, besonders bei der Auslese der Berufe, ist unbedingt geboten. 4. Regierungsform, Innen - und Außenpolitik Australien ist ein britisches Dominion. Als solches genießt es nahezu alle Rechte eines selbständigen Staates, sowohl in außenpolitischer Hinsicht wie innenpolitisch. Es hat seine eigenen Finanzen, sein eigenes Heer und seine eigene Gesetzgebung. Es zahlt an das Mutterland keine Abgaben und trifft im Kriegsfall seine eigene Entscheidung. Doch schließt all dies, wie wir sehen werden, eine sehr enge, teils aus wirtschaftlichen und militärpolitischen Interessen, teils aus dem Gefühl entspringende freiwillige Verbundenheit mit dem englischen Mutterland und dem übrigen Empire nicht aus. 1901 ging aus dem Zusammenschluß der früher selbständigen Kolonien auf dem Festlande Australiens und der Insel Tasmanien des Commonwealth of Australia hervor. Dieses ist ein unauflöslicher Staatenbund, an dessen Spitze der vom König ernannte Generalgouverneur steht. Die Unauflöslichkeit des Australischen Staatenbundes ist durchaus nicht ohne praktische Bedeutung, da die ungeheuren Entfernungen zwischen den Einzelstaaten, sowie die große Inh. Julie Sara Peyser WILHELM GRASSOW I N T E R N AT I O N ALE SPEDITION &e*Uii-&e4A{ickmctorf -Jiwikstr. WM •&iif:490917 27

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