Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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gegenüber dem Innern mit seinem kontinentalen Klima begünstigt sind. Außerdem aber liegen die größten Städte im Südosten des Kontinents, der schon ein verhältnismäßig kühles Klima aufweist. Zur Orientierung im einzelnen mögen folgende Angaben dienen. Sydney gehört mit Adelaide zu den wärmeren Städten des australischen Südostens. Beide Städte haben eine jährliche Durchschnitts-Temperatur von 17,2° Celsius. In Adelaide sind allerdings die monatlichen Extreme und damit auch die Jahreszeiten schärfer ausgeprägt als in Sydney. Der kälteste Monat, Juli, weist in Adelaide eine Durchschnittstemperatur von 10,9° C, der wärmste Monat, Januar, eine solche von 23° C auf. Für Sydney sind die entsprechenden Durchschnitts- Temperaturen 11,3° C (Juli) und 21,9° C (Januar). — Die jährliche Regenmenge ist in Sydney mit 1265 mm mehr als doppelt so groß wie die in Adelaide. Melbournes Klima ist noch gemäßigter als das der eben erwähnten beiden Städte. Seine Jahresdurchschnitts-Temperatur beträgt 14,7° C, die Temperatur des kältesten Monats Juli 9,3° C, die des wärmsten Monats -Januar 19,7° C. Die jährliche Regenhöhe beläuft sich auf 647 mm. H o b a r t, die Hauptstadt der Insel Tasmanien, weist das kühlste Klima unter den größeren australischen Städten auf. Die Jahresdurchschnitts-Temperatur beträgt hier 12,5° C, die Juli- Durchschnittstemperatur nur 7,6° C, und die des Januar 16,7° C. Die jährliche Regenmenge beträgt im Durchschnitt 592 mm. P e r t h, die Hauptstadt Westaustraliens, hat höhere Temperaturen als die eben genannten Städte des australischen Südostens. Die Jahresdurchschnitts-Temperatur beträgt 18,3° C, die des Juli 12,8° C, und die des Februar, der hier der wärmste Monat ist, 24,3° C. Regenhöhe: 870 mm. Die einzige größere Stadt Australiens, die in der tropischen Zone liegt, ist Brisbane. Ihre Jahresdurchschnitts-Temperatur ist 19,9° C, die Durchschnitts-Temperatur des kältesten Monats, Juli, beträgt 14° C, die des wärmsten Monats, Dezember, 24,5° C. Die jährliche Regenmenge erreicht 1366 mm. Wir geben zum Vergleich die entsprechenden Ziffern für Berlin an: Jahresdurchschnitts-Temperatur 9,1° C; Durchschnitts-Temperatur des kältesten Monats Januar — 0,3° C, des wärmsten Monats Juli 18,8° C; jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge 570 mm. 3. Bevölkerung Die Einzigartigkeit Australiens im Vergleich zu allen übrigen Kontinenten zeigt sich vor allem in den Bevölkerungsverhältnissen. Wir erwähnten schon die außerordentlich geringe durchschnittliche Bevölkerungsdichte des Gesamtgebiets und die Existenz dicht besiedelter Küstenstreifen, vor allem im Südosten, neben der Menschenleere des Inneren. Betrachtet man nun die Verteilung der Bevölkerung auf die australischen Einzelstaaten, so zeigt sich folgendes Bild: Verteilung der australischen Bevölkerung (1936, Schätzung) Staat bzw. Territorium Größe in 1000 qkm % der Gesamtfläche Bevöllc.- Zahl in 1000 Bevölk.- dichte je qkm 801,4 10,40 2 682 3,2 227,6 2,96 1852 8,1 1 736,5 22,54 982 0,6 984,3 12,78 589 0,6 2 527,5 32,81 452 0,2 67,8 0,88 235 3,5 1 356,1 17,60 5 0,003 (Nordu. Zentral-Australien) 2,4 0,03 10 4,1 7 703,6 100,00 1 6 807 0,9 Aus dieser Zusammenstellung geht das Uebergewicht der beiden im Südosten liegenden Staaten Neu-Südwales und Victoria, die allein weit über die Hälfte der australischen Bevölkerung beherbergen, während sie kaum mehr als 13 °/o der gesamten Fläche umfassen, ebenso deutlich hervor wie die ungeheure Menschenleere solcher Staaten wie Queensland, Süd-Australien und vor allem West- Australien, dessen Flächenumfang den des Deutschen Reiches um mehr als das Fünffache übertrifft. Im Nordterritorium aber ist die Menschenleere so groß, daß ein Staat dort bisher nicht hat entstehen können. So ist es kaum eine Uebertreibung zu sagen, daß Australien, außer dem Küstenstreifen im Südosten und Osten, verhältnismäßig kleinen Gebieten in Süd-Australien und dem Schwanlande in West-Australien, noch heute ein leerer Kontinent ist. Da aber ohne Zweifel Australien ein Vielfaches seiner jetzigen Bevölkerung selbst ohne Senkung des ängstlich gehüteten Lebensstandards ernähren könnte, steht die heutige Bevölkerung in einem offenbaren Mißverhältnis zu der Naturausstattung und den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Kontinents, und dieses Mißverhältnis wird zu einer politischen Gefahr dadurch, daß der Stille Ozean, an dem Australien liegt, es gleichzeitig mit so übervölkerten Ländern wie China und Japan verbindet. Die Angehörigen dieser Völker wären aber vor allem für die Besiedlung des tropischen Nord- Australien sicherlich weit besser geeignet als Angehörige der weißen Rasse, und der Drang zur Einwanderung und zur Begründung von Siedlungen hat sich schon seit langem, ja seit Generationen vor allem bei den Chinesen immer wieder gezeigt. Aber jeder Gedanke an die Einwanderung von Farbigen ist bisher bei den Australiern auf den fanatischsten Widerstand gestoßen, in dem sich alle australischen Parteien vereinigen; ist man sich doch darüber klar, daß gerade die Anspruchslosigkeit, Zähigkeit und das feste Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Menschen sie zu wirtschaftlich außerordentlich erfolgreichen Konkurrenten machen müssen, während ihre tiefe Wesensfremdheit eine Assimilation an die weiße australische Bevölkerung unmöglich machen würde. Die Australier erblicken deshalb in der Frage der farbigen Einwanderung geradezu die Schicksalsfrage Australiens, da die kulturelle, ja selbst die physische Existenz der jetzigen Bevölkerung durch eine starke farbige Einwanderung von Grund auf verändert werden müßte. Infolgedessen hat sich Australien schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts immer leidenschaftlicher und mit mannigfachen Mitteln gegen die Zuwanderung farbiger Arbeitskräfte gewehrt. Dies bezieht sich in erster Reihe auf die Angehörigen der mongolischen Rasse, also Chinesen und Japaner, in zweiter aber auch auf andere Farbige, wie die Kanaken, die besonders als Arbeiter auf den Zuckerplantagen von Queensland eine gewisse Rolle gespielt haben. Bei der Gründung des Australischen Bundes im Jahre 1901 wurde die Einwanderung der Farbigen verboten. Diejenigen, die bereits in Australien ansässig waren, wurden australische Bürger; ihre Zahl war aber gering. Selbst gegen die Einreise von Farbigen zu vorübergehendem Aufenthalt sind heute mannigfache Maßnahmen getroffen. So erklärt es sich, daß die gesamte durch Einwanderung entstandene farbige Bevölkerung Australiens heute nur auf etwa 30000 Menschen zu veranschlagen ist, von denen der größte Teil chinesischer Herkunft ist. Diese Chinesen sind vorwiegend Gärtner, Gemüsehändler und Handwerker im tropischen Norden; oft arbeiten sie auch als Hausangestellte. Die wenigen tausend Japaner sind meist als Kaufleute oder als Perlenfischer (an der Nordküste) tätig. Außerdem spielen in Australien höchstens die Syrier und Afghanen (als Kameltreiher und Händler im Innern) eine Rolle. Von dieser eingewanderten farbigen Bevölkerung sind die eigentlichen Eingeborenen, die Australschwarzen, durchaus zu unterscheiden. Diese spielen heute in den wirtschaftlich erschlossenen Teilen des Kontinents keine Rolle mehr. Sie konnten von Anfang an dem Vordringen der weißen Bevölkerung keinen Widerstand entgegensetzen, wurden durch blutige Verfolgungen aus den besseren Teilen des Landes vertrieben und in das unerschlossene Innere zurückgedrängt. Eine Zivilisierung der Australschwarzen ist bisher unmöglich gewesen. Sie können weder selbständig arbeiten, noch sind sie zu irgendeiner geregelten Arbeit heranzuziehen. Nur im Busch und in der Wildnis können sie unersetzliche Dienste als Hirten oder als Hilfsarbeiter auf Viehstationen leisten. Die Zahl dieser Eingeborenen läßt sich nicht feststellen, weil sich die Stämme im Innern völlig der Kontrolle entziehen und es manche Stämme geben mag, die noch niemals mit Weißen in Berührung gekommen sind. Nach offiziellen Aogaben sollen im Juni 1936 nur noch rund 55 000 Australienwarze und 26