Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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LÄNDERTEIL Vorwort Der Länderteil dieses Heftes ist Einwanderungsmöglichkeiten in mehrere Länder des Britischen Weltreiches gewidmet. Die Dominien Australien und Neu-Seeland werden ihrer Bedeutung für die Jüdische Auswanderung entsprechend in eingehenden Aufsätzen behandelt. Dagegen haben wir uns für Britisch-Indien, Canada und die Südafrikanische Union auf die Wiedergabe der Einwanderungsbedingungen beschränkt, weil diese Länder zur Zeit nur für Einzelfälle als Einwanderungsziel in Betracht kommen. Daß Kenya, Nord-Rhodesien und Süd-Rhodesien wiederum breiter dargestellt worden sind, erklärt sich vor allem daraus, daß die maßgebenden englischen Stellen nicht abgeneigt zu sein scheinen, eine größere Einwanderung in diese Gebiete zuzulassen. Mit allem Nachdruck muß jedoch folgendes betont werden: Von allen objektiven, insbesondere wirtschaftlichen Voraussetzungen abgesehen, verlangt jede erfolgreiche Einwanderung von dem wandernden Menschen selbst dreierlei, nämlich erstens körperliche Eignung — ein Faktor, der insbesondere bei den tropischen Ländern stark ins Gewicht fällt —, zweitens berufliche Eignung und drittens eine ausreichende Kenntnis der Landessprache. Für die Länder des Britischen Empire aber kommt zu diesen drei Grundvoraussetzungen noch eine vierte sehr wesentliche Bedingung hinzu, und diese ist charakterlicher Art. Ohne jeden Zweifel wird in Ländern wie Australien, Neu-Seeland oder Canada ein sehr viel strengerer moralischer Maßstab an das Verhalten jedes Einzelnen und insbesondere des Einwanderers angelegt als in gewissen L ändern mit weniger fest gefügten Traditionen. Deshalb ist es von allergrößtem Wert, daß in die Länder des Britischen Weltreichs nur solche Menschen gehen, die dem englischen Ideal der fairness sehr weitgehend entsprechen. Ihnen wird man hilfreich und wohlwollend entgegenkommen wie in wenigen andern Teilen der Welt. Wer dagegen glaubt, durch skrupellose Energie besondere Erfolge zu erzielen, wird sich bald gesellschaftlich und vielleicht sogar geschäftlich isoliert finden; vor allem aber wird er der Sache der jüdischen Einwanderung unberechenbaren Schaden zufügen. Takt, Selbstbeherrschung, ein sportlicher Geist des Wettkampfes innerhalb festgesetzter Regeln, Anpassungswilligkeit, die nie in Charakterlosigkeit ausarten darf, und Hilfsbereitschaft gegenüber dem Nächsten, das sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür, daß sich der Einwanderer in Ländern des Britischen Empire einfügen und auf die Dauer wohlfühlen kann. 17