Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- April 1939
- Date
- 1939-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Tages, die etwa in die Zeit zwischen 12 und 3 Uhr fällt, zu leichter Tätigkeit und zur Siesta auszunutzen. Es ist aber durchaus ungeeignet, innerhalb dieser Zeit die Hauptmahlzeit des Tages zu halten, da der Appetit in der Mittagshitze am geringsten ist. (Er pflegt überhaupt in den Tropen und Subtropen gering zu sein.) Eben wegen dieses Appetitmangels und der damit zusammenhängenden Beschaffenheit der Verdauungssäfte würde aber das Einnehmen eines ausgiebigen Mittagessens sehr unzweckmäßig sein; ein kleiner, leicht verdaulicher Imbiß ist das Richtige zur Mittagszeit. Die Hauptmahlzeit gehört in diesen Gegenden unbedingt in die Abendzeit, aber auch dann ist Mäßigkeit angebracht, Ein Wort noch zur Würzung der Speisen: Wir sind von unserer heimischen Küche gewöhnt, im wesentlichen mit Kochsalz und Pfeffer zu würzen. Beides hat in den Tropen Gefahren; der Pfeffer dadurch, daß er, in größeren Mengen genommen, zu Nierenreizungen führen kann, das Kochsalz, weil es den schon ohnehin erheblichen Durst noch vergrößert. Dagegen ist es durchaus geraten, den in diesen Gegenden viel verwandten Curry und den roten Pfeffer (Paprika) in mäßigen Mengen zur Würzung der Speisen heranzuziehen, da die in den Tropen meist zu geringe Salzsäuresekretion des Magens hiermit angereizt wird. Die normalen Salzsäureverhältnisse sind aber nicht nur die Vorbedingung für die gute Verdauung der genossenen Speisen, sondern auch weitgehend ein Schutz vor Magendarmkatarrhen und anderen Störungen der Verdauungsorgane, da der normale Salzsäuregehalt des Magens mit der Nahrung eingeführte Krankheitserreger nicht nur weitgehend schädigt, sondern zum Teil sogar abtötet. Da es infolge der veränderten Temperaturverhältnisse und des starken Schwitzens zu einer Verarmung des Körpers an Kali und Kalksalzen kommt, soll dieser Verlust am besten durch der Nahrung zugesetzte Pflanzenasche, die an diesen Mineralien reich ist, ausgeglichen werden. Natürlich darf die Würzung ein gewisses Maß nicht überschreiten, um einerseits nicht zu Reizungen der Magenschleimhaut, andererseits nicht zu gesteigertem Durst zu führen. Der Durst ist in diesen Klimaten eine Folge des beständigen Schwitzens, das durch die hohen Lufttemperaturen hervorgerufen wird. Zu seiner Stillung eignet sich am besten kühler, schwacher Tee oder auch Kaffee, weniger Limonaden, deren kühle Temperatur dazu verführt, mehr zu trinken, als im Augenblick erforderlich wäre. Alkoholische Getränke jeder Art, auch der ganz zu Unrecht als unschädlich bezeichnete Whisky sind in tropischen und subtropischen Gebieten absolut zu meiden, zum mindesten während des Tages. Die Gefahr des Alkoholgenusses liegt hier vor allem in der Zunahme der Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit, sowohl allgemein als auch besonders bezüglich der Vorbeugungsmaßnahmen gegen Erkrankungen. Daß scharfes Salzen, Alkoholgenuß und geschlechtliche Ausschweifungen zusammengehören, ist eine alltägliche Erfahrung. Da in den tropischen Gebieten das Verlangen nach geschlechtlicher Betätigung beim Europäer ohnehin größer ist als in den gemäßigten Zonen, ist auch aus diesem Grund der Alkoholgenuß zu meiden und ganz allgemein auch in geschlechtlicher Beziehung Mäßigkeit zu fordern. Bei den oft mangelhaften hygienischen Verhältnissen ist die Gefahr, sich bei außerehelichem Verkehr eine Geschlechtskrankheit zuzuziehen, ganz außerordentlich groß, während die Möglichkeit einer sachgemäßen Behandlung meist sehr gering ist. Eine andere Frage, welche die aufmerksamste Beachtung des Auswanderers verdient, ist die Erhaltung des gesunden Schlafes in heißen Ländern; führt doch die größere Wärme tropischer Nächte beim Europäer leicht zu schlechterem Schlaf. Wenn auch die Schlafdecke in solchen Gegenden, in denen es auch zwischen Mitternacht und Morgen nicht zu kühl wird, leicht sein kann, ja vielleicht eine eigentliche Decke völlig zu entbehren ist, so ist doch eine, am besten wollene, gestrickte Leibbinde in jedem Fall erforderlich, die auch am Tage bei geringster Unpäßlichkeit getragen werden sollte; nur bei völliger Gesundheit sollte sie, um nicht zu sehr zu verweichlichen, nicht getragen werden. Selbstverständlich kann in den meisten Gegenden auf die Schlafdecke nur verzichtet werden, wenn unter einem Moskitonetz geschlafen wird, das zweckmäßig an den Seiten in Körpernähe durch einen Streifen dickeren Stoffes verstärkt wird, um ein Stechen der Moskitos in die dem Netz anliegenden Körperteile zu verhindern. Denn auch in Gegenden, wo eine Malariagefahr nicht besteht, ist es meist nötig, sich vor den anderen stechenden Insekten zu schützen. Falls trotz der leichten Bedeckung der Schlaf nicht kommen will, so wird leicht der Wunsch nach einem Schlafmittel auftreten. Tatsächlich ist denn auch der Gebrauch von Schlafmitteln in diesen Zonen äußerst verbreitet. Dies schließt aber die Gefahr der Gewöhnung ein, d. h. es müssen immer größere Mengen der Medikamente genommen werden, wenn der gewünschte Erfolg erzielt werden soll. Schließlich wirken auch große Mengen nicht mehr einschläfernd, schädigen aber wegen der giftigen Wirkung aller dieser Stoffe auf die Dauer den Körper. In den meisten Fällen wird ein kühles Bad die Schlafbereitschaft so herstellen, daß eine Anwendung von Arzneimitteln nicht erforderlich wird. Für den Hausbau gilt die Forderung, sich von den Wohnungen der Eingeborenen möglichst zu entfernen, um die Gefahr der Ansteckung an ihren Krankheiten zu verringern. Auch sonst sollte man keine Nachbarschaft in allzu großer Nähe haben, schon um sein Haus dem ungehinderten Luftzug von allen Seiten auszusetzen, der möglichst auch durch die Gänge und Zimmer wehen muß. Der Bauplan soll sich diesen Forderungen anpassen. Daß man die Fenster und Türen mit Drahtgaze verschließt, um den Insekten den Zutritt zu sperren, ist für jeden Trqpenhausbau selbstverständlich. Ebenso müssen die Aborte fliegen- und mückensicher sein, und Brunnen sachgemäß angelegt werden. Auch bei diesen Schutzmaßnahmen dringen noch gelegentlich in die Wohnung Fliegen und Mücken ein, die gefangen und getötet werden müssen. Hierzu hat sich auch das Zerstäuben von Flit bewährt. Ein Stich einer infizierten Mücke genügt zur Uebertragung der Malaria, und im Hause setzt man, wegen der leichteren Kleidung, größere Hautpartien der Gefahr aus, gestochen zu werden, als draußen. Die Bekleidung außerhalb des Hauses muß so gewählt sein, daß sie den Körper möglichst weitgehend vor Insektenstichen und -bissen schützt, dem Körper aber wegen der Gefahr des Hindurchstechens und wegen der Verdunstungsmöglichkeit des Schweißes nicht zu fest an-, liegen soll. Die Art der Kleidung wird natürlich je nach der Gegend verschieden sein müssen. In Zentral- und Südamerika wird sie anders sein müssen als in Afrika. Während z. B. in den tropischen Gebieten Amerikas der Tropenhelm nicht getragen wird, wohl aber Strohhüte und sogar leichte Filzhüte, und die männliche Kleidung zwar hell und leicht, aber in Schnitt und Material der europäischen sehr ähnlich ist, ist in Afrika der Tropenhelm unentbehrlich und der weiße oder khakifarbene Anzug gebräuchlich. Der Auswanderer, der in solche Gebiete geht, wird also gut tun, sich über die dort im allgemeinen getragene Kleidung vor seiner Ausreise zu unterrichten. Das Gehen ohne Kopfbedeckung, das sich in den Sommermonaten in Europa immer mehr eingebürgert hat, ist für tropische Gebiete nicht nur ungeeignet, sondern direkt gefährlich, da der mit Recht gefürchtete Sonnenstich ohne längere Vorboten eintritt, besonders auch beim Ruhen in der Sonne, und oft tödlich verläuft. Man sollte versuchen, sich langsam und vorsichtig an die Tropensonne zu gewöhnen, ebenso sehr um die Haut zu bräunen, wie auch um die Schweißsekretion zu trainieren. AUSWANDERER! Decken Sie bei uns Ihren Bedarf an Sch rei bmaschinen! Reiseschreibmaschinen, neu und gebi-aucht, mit amerikanischer, englischer, spanischer, hebräischer und anderer Tastatur. Auch Gelegenheitskäufe! Versand auch nach außerhalb. Reparaturen! Globus Inhaber: Maurus Löwy Laden Kommandantenstr. 31a / Tel. 17 6672 E. GrÜnSpohll jetzt:Verkaufsbüro, Markgrafenstraße ';3 j Telefon 17 26 08 10