Mannheim
Compact Memory

Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492429-9991069-9588267--910-9588276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Monate ä unter V. Gesundheitliche Voraussetzungen der Auswanderungsfähigkeit Welches sind nun die gesundheitlichen Eriordernisse für die Auswanderung? Grundbedingung für jede Auswanderung ist die körperliche Gesundheit, ganz besonders natürlich, wenn der Auswanderer im Einwanderungsland körperliche Arbeit leisten soll. Auch für kaufmännische Berufe (Vertreter) wird diese unbedingt zu fordern sein. Es ist daher in jedem Falle zu fordern, daß der Auswanderer sich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung unterzieht, bevor er damit beginnt, seine Auswanderung zu betreiben. Eine Erkrankung des Herzens und der Gefäße kann sich seiner Kenntnis durchaus entziehen und erst bei einer genauen Prüfung des Gesundheitszustandes zutage treten. Sofern für den Auswanderer eine Ansiedlung in mittleren oder gar großen Höhen in Frage kommt, ist vor allem seine Herztauglichkeit von entscheidender Bedeutung. Aber schon ein erhöhter Blutdruck kann den Aufenthalt und die Tätigkeit auch in mittleren Gebirgslagen ausschließen. Auch die Atmungsorgane haben eine besondere Beanspruchung in der Höhenlage zu erwarten; dies gilt natürlich nicht nur für die an Bronchialasthma Leidenden, sonders auch besonders für tuberkulös Lungenkranke, bei denen es immer von einer ärztlichen Untersuchung und genauer Würdigung der klimatischen Faktoren des Auswanderungszieles abhängen wird, ob man zu- oder abraten muß. Während für die Besiedlung gemäßigter Klimazonen besondere Vorbedingungen kaum zu erfüllen sind, ist bei Auswanderern in die Tropen und Subtropen eine Untersuchung auf Tropenfähigkeit unbedingt zu fordern. Allerdings ergibt auch diese leider nicht in allen Fällen absolute Sicherheit, daß der Untersuchte dieses Klima gut vertragen wird, es kann aber eine Klasse von Menschen, die in diesen Gegenden sehr gefährdet wäre, sicher ausgeschlossen werden, nämlich diejenigen, die auf Chinin besonders stark reagieren. Im Falle einer Erkrankung an Malaria kann ihnen dieses Mittel nicht gegeben werden, sie können es auch zur Vorbeugung nicht einnehmen. Von denen, die Chinin in den notwendigen Mengen vertragen, ist außerdem zu fordern, daß ihre Herztätigkeit weder nach diesem Medikament noch bei oder nach körperlicher Arbeit gestört ist, daß sie fähig sind, reichlich zu schwitzen, und daß sie nicht leicht erregbare, nervöse, sondern zähe und willenskräftige Menschen sind. Welche Berufszweige kommen nun für die Auswanderung in tropische Gebiete in Frage? Landwirtschaftliche Arbeit scheidet für den Europäer in den tropischen Niederungsgebieten in der Regel etwa bis 1000 m völlig aus; sie wird auch in den tropischen Höhenlagen durchaus nicht für jeden möglich sein. Hierbei ist wiederum die Mittelzone zwischen 1000 und 1500—1700 m zu unterscheiden von den oberhalb dieser Grenze liegenden Höhen. Während in der genannten Mittelzone für einen gesunden und kräftigen Menschen nach einer Zeit vorsichtiger Eingewöhnung durchaus die Möglichkeit besteht, ohne Schaden körperliche Arbeit zu leisten, ist die Beanspruchung von Herz und Kreislauf in der eigentlichen Höhenregion so stark, daß hier die Gefahr einer Insuffizienz des Kreislaufs auf längere Sicht durchaus nicht außer acht gelassen werden kann. Dagegen sind dem Europäer alle „Schreibtischberufe" sogar im tropischen Tiefland zumutbar; auch kaufmännische Berufe, wie der des Vertreters, ferner alle Arten von Handel- und Gewerbebetrieb und selbst solche handwerklichen Tätigkeiten, die nicht mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden sind. Hierbei muß aber berücksichtigt werden, daß an eine Daueransiedlung im tropischen Niederungsklima nicht gedacht werden kann, sondern nur an einen Aufenthalt, der sich nach etwa 5—7 Jahren bemißt. Während dieser Zeit sind Erholungsmöglichkeiten durch vierteljährige Reisen ins gemäßigte Klima etwa alle 2—3 Jahre von größtem Wert. Ohne sie führt das tropische Niederungsklima zu einer großen Schwächung und Erschlaffung des Europäers, in deren Gefolge die Arbeitsfähigkeit zu stark absinkt, als daß eine erfolgreiche, wirtschaftliche Tätigkeit auf die Dauer möglich wäre. Für das tropische Hochland — nicht so sehr für die Mittelzone — gelten bis zu einem gewissen Grade dieselben Bedingungen, denn auch in diesem sollte man sich möglichst nur zu einer zeitlich bemessenen Ansiedlung entschließen, da mit wachsendem Lebensalter vor allem die Gefahr einer Schwächung des Herzens, auch wenn es vorher völlig intakt war, zu bedenken ist. Dieser Herzschwäche ist am besten durch zeitweiliges Verlassen der Höhenregion entgegenzuwirken. Ganz anders liegen die Verhältnisse bei einer Ueber- Siedlung in subtropische Gebiete. Auch hier ist allerdings zu berücksichtigen, daß das subtropische Klima einen weiten Spielraum hat, und daß die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse in der besonderen Region des Siedlungslandes, in die die Einwanderung erfolgen soll, nicht zu große Anforderungen an den Wärmeregulierungsapparat des Europäers stellen dürfen. In weiten Gebieten subtropischen Klimas wird aber gegen eine landwirtschaftliche Siedlung kein Bedenken bestehen, viel weniger natürlich gegen kaufmännische und handwerkliche Tätigkeiten, wobei hier die Ausübung von Handwerken mit größerer Beanspruchung der Körperkraft ebenfalls möglich ist. Im gemäßigten Klima wird für die Einwanderung eine gesundheitliche Schranke kaum bestehen. Es ist nur zu bedenken, daß das gemäßigte Klima oft, wie z. B. im südafrikanischen Kapland, wiederum auf eine Höhenlage begrenzt ist, was sowohl vom körperlich Arbeitenden wie besonders von Herz- und Kreislaufgefährdeten berücksichtigt werden muß. VI. Allgemeine Verhaltungsmaßregeln für die heißen Zonen Wenn nun Anpassungsschwierigkeiten im gemäßigten Klima nicht bestehen, so erfordert dagegen das Leben in tropischen und subtropischen Ländern eine weitgehende Anpassung an die veränderten Umweltsverhältnisse und Vorbeugung vor einer ganzen Reihe von Krankheiten, von denen einige auch in den gemäßigten Gürteln heimisch sind. Von beidem soll im folgenden kurz gesprochen werden. Das tropische und subtropische Klima unterscheidet sich von dem gemäßigten vor allem durch die höhere Luftwärme und Luftfeuchtigkeit, sowie die stärkere Sonnenstrahlung, die dort dem ganzen Leben ihren Stempel aufdrücken. So ist ein Arbeiten, wie es der Europäer gewohnt ist, wirklich pausenloses, intensives Arbeiten, sowohl bei körperlicher wie bei geistiger Tätigkeit nicht möglich. Die Eingeborenen halten die Grenze ihrer Arbeitsfähigkeit instinktiv ein, während der Europäer sich erst bewußt auf ein geringeres Arbeitsquantum und eine geringere Arbeitsintensität umstellen muß; andernfalls ist er in kurzer Zeit erschöpft und ausgepumpt. Er muß es sich also zur Regel machen, etwa mit halber Kraft zu arbeiten, die Zeit intensivster Tätigkeit in die frühen Morgenstunden und den Nachmittag zu verlegen und die größte Hitze des frl WILHELM GRASSOW Inh. Julie Sara Peyser " Ubersee-ü; Stadttransporie BE RUN-REI NICKEN DORF AAARKSTR; 10-11 RUF:490?1?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.