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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Der Hitzschlag tritt bei Behinderung der Wärmeabgabe des Körpers durch hohe Luftfeuchtigkeit und Temperatur auf. Menschen, die die Fähigkeit haben, reichlich zu schwitzen, sind hier weniger gefährdet als solche, die nur spärlich Schweiß absondern. Bei großer Hitze und Luftfeuchtigkeit wird deshalb jede körperliche Arbeit zweckmäßig auf das geringste Maß einzuschränken sein. Ein Vergleich zwischen Negern und Weißen zeigt, daft die Haut des Negers im ganzen reichlicher schwitzt als die des Weißen, und daß nicht nur mehr Schweiß, sondern auch mehr Hauttalg abgesondert wird, wodurch die Haut nicht so „durchweicht", wie das beim Weißen der Fall zu sein pflegt. Der Weiße sollte daher die Haut leicht fetten, um die Feuchtigkeit nicht so sehr in die Haut dringen zu lassen, nicht nur, weil sie dann leichter verdunstet, sondern auch, um die Haut vor der Reizung durch die Feuchtigkeit zu bewahren. Der „Rote Hund", der meist die erste Aeußerung der Tropenhitze beim Neuling ist, wird sich so in vielen Fällen vermeiden lassen. VIL Die Bekämpfung der Tropenkrankheiten Ueber die genannten allgemeinen Verhaltungsmaßregeln hinaus wird es aber nötig sein, besondere Vorkehrungen zur Verhütung und Bekämpfung der Tropenkrankheiten zu treffen. Hierzu muß der Auswanderer schon auf der Ueberfahrt die notwendige Vorsicht walten lassen. Es ist bekannt, daß die Verpflegung auf den Dampfern sowohl reichlich, wie auch reichhaltig zu sein pflegt und so der Anreiz besteht, des Guten zuviel und auch schwer verdauliche Speisen zu genießen. Dies hat dann nur allzu häufig zur Folge, daß nicht nur die Seekrankheit viel stärker auftritt als nötig, sondern sich auch Magen- und Darmstörungen einstellen, die nicht selten noch bei der Ankunft im Hafen fortbestehen und die Grundlage einer ernsthaften Krankheit werden. Denn in den Tropen ist schon ein ganz gewöhnlicher „verdorbener Magen" sehr ernst zu nehmen, weil eine Reihe von Tropenkra'nkheiten, wie Bazillen- und Amöbenruhr, Cholera und andere mehr, vorwiegend den Magen-Darmkana] betreffen; und so ist es von größter Wichtigkeit, nicht durch leichtsinniges Verhalten bei der Ueberfahrt eine Disposition für diese gefährlichen Erkrankungen zu schaffen. Der Magen-Darmkanal ist nicht nur der Sitz vieler bakterieller Infektionen in den Tropen, sondern auch der häufigen tropischen Wurmkrankheiten. Denn die mangelnde Fleischbeschau führt zu zahlreichen Bandwurm erkrankungen, außerdem aber sind auch Spul- und Madenwürmer hier sehr häufig. Sie werden durch Obst und Gemüse übertragen, das gar nicht, unzureichend oder mit nicht einwandfreiem Wasser gewaschen wurde. Am Ort gewachsene Gemüse sollten deshalb immer gut gewaschen und kurz in kochendes Wasser getaucht werden, ebenso alle Früchte, die ungeschält roh genossen werden sollen. Weit gefährlicher als diese Darmschmarotzer sind aber die Hakenwürmer, die sich in die Darmschleimhaut einbohren und dadurch dauernde, kleine Blutverluste herbeiführen, die schwere Blutarmut im Gefolge haben. Diese Parasiten leben in ihrer Larvenform vorwiegend in Lehmpfützen, stehenden Gewässern und auf feuchtem Boden; sie bohren sich in die Haut ein und nehmen von da aus durch den Körper ihren Weg in den Darm. In allen hakenwurmverseuchten Gegenden — und das sind praktisch fast alle Tropen- und Subtropengebiete! — ist deshalb das Tragen festen Schuhwerks Bedingung! Ein anderer Wurm, der Bilharziawurm, der ebenfalls schwere Krankheitszustände hervorruft, lebt in Flüssen und Seen, Teichen und Tümpeln und bohrt sich, ebenso wie der Hakenwurm, durch die Haut, so daß das Baden, natürlich auch das Waten in solchen als verseucht bekannten Gewässern schwere Gefahren in sich birgt. Hier sei auch der Sandflohplage gedacht. Die kleinen Tiere bohren sich in die Haut, besonders der Zehen, ein, und rufen dort leichte Entzündungen hervor. Sie lassen sich aber leicht entfernen. Um sich vor ihnen zu schützen, soll man nicht barfuß gehen, auch nicht im Hause! In der menschlichen Haut entwickeln sich auch die Maden einiger Fliegenarten, die im allgemeinen harmlos sind und sich leicht abtöten und herausziehen lassen. Wenn sie in Nase oder Ohren sitzen, kann aber eine tödliche Krankheit die Folge sein, weshalb ärztliche Hilfe unbedingt erforderlich ist! Ganz besondere Aufmerksamkeit kommt natürlich der Malaria zu, die in allen wärmeren Klimaten anzutreffen ist. Die Maßnahmen zu ihrer Verhütung und Behandlung sind relativ einfach, und eine im Erkrankungsfalle lange genug durchgeführte Chininkur ist der beste Schutz vor dem gefährlichen und mit Recht gefürchteten Schwarzwasserfieber. Die Verhütungsmaßnahmen sind: ausreichende Bekleidung in der Dämmerung und nachts, so daß vor allem auch die Beine vor Mückenstichen geschützt sind (Gamaschen oder hohe, über die Wade reichende Schuhe); im Hause sind gazeverschlossene Fenster und Türen erforderlich. Dazu kommt die Einnahme von Chinin in ganz bestimmtem Turnus, der mit absoluter Gewissenhaftigkeit durchgeführt werden muß, weil sonst die Gefahr besteht, daß sich die Parasiten an Chinin gewöhnen und dann die Malaria nicht mehr mit Chinin bekämpft werden kann. Vorkehrungen zur Bekämpfung der Mückenbrut, die sich in Wassertümpeln entwickelt, sind ebenso unerläßlich. Sie bestehen im Zuschütten der Wasserlachen, Aussetzen von solchen Fischen, die die Mückenlarven fressen, Bedecken kleinerer Wasserflächen mit Petroleum, um die Brut zu ersticken, schließlich Vertilgen der Mücken in der Wohnung durch Ausgasen, Zerstäuben von Flit usw. In Gemeinschaftssiedlungen sorge jeder dafür, daß auch der Nachbar sich am regelmäßigen Chinineinnehmen wie am Bekämpfen der Mücken und ihrer Brut beteiligt. Aehnlich wie mit dem Schutz gegen die Malaria steht es mit dem gegen das Gelbfieber. Auch hier sind die Ueberträger Stechmücken, nur daß diese nicht außerhalb, sondern gewöhnlich innerhalb der Häuser ihre Brutstätten haben. Dazu genügt ihnen schon ein Glas voll Wasser, so daß in gelbfieberverseuchten Gegenden die Bekämpfung nicht nur im allgemeinen Mückenschutz, sondern vor allem auch im mückensicheren Verschluß aller Flüssigkeiten enthaltenden Gefäße besteht. Außer diesen beiden werden noch eine ganze Reihe anderer in Tropen und Subtropen weitverbreiteter Krankheiten durch Stechmücken übertragen, von denen die wesentlichsten Kala-Azar, Orientbeule, Dengue, peruanische Warzenkrankheit und die Bancroftsche Filarienkrankheit sind. Wieder andere Erkrankungen werden durch Fliegen übertragen, von denen die afrikanische Schlafkrankheit, die durch die Tsetse-Fliege übertragen wird, die bekannteste ist. Auch für einige andere Arten der Filarienkrankheiten sind Fliegen die Ueberträger. Dem Biß der Kleider- und Kopfläuse ist Fleckfieber und Rückfallfieber zuzuschreiben, welch letzteres auch durch Zecken übertragen wird. Die beiden Formen der Ruhr, Bazillenruhr ebenso wie Amöbenruhr, werden durch den Genuß verunreinigten Wassers erworben, sowie durch Gemüse oder Obst, das mit SILBERSTEIN & C0 Inhaber Dr. Fritz Israel Silberstein 11

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